Möwen über dem Bruch von Finckenstein,  Ottfried Graf

Möwen über dem Bruch

„Möwen über dem Bruch“ ist der erste Roman von Ottfried Graf Finckenstein. Er spielt in den 1920er Jahren und schildert in heiter-ironischer Weise Szenen aus der Welt des ostelbischen Gutsherrn Eberhard von Babenz zwischen Großstadt und Landleben.

Vermehrt um eine ausführliche Bibliographie und biographische Angaben.

Leseprobe:

Natürlich war es Lillys fraulicher Sorge nicht entgangen, daß Eberhard in der letzten Zeit schlecht aussah und einen scheuen, weltabgewandten Eindruch machte. Es schien ihr, als sei er vor allem gerade besonders darauf bedacht, diesen Eindruck vor ihr zu verheimlichen. Er war in ihrer Gegenwart ausgesprochen heiter, von einer etwas erzwungenen Fröhlichkeit und vermied im übrigen jede Möglichkeit einer Ansprache.
Die blonde Frau konnte ein solches Verhalten nicht verstehen. Es lag nicht in ihrer Natur, vorhandene Unannehmlichkeiten durch Geheimnistuerei zu vergrößern. Sie hatte von ihrer Mutter gelernt, daß offene Aussprache das beste Reinigungsmittel für eine undurchsichtige Atmosphäre ist. In ihrem Elternhause waren solche Aussprachen zur ständigen Einrichtung geworden, etwa wie die sonnabendliche gründliche Reinigung der Wohnung.
Auch Lilly war sehr dafür, sich von Zeit zu Zeit mit ihrem Mann offen auszusprechen, was sie dann ausgiebig besorgte. Da Eberhard ihr neuerdings eine Gelegeneheit dazu nicht bot, wandte sie sich an ihre Freundin, Eva Veid. Sie erschien ihr als die geeignete Persönlichkeit.
Eva Veid, ein dunkles schmalhüftiges Mädchen von etwa 23 Jahren, pflegte den Winter bei dem Ehepaar Babenz zu verbringen. Der Zufall hatte Sie – eines jener losen Blätter, die die Stürme der Nachkriegszeit in Europa herumtreiben – in das Babenzsche Haus getragen, wo sie sich sozusagen als Hausfreundin niedergelassen hatte.
Von Natur aus war sie ein harmloses Menschenkind gewesen, bevor sie eines Tages in einen literarischen Salon geriet und sich dort von irgendeinem Jüngling das Epiteton „Intellektuelle“ aufschwatzen ließ. Sehr zu Unrecht übrigens, denn sie war weder einseitig noch arrogant. Aber ihre Unerfahrenheit nahm diesen viel mißbrauchten Ausdruck als Huldigung, und sie versuchte seither, mit Eifer und Ausdauer, der ihr als ureigenste Note anempfohlenen Pose gerecht zu werden.
So legte sie im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeit die meisten weiblichen Gefühlsäußerungen wie unmoderne Kleider einfach ab, negierte die einfachsten metaphysischen Zusammenhänge mit völlig unbegründeter Skepsis, lebte andauernd über ihre geistigen Verhältnisse und erreichte ziemlich schnell eine angesehene Stellung in den Kreisen, die das Leben durch übergroße Hornbrillen verzerrt ansehen.
Im übrigen war sie Schriftstellerin, d. h. sie ernährte sich vom Schreiben. Sie schrieb für das Publikum, das sich selbst zu lesen wünscht, und hatte damit entsprechenden Erfolg. Ihre Skizzen – andere Werke kamen nicht aus ihrer Feder – waren völlig sinnlos, hatten aber jenen gewissen Hautgout, der übersättigten Gehirnen begehrenswert erscheint.

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