Frontex – Keiner kommt hier lebend rein von Schuberth,  Richard

Frontex – Keiner kommt hier lebend rein

Eine mediterrane Groteske

Ein Schiff der Grenzschutzbehörde Frontex rammt ein Flüchtlingsboot. Die einzigen Überlebenden, LaBoeuf, ein larmoyanter Frontex-Offizier, Swantje van Eycken, eine Arte-Aufdeckungsjournalistin, Flo Hagenbeck, eine Berliner Performance-Künstlerin und ein stummer Flüchtling (der ‚Schwarzer Körper‘) landen auf einer unbewohnten Insel. Es gibt kein Fleisch – und irgendwann muss einer der Überlebenden ein Hölzchen ziehen …
Der ‚Schwarze Körper‘ erweist sich auch für die drei Weißen als Fläche der eigentümlichsten Projektionen, als Sexobjekt und als kulturelles Kuscheltier, ehe er in einem angsteinflößenden Traum-Monolog, in dem er die Zukunft Europas umreißt, eine kraftvolle Stimme erhält …
Doch ihre Odyssee ist nicht zu Ende. Sie begegnen höchstpersönlich der deutschen Bundeskanzlerin (‚Mama Merkel‘) und in einer Asylcastingshow auf Lampedusa dem für Frontex arbeitenden Stand-up-Comedian Denis Quartermain, einer dämonischen Monty-Python-Paraphrase, systemkonform, zynisch und dennoch beliebt bei afrikanischen Emigranten und europäischen Intellektuellen. Doch verkehrte Welt – die weißen Schiffbrüchigen werden als schwarze Flüchtlinge nach Nuova Esperanza in die libysche Wüste abgeschoben. Dort wird der liberale Traum Europas wahr: ein vollklimatisiertes, wie ein Dienstleistungsunternehmen geführtes Flüchtlingslager mit Reintegrations-, Sinn- und Berufsindungscoachings – mit einem Wort: die wahre Hölle!
Das groteske Lese-Drama über Rassismus und Identitätskannibalismus und die versöhnende und konformistische Kraft schlechten Humors hat Richard Schuberth bereits 2011 geschrieben, also lange vor der bislang größten Flüchtlingstragödie vor Lampedusa im Vorjahr. Neben bizarren Wendungen und Musicaleinlagen führt Frontex – Keiner kommt hier lebend rein eine Welt vor, wo alle, gute wie schlechte, kritische wie angepasste Menschen, einander verwerten, bis zur letzten Faser der Identität und manchmal auch bis zur letzten Faser des Lendenstücks.

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