Fotografie. Landschaft Leute Licht – Kunst Oberschwaben 20. Jahrhundert von Cremer-Schacht,  Dorothea, Frommer,  Heike

Fotografie. Landschaft Leute Licht – Kunst Oberschwaben 20. Jahrhundert

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Bodenseekreis und im Neuen Schloss Meersburg, 16.8. bis 3.11. 2013

Die Welt und ihre Erscheinungen ins Bild zu bannen, das ist das Ziel der Fotografie. Das scheinbare Festhalten der Qualität durch das fotografische Auge hat im 20. Jahrhundert unsere Wahrnehmung verändert – überall auf der Welt. Was das für Oberschwaben bedeutet zeigt der Katalog zur Ausstellung „Landschaft, Leute, Licht“. Er zieht eine Bilanz der Entwicklung der Fotografie in der Region zwischen Schwäbischer Alb und Bodensee im 20. Jahrhundert.

Der Band bietet in chronologischer Rückschau einen visuellen Spaziergang durch das Oberschwaben des letzten Jahrhunderts. Er versammelt rund 120 Werke der wichtigsten Fotokünstler dieser Region, darunter auch viele national und international bekannte Fotografen wie Otl Aicher, Hannes Kilian, Heinz Hajek-Halke, Rupert Leser, Claudio Hils oder Herlinde Koelbl.

Die Kuratorin der Ausstellung, Dorothea Cremer-Schacht, ging einer Reihe von wesentlichen Fragen nach: Welche Motive und Momente wurden festgehalten? Wie sahen die 37 Fotografen die Welt, wie Oberschwaben? Was machten sie daraus in der Dunkelkammer? Welche Formen des Ausdrucks haben sie gefunden? Dürfen wir ihre Arbeiten als Spiegel der damaligen Verhältnisse begreifen, oder handelt es sich um Inszenierung? Wie „oberschwäbisch“ ist die Fotografie? Wo zeigen sich überregionale Tendenzen?

Die in der Galerie Bodenseekreis und im Neuen Schloss Meersburg gezeigten Positionen stehen für eine breite Vielfalt der Ansätze und ihrer Umsetzungen. Die Arbeiten von Peter Scherer, der das Leben in Stadt und Land festhielt, bezeugen den etwa zu Beginn des Jahrhunderts einsetzenden Wandel der Fotografie vom Handwerk zur Kunstform. An die Formensprache der in der Weimarer Republik entstandenen Neuen Sachlichkeit gemahnen die strengen Porträts von Friedrich Pöhler oder Hugo Fränkel. Die alten Zeppelin-Fotografien von Alfred Wolf oder Lotte Eckener thematisieren die technische Seite der Region Oberschwaben-Bodensee.

Wie sich die Fotografie in den 1950er Jahren internationale Tendenzen anschloss und sich der Abstraktion zuwandte, veranschaulichen Arbeiten von Mitgliedern der Gruppe „fotoform“, unter ihnen Siegfried Lauterwasser und Toni Schneiders. Abstraktion und Experiment finden sich in den Licht-Arbeiten von Marta Hoepffner oder Irm Schoffers. Seit den 1970er Jahren tauchen Verbindungen der Fotografie zu anderen Kunstformen auf, so etwa in den „Totentänzen“ von Werner Stuhler und Georg Muche. Manfred Montwé fotografierte Performances von Nam June Paik, und Wolfgang Volz arbeitete mit Christo.

In den letzten beiden Jahrzehnten des Jahrhunderts lässt sich eine Renaissance des Interesses der Fotokünstler am Abbilden der Region und ihrer Menschen verzeichnen. Neben Rupert Leser haben sich u.a. Markus Trippel und Zoltán Jókay diesen „klassischen“ Formen zugewandt.

Der Katalog gibt einen Überblick über die wichtigsten fotografischen Positionen in Oberschwaben im letzten Jahrhundert und legt damit ein breites Fundament für das Verständnis des vielfältigen Schaffens der Fotokünstler in unserer Gegenwart – nicht nur in dieser Landschaft.

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