Weitersfeld / Schaffa von Damm,  Alfred

Weitersfeld / Schaffa

Zur Geschichte einer jüdischen Landgemeinde an der mährischen Grenze in der Neuzeit · Eine Spurensuche

Die steigenden Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse Mitte und Ende des 16. Jahrhunderts motivierten die adeligen Grundherrschaften auch in Niederösterreich, ihre Eigenwirtschaften zu intensivieren; nicht mehr für den Eigenbedarf wurde produziert, sondern für den Verkauf.
Die herrschaftlichen Pfleger, Kastner und Inspektoren waren mit ihrer Arbeit im Herrschaftsbereich vollauf ausgelastet, für den Absatz der grundherrschaftlichen Güter wurden deshalb Vermittler zu den Märkten benötigt. So waren Zwischenhändler z.B. für Getreide gefragt – im Waldviertel allerdings mehr für Schafe, deren Felle und Wolle. Für derartige Aufgaben konnten jüdische Kaufleute mit ihren traditionell weitreichenden Handelsbeziehungen ideal eingesetzt werden. Ein Aspekt, der sicherlich für manche der Wirtschafts-Herrschaften Niederösterreichs der entsprechende Anreiz war, Juden im eigenen Bereich anzusiedeln.
Wenn man sich die Anlagebücher der Jahre vor 1670 ansieht, könnte man den Eindruck gewinnen, Juden wären über das nördliche Niederösterreich geradezu durchdacht und absichtlich verstreut angesiedelt worden. Denn außer einigen Zentren in denen etwa 10–20 jüdische Familien lebten, gab es im 17. Jahrhundert etwa 45 Dörfer mit nur wenigen Juden, zwei bis fünf Familien, vermutlich aber auch Einzelpersonen. Es scheint so, als hätten genügend Grundobrigkeiten Interesse daran gehabt, zwar nicht viele, doch immerhin einige Juden „bei der Hand“ zu haben – zu „halten“ wie die zeitgenössische Diktion lautete – um, genau wie der kaiserliche Hof, deren Geschäftsverbindungen zu nützen. Dazu benötigte der Herrschafts-Besitzer allerdings ein spezielles kaiserliches „Privileg“. So führt Pribram ein Dekret der nö. Regierung aus 1630 an, dass jeder, der auf seinem Gebiet Juden „halte“ den Besitz eines diesbezüglichen Privilegs nachzuweisen hätte. Wer dies nicht könne, sei zu bestrafen und die Juden „abzuschaffen“.
Die rechtliche Stellung der Juden in Niederösterreich in diesem Jahrhundert war unklar, aber meist verhandelbar. Grundsätzlich beanspruchte noch der Landesfürst die Verfügungsgewalt über Juden, er nahm sie unter seinen „Schutz“, d.h. er akzeptierte aus finanziellen Erwägungen ihre Ansiedlung.

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