Wissensregulierung und Regulierungswissen von Bora,  Alfons, Henkel,  Anna, Reinhard,  Carsten

Wissensregulierung und Regulierungswissen

Der Begriff der Wissensregulierung bezieht sich auf die politische und gesellschaftliche Praxis der Regulierung von Wissen in der Gesellschaft; der Begriff des Regulierungswissens auf jenes Wissen, das aus der Reflexion einer solchen Praxis der Wissensregulierung entsteht. Qua Reflexion ist Regulierungswissen ein Wissen zweiter Ordnung. Je nachdem welche Form der Wissensregulierung beobachtet wird, kann unterschieden werden zwischen einem politischen Regulierungswissen um die Instrumente der Wissensregulierung und ihrer Wirkungen und einem gesellschaftstheoretischen Regulierungswissen, das die gesellschaftlichen Bedingungen und Wirkungen politischer Wissensregulierung beobachtet. Die in diesem Band verhandelte Frage, wie Gesellschaft mit der Erforderlichkeit und zugleich Gefährlichkeit neuen Wissens umgeht, ist als Erweiterung gesellschaftlichen Regulierungswissens zu verstehen – sowohl des Regulierungswissens um Instrumente, Mechanismen und Wirkungen politischer Regulierung, als auch des Regulierungswissens um den Stellenwert politischer Wissensregulierung in der Gesellschaft.
Das Thema Wissensregulierung und Regulierungswissen wird unter drei Gesichtspunkten betrachtet: (1) Wissensregulierung als Regulierung von Institutionen des Wissens, (2) Wissensregulierung als Regulierung von und durch Wissen sowie (3) Regulierungswissen als Reflexion auf das Verhältnis von Wissen, Regulierung und Gesellschaft.
Die Beiträge des Abschnittes zur Wissensregulierung als Regulierung von Institutionen des Wissens gehen vor allem der Frage nach, wie sich die Einflüsse von Politik auf Wissenschaft als Institution verändern und inwieweit damit Auswirkungen auf das Wissen selbst verbunden sind. In seinem Beitrag zum Governance-Wandel der Wissenschaft und den Folgen für die wissenschaftliche Forschung zeichnet Uwe Schimank verschiedene politische Einflussformen, den Zusammenhang von Governance-Strukturen und Forschungsbedingungen sowie den Einfluss von Autoritätsbeziehungen nach. Jochen Gläser und Thimo von Stuckrad schließen an diesen konzeptionellen Rahmen an und untersuchen den Einfluss von Evaluationsverfahren auf die empirische Forschung als eine spezifische Form aktueller Governance. Um Evaluation geht es auch im Beitrag von Dagmar Simon, die die Spezifika von Evaluationsverfahren anstelle von peer reviews im internationalen Vergleich aufzeigt. Mit seinem Beitrag zum Wissenschaftsmanagement in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eröffnet Rüdiger Hachtmann eine historische Perspektive auf Wissensregulierung im Sinne einer Regulierung wissenschaftlicher Institutionen.
Liegt im ersten Teil der Schwerpunkt auf der Regulierung von Institutionen des Wissens, geht es im zweiten Teil um Wissensregulierung als Regulierung von und durch (wissenschaftliches) Wissen. Hier steht die Problematik im Mittelpunkt, dass die Regulierung von Wissen zugleich Innovationspotential offenhalten und Risikopotential vermeiden muss. Am Fall der Europäischen Chemikalienverordnung zeigt Martin Führ, wie im Umgang mit dieser Problematik eine Form der Regulierung entsteht, die das Problem der Doppelanforderung gleichsam an die zu regulierenden Akteure zurückgibt und somit Elemente von Selbstorganisation regulierend aufgreift. Wolfgang Hoffmann-Riem nutzt das Beispiel REACH, um das Problem der rechtlichen Normsetzung unter Bedingung von Wissen/Nichtwissen in den allgemeineren Kontext eines Wandels der Modi von Regulierung zu stellen. Lag der Schwerpunkt dieser beiden Beiträge auf der rechtlichen Regulierungsperspektive, so geht Martin Carrier auf den Stellenwert von Verlässlichkeit und Vertrauenswürdigkeit von wissenschaftlichem Wissen und seiner Regulierung aus wissenschaftstheoretischer Perspektive ein. Deutlich wird, dass Grenzen von Regulierung
nicht zuletzt Konsequenzen für die Legitimität wissenschaftlichen Wissens haben können. Marc Moelders schließlich geht auf die Unwahrscheinlichkeit eines Gelingens von Wissensregulierung aus gesellschaftstheoretischer Perspektive ein.
Produzieren bereits die Beiträge der ersten beiden Abschnitte Regulierungswissen in dem Sinne, die Praxis der Wissensregulierung zu reflektieren, so untersuchen die Beiträge des dritten Abschnitts Regulierungswissen im Sinne einer Reflexion auf das Verhältnis von Wissen, Regulierung und Gesellschaft. Mit einem Fokus auf den Zukunftsaspekt einer Regulierung von Wissen und Nichtwissen geht Sascha Dickel der Frage nach, inwieweit die Gesellschaft in einen neuen Modus der Wissensregulierung eingetreten sei. Einen Wandel von Regulierungsformen zeigt auch Sven Kette am Beispiel der Finanzmarktregulierung.
Ein Ausblick geht auf die Frage ein, inwieweit aus der Anwendung von Wissen auf Wissen und von Regulierungswissen auf Wissensregulierung ein neuer Eigenwert gesellschaftlicher Selbstregulierung entsteht und welche Folgen damit für die Verantwortbarkeit von Wissen verbunden sind.

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