Forschungsbohrung Nieder Ochtenhausen von Meyer,  Klaus J

Forschungsbohrung Nieder Ochtenhausen

Ein Beitrag zur Miozän-Stratigraphie in NW Deutschland

Schon seit über hundert Jahren bedeutet die Gliederung des Miozäns im Nordwestdeutschen Tertiärbecken für viele Wissenschaftler eine besondere Herausforderung. Unter einer 36 m mächtigen Quartär-Bedeckung wurde die Bohrung bis zu einer Endteufe von 136 m niedergebracht. Mit den basalen Proben werden Braunkohlenschluffe erfaßt, die von Ton-Schichten mit Schluffeinlagen überlagert werden. Ab 104,9 m schließen sich zum Hangenden Schluffe, Feinst- und Mittelsande in ständiger Wechsellagerung an. In einer gemeinsamen Kampagne wurde die Bohrung gleichzeitig beprobt. Anhand einer detaillierten Kernaufnahme, geophysikalischer Vermessungen sowie geochemischer und petrographisch-sedimentologischer Untersuchungen wird eine lithostratigraphische Gliederung aufgestellt, während mikropaläontologische Untersuchungen die Voraussetzung für eine biostratigraphische Untergliederung in Zonen waren. Die Fragen nach der chemisch-mineralogischen Zusammensetzung waren ebenso von Interesse wie die Untersuchungen zur Klima- und Vegetationsgeschichte. Anhand des Aus- bzw. Einsetzens bestimmter Leitformen und/oder ganzer Fossilgruppen werden übergreifende „events“ herausgestellt. Ein erstes „Ereignis“ ist im Basisbereich der Bohrung zu erkennen, wo die Grenzlinien der verschiedenen Fossilgruppen auf engem Raum zwischen 135,5 m und1 32,0 m liegen. Zwischen den Nannoplankton-Zonen NN 4 (135,5 m) und NN 5 (132,0m) liegt die Grenze Hemmoorium/Reinbekium. Es wird die Grenze Frühes/Mittleres-Miozän erfaßt. Ein faziesabhängiges „Ereignis“ ist im Bereich zwischen 122,0 m und 117,0 m zu vermuten. Die geologisch-mineralogische Abschnittsgrenze 8/9 wird bei 119,4 m angegeben, während die Palyno-Grenze NO II/III zum Hangenden versetzt bei 117,6m liegt. Dinoflagellaten und Ostracoden zeigen in diesem Bereich durchlaufende Fossil-Zonen. Zu Beginn des weitgehend kalkfreien Abschnittes („Tostedter Schichten“) setzen die kalkigen Fossilgruppen wie folgt aus: Pyramidellen (123,0 m) -Bolboformen (122,0 m) – Otolithen (121,0 m) – Foraminiferen (120,6 m) – Uvigerinen (119,0 m) – Mollusken (119,0 m) – Pteropoden (118,75 m). Eine ähnliche Konstellation ist am Top der „Tostedter Schichten“ beim versetzten Wiedereinsetzen der verschiedenen Fossilgruppen zwischen 102,0 m und 99,5 m zu beobachten: Uvigerinen (102,0 m) – Bolboformen (101,6 m) – Pteropoden (101,5 m)- Foraminiferen (101,3 m) – Mollusken (101,0 m) – Nannoplankton (100,9 m) – Otolithen (99,5 m). Dinoflagellaten und Sporomorphen zeigen bei 101,0 m einePalyno-Grenze, während die Ostracoden-Zonengrenze bei 98,0 m liegt. Die geologisch-mineralogische Abschnittsgrenze 6/7 liegt bei 100,4 m und die Schwermineral-Assoziation-Grenze 6/7 bei 100,5 m. Nach seinen Mollusken-Befunden legt HINSCH (in diesem Band) am Top der „Tostedter Schichten“ die Stufengrenze Langenfeldium/Gramium fest. Zum Hangenden sind mehrfach keine übereinstimmenden biostratigraphischen Grenzen zu erkennen. Erst im Bereich von 70 m bis 60 m ist ein weiteres „Ereignis“ zu vermuten. Da Zonen- bzw. Abschnittsgrenzen der einzelnen Fossilgruppen in diesem Bereich stark versetzt sind,die Stufenbezeichnungen allein auf den Mollusken-Befunden beruhen und GAEMERS anhand der Otolithen-Ergebnisse eine neue Stufenbezeichnung postuliert, wird auf die Beiträge der einzelnen Autoren verwiesen. Hier werden Erläuterungen zu Alters-Fixpunkten, Fazies-Fragen und zur Sequenzstratigraphie gegeben. Mehrere Autoren diskutieren eine Korrelation mit der Forschungsbohrung Wursterheide, die ca. 44 km nordwestlich unterhalb von Cuxhaven (BENDA, 1989) abgeteuft wurde. Übereinstimmungen und Abweichungen werden aufgezeigt. Die Bezeichnung der Stufen und Unterstufen beruht im nordwestdeutschen Tertiärbecken bisher im wesentlichen auf der Mollusken-Gliederung, und entspricht somit faktisch einer Einteilung in Mollusken-Biozonen. Da Grenzbefunde dieser Fossilgruppe nachweislich mehrfach auf Faziesaussagenberuhen, galt es, die Regionalergebnisse und die aufgestellten Unterstufen multidisziplinär zu überprüfen und neu zu definieren. Nach den bisherigen Ergebnissen sind die miozänen Stufengrenzen und deren zeitliche Zuordnung noch nicht endgültig gesichert, stehen weiter zur Diskussion und verlangen eine klare Entscheidung durch das RCNNS (Regional Committee on Northern Neogene Stratigraphy). Eine aktuelle, verbindliche Stufengliederung ist sowohl für den regionalen Bereich als auch für die Korrelation mit internationalen Gliederungen (z.B. ICCP 124, VINKEN 1988) von Bedeutung. Mit der Kernbohrung Nieder Ochtenhausen sind eine Vielzahl neuer Basisdaten erarbeitet worden. Diese können für aktuelle Grenzdefinitionen herangezogen werden und haben somit eine wesentliche Bedeutung für die Grundlagenforschung.

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