Ein spätslawischer Friedhof mit Schwertgräbern von Wusterhausen an der Dosse von Anders,  Jette, Bauer,  Uli, Biermann,  Felix, Brather,  Stephan, Brauer,  Olaf, Czermak,  Andrea, Eilbracht,  Heidemarie, Enders,  Lieselott, Hanik,  Susanne, Jungklaus,  Bettina, Kersting,  Thomas, Lettow,  Hartmut, Schopper,  Franz

Ein spätslawischer Friedhof mit Schwertgräbern von Wusterhausen an der Dosse

Facettenreicher Blick auf slawische Eliten

Die Anlage von Leitungsgräben an der Stadtkirche St. Peter und Paul von
Wusterhausen an der Dosse, Lkr. Ostprignitz-Ruppin, im Jahre 2006 betraf
einen bodendenkmalpflegerisch sensiblen Bereich im Herzen der
spätmittelalterlichen Stadt. Vorhergehende archäologische Untersuchungen
hatten hier bereits vorgeschichtliche, slawenzeitliche und
spätmittelalterliche Siedlungsbefunde sowie auch Gräber aufgedeckt. So
rechnete man mit einer interessanten stadtarchäologischen Befundlage.

Die baubegleitenden archäologischen Untersuchungen des Jahres 2006
übertrafen dann aber alle Erwartungen: In den schmalen Trassen der
Tiefbauarbeiten kamen zahlreiche Gräber eines spätslawischen
Bestattungsplatzes ans Tageslicht, darunter insbesondere zwei Grablegen
des 12. Jhs. mit reicher Ausstattung: Die Toten hatten Schwerter mit in
ihr Grab bekommen, in einem Fall in prunkhafter Ausführung mit
Silbertauschierung und -plattierung; überdies war einer der Toten mit
einem goldbetressten Gewand niedergelegt worden. Derartig reich
ausgestattete Personen, die wir unschwer den sozialen Eliten der
slawischen Gesellschaft zurechnen können, sind im nordwestslawischen
Raum eine große Seltenheit. Im heutigen Land Brandenburg stehen die
Gräber ganz ohne Vergleich da. Die glücklichen Funde von Wusterhausen
werfen insofern ein interessantes Schlaglicht auf die sozialen
Verhältnisse bei den Elbslawen, auf Repräsentationsgebaren und
Selbstverständnis ihrer Eliten gerade in jener Phase, in der sie sich
mit der Expansion deutscher Herrschaftsträger in den ostelbischen Raum
konfrontiert sahen.

Die besondere Bedeutung, die die Gräber von Wusterhausen für das
Verständnis jener Epoche haben, war Anlass für ein größeres
wissenschaftliches Aufarbeitungsprojekt unter Leitung der
Unterzeichneten, zu dem die Ausgräber – Dr. U. Bauer, O. Brauer M. A.
und H. Lettow M. A. (Berlin) – den Anstoß gegeben hatten. In diesem
Projekt taten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
verschiedener Disziplinen (Anthropologie, Archäologie, Archäozoologie,
Isotopenforschung, Landesgeschichte und Materialkunde) zusammen, um die
Grabungsergebnisse auszuwerten, unter verschiedenen Fragestellungen zu
untersuchen und in den Kontext ihrer Zeit einzuordnen.

Erfreulicherweise entschied sich die Gerda Henkel Stiftung (Düsseldorf),
dieses Unterfangen mit einer namhaften finanziellen Zuwendung zu
unterstützen. Dadurch waren einige interessante, insbesondere
naturwissenschaftliche Untersuchungen möglich, die sonst aus
Kostengründen häufig unterbleiben müssen. So können die Wusterhausener
Gräber hier sehr umfassend und facettenreich beleuchtet, die
Forschungsergebnisse recht kurze Zeit nach der Ausgrabung in Buchform
vorgelegt werden.

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