Yquem von Amon,  Michael

Yquem

oder Schlafende Konten

„Am Tag der Vollendung meines vierzigsten Lebensjahres wurde mir mit unbarmherziger Deutlichkeit klar, daß ich inzwischen mehr anständige Weine als ebensolche Menschen kennengelernt hatte. Ich war also nicht verwundert, mit einem Mal festzustellen, daß mich in den vergangenen Jahren der Charakter von Menschen immer weniger und der von Weinen immer mehr zu interessieren begann.“ So eröffnet der Ich-Erzähler seine Geschichte. Er wohnt seit einigen Jahren in einer kleinen Fremdenverkehrsgemeinde und führt ein von den Menschen weit distanziertes Leben ohne jedwede Anteilnahme. Seine einzige verbliebene Leidenschaft gilt dem legendären französischen Süßwein von Château d’Yquem. Als er erfährt, daß die letzte existierende Flasche des Jahrgangs 1740 unmittelbar nach ihrer Entdeckung gestohlen worden ist, setzt er alles daran, sich in den Besitz dieser Flasche zu bringen.

In der selben Kleinstadt wohnt auch der Weinraritätenhändler Jürgensen, ein pensionsreifer Anwalt mit zweifelhafter Vergangenheit. Der Erzähler hofft, über diesen Jürgensen an die gesuchte Flasche zu kommen. Von einem Freund wird der Erzähler ersucht, eine entfernte Bekannte für ein paar Wochen aufzunehmen. Diese Bekannte, Ruth, ist eine junge, jüdische Frau, deren Großeltern väterlicherseits einst ein Haus am See hatten, das ihnen im Zuge der Arisierungen abgepreßt worden ist. Außerdem hat Ruth den Namen ihres ermordeten Großvaters mütterlicherseits auf der Liste der „schlafenden Konten“ der Schweizer Banken entdeckt. Jürgensen vertritt Ruth bei den Schweizer Banken.
Als der Ich-Erzähler – inzwischen in eine heftige Affäre mit Ruth verwickelt – hinter das Geheimnis um Jürgensens Person und dessen Verwicklung in die Enteignung jüdischer Vermögen kommt, wächst in ihm die – möglicherweise verrückte, aber für ihn selbst konsequente – Entschlossenheit, an Jürgensen Rache zu nehmen. Er tut dies kühl und überlegt, aus der Erkenntnis, daß sich weder ein irdischer noch ein jenseitiger Richter für Jürgensens Verbrechen finden würden. Es scheint ihm nur eine Lösung zu bleiben: Jürgensen zu töten – im Wissen, daß es keine angemessene Strafe geben kann.
Auf der Suche nach der legendären Flasche Yquem 1740 reist der Erzähler quer durch Europa: der Besuch einer unter Weinkennern legendären Verkostung von 125 Jahrgängen Yquem (ein zentrales Kapitel des Buches), Piemont und Paris sind die Stationen der Reise. In Paris – wo der nach Aufdeckung seiner Vergangenheit geflüchtete Jürgensen den 1740er Yquem übergeben will – kommt es zur großen Abrechnung.
„Dann werden wir sehen, wer recht hat: Sartre oder ich“, so die lakonische Folgerung des Ich-Erzählers.

Diese Geschichte ist nicht nur die Geschichte einer möglicherweise vergeblichen Liebe sondern auch eine über Gleichgültigkeit versus Anteilnahme und über die Frage der Gültigkeit der Philosophie des Existentialismus. Die Handlung führt in die merkwürdige Welt der Luxusweine samt ihren snobistischen Ritualen, in die Welt der Etikettensammler und Weinfälscher. Wir werden Zeugen unbewältigter Vergangenheit und der kleinen Possen der Provinz. Ebenso aber erleben wir auch, daß eine Generation von Erben bis heute alles daransetzt, die Untaten ihrer Vorfahren zu vertuschen: die Vermögen haben sie zwar bereitwillig geerbt, mit der sich daraus ergebenden, weiter existierenden und sich folglich immer wieder erneuernden Schuld will jedoch niemand etwas zu tun haben.

Eine Geschichte, lapidar und weit ausholend zugleich, die selbst beim Blick in die schaurigsten Abgründe der menschlichen Seele noch die Ironie des Absurden erkennt. Ein Roman voll melancholischem Sarkasmus – mit leisem Humor unterlegt.

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