Johann Heiss. Memmingen und Augsburg 1640-1704. Ein Maler des Barock von Königfeld,  Peter

Johann Heiss. Memmingen und Augsburg 1640-1704. Ein Maler des Barock

„Pictor celebris“ wird Johann Heiss zu Lebzeiten genannt, und Joachim von Sandrart lobt ihn 1675 ausdrücklich in seiner „Teutschen Academie“ als Historienmaler, dessen Bilder „die Liebhaber und Kunstverstaendige sehr wohl contentiren“.

1640 in Memmingen geboren, geht er in die Lehre von Hans Conrad und Johann Sichelbein, Mitgliedern einer in Schwaben und im Allgäu agierenden Malerfamilie. Befruchtend für sein Werk werden Einflüsse der großen Meister Venedigs des Cinquecento, Tizian, Tintoretto, Veronese, aber auch der Bassano, die er bei seiner zu vermutenden Wanderung nach Italien aufnimmt. Vielerlei Anregungen verdankt er Poussin, dem herausragenden „pictor doctus“ der Epoche und akademischen Kunsttheoretiker, aber auch Johann Heinrich Schönfeld, dem bedeutendsten Maler Deutschlands seiner Zeit.

1663/64 führt ihn sein Weg an den Stuttgarter Hof, wo er eine Reihe von Werken mythologischen, allegorischen und religiösen Inhalts für die Sammlungen der württembergischen Herzöge schafft. Obwohl von evangelischer Konfession, wirkt er mit einer Reihe von großen Altarblättern intensiv an der ersten Modernisierungswelle von Klöstern und katholischen Kirchen in Schwaben und Österreich nach dem Dreißigjährigen Krieg mit.

1677 übersiedelt er nach Augsburg, wo er bis zu seinem Tode 1704 bleibt. Der Rat der Handels- und Kunstmetropole am Lech, die ihn mit ihrer Offenheit für Neues und Fremdes anlockt, bemüht sich in jenen Jahren erfolgreich um die qualitative Hebung der künstlerischen Produktion durch Ansiedlung fähiger Künstler.

In seinen Akademiebildern stellt Heiss sein kunsttheoretisches Programm vom Wesen seiner und der Augsburger akademischen Kunst dar. Sie machen sein Bemühen um Emanzipation aus dem traditionellen handwerklichen Milieu und die Erhebung der Kunst zum Ideal der Vollkommenheit deutlich.

Er folgt in seinen Werken den Prinzipien der zeitgenössischen französischen Kunsttheorie, welche die „Historie“ an der Spitze der Gattungshierarchie sieht. Unmittelbare Beziehungen zum Theater mit seinen strengen Regeln der Einheit von Ort, Zeit und Handlung sind in seinen Gemälden deutlich.

Heiss formt aus verschiedenen Anregungen etwas unverwechselbar Neues, das trotz der didaktisch angelegten Inhalte auf die unmittelbare Wirkung auf den Betrachter als Kunstwerk setzt. Seine vielfigurigen Bilder erschließen sich dem gebildeten Rezipienten mit genauen Kenntnissen über Mythologie und antike Geschichte. Sie sind aber gleichzeitig von geistvoller Erfindung und sinnlichem Reiz.

Die Gemälde von Heiss sind auf zahlreiche öffentliche und private Sammlungen verteilt. In der vorliegenden Monographie werden sie in einem Werkkatalog erfaßt und in ihrer komplizierten Ikonographie erläutert. In knapper Form werden Lebensweg und Oeuvre einführend nachgezeichnet. Fast alle derzeit erreichbaren Gemälde werden erstmalig in dieser Geschlossenheit farbig abgebildet.

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