Johann Michael Haydn. Seine Beziehungen zur Dommusik in Temeswar und Grosswardein von Metz,  Franz

Johann Michael Haydn. Seine Beziehungen zur Dommusik in Temeswar und Grosswardein

In den biographischen Daten des Komponisten Johann Michael Haydn (* 14. Sept. 1737 Rohrau, + 10. Aug. 1806 Salzburg) gibt es bezüglich seiner ersten Schaffensperiode noch viele Geheimnisse und Unstimmigkeiten. Es gibt bisher kaum ein größeres Musiklexikon, das diese Zeit näher beschreibt und meist stimmen diese Daten nicht über-ein oder wurden falsch übernommen. Dies liegt auch daran, daß nur wenige Musikhistoriker den Ort seiner ersten Tätigkeit mit dessen musikalischen Umfeld erforscht haben. Mit der vorliegenden Studie soll, wenn auch nicht end-gültig, diese Lücke mit entsprechenden Daten ausgefüllt werden. Wenn auch nicht alle Fragen beantwortet werden können, so hoffe ich, daß damit die Tätigkeit des jungen Joh. Michael Haydn wie auch der Stand der damaligen hochentwickelten Musikkultur Temeswars und Großwardeins in ein rechtes Licht gerückt werden kann.
Johann Michael Haydn kam vermutlich 1745 in das Kapellhaus von St. Stephan in Wien, sang hier im Knaben-chor und erlernte eifrig das Spiel auf der Orgel, dem Klavier und der Violine. Er wurde auch früh zum Organisten-dienst an St. Stephan herangezogen. 1760 übernahm er seine erste Stelle als Musiker, u. zw. als Domkapellmeister des Bischofs zu Großwardein (rumänisch: Oradea Mare, ungarisch: Nagyvárad, lateinisch: Magnum Varadinum). Über die Tätigkeit Joh. Michael Haydns bis 1760 gibt es kaum Belege, selbst viele seiner ersten Kompositionen sind nicht datiert und der Ort deren Entstehung bleibt ungewiß. Im Jahre 1757 schrieb der damals Zwanzigjährige die Missa canonica von J. J. Fux ab (datiert 5. Sept. 1757), vermutlich um sich in der Komposition zu üben.
Zu den biographischen Daten Joh. Michael Haydns gehören auch die Namen zweier bischöflichen Residenzstädte des damaligen Ungarns, Großwardein und Temeswar, die seit 1918 zu Rumänien gehören. In der Geschichte der beiden benachbarten Bistümer Temeswar und Großwardein sind viele Ähnlichkeiten zu erkennen: dies beginnt schon mit der Gründung beider Diözesen im 11. Jh, und kann im 18. Jh. mit die Vertreibung der Türken und der Wiedereinrichtung der kirchlichen Strukturen beobachtet werden.
Nach einer gründlichen Untersuchung der verschiedenen Forschungsquellen (Rechnungsbücher, Inventarlisten), dem Studium der nicht so zahlreichen Sekundärliteratur wie auch durch die Erforschung der kirchenmusikalischen Entwicklung an beiden Bischofskirchen, in Temeswar wie in Großwardein, kann man u.a. die Schlußfolgerung zie-hen, dass er seine Missa Sanctissimi Trinitatis 1754 für die Einweihung der Temeswarer Domkirche komponiert hat. In Großwardein entstanden zahlreiche Werke, u.a. die 6 Salve Regina, Messen, Offertorien, Gradualien, Kammermu-sikwerke und Konzerte.

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