Zur Standorts- und Vegetationsentwicklung im Goldauer Bergsturz von Grundmann,  Andrè

Zur Standorts- und Vegetationsentwicklung im Goldauer Bergsturz

Beim Goldauer Bergsturz von 1806 ist an der Rossbergsüdseite (Kanton Schwyz /Schweiz) ein eindrückliches, 6-7 km2 grosses mit Mergel durchmischtes Nagelfluh-Blockschuttgelände entstanden, das von der submontanen (500 m) bis in die hochmontane (1500 m) Zone reicht und heute zum grössten Teil von Wäldern bestanden ist. Die Vegetation im unteren Teil (<800 m) des Bergsturzgeländes wurde auf den Teilstandorten 'Block' und 'quasihomogener Waldboden' erstmals umfassend beschrieben und zu Vegetationskomplexen zusammengefasst. Die dabei angewandte Methode trägt den Inhomogenitäten und der mosaikartigen Verzahnung im Blockschuttwald Rechnung und berücksichtigt die relative Kleinflächigkeit der Bestände. Die Waldbestände im Bergsturzgebiet zeigen Beziehungen zu den Verbänden Molinio-Pinion, Cephalanthero-Fagion, Eu-Fagion und Andeutungen an das Tilio-Acerion. Teilweise sind Varianten mit eingeflochtenen versauerten Kleinstandorten vorhanden. An feuchten und von Wasser beeinflussten Standorten treten Bestände auf, die dem Alno-Fraxinion zuzuordnen sind. Die Fichte ist natürlicherweise stark vertreten; dies verdeutlicht ihre gute Konkurrenzkraft auf tiefliegenden Pionier- und Sonderstandorten. Die Vegetation der steilen Block- und Felsstandorte ähnelt folgenden weit verbreiteten Moos- und Felsspaltengesellschaften: Tortello-Ctenidietum mollusci, Neckero-Anomodontetum viticulosi, Thamnietum alopecuri und Asplenio-Cystopteridetum. Flache Moosblöcke tragen eine dem Dicrano-Hypnetum verwandte Vegetation. Auf flachen Blockoberflächen finden sich ausgesprochene Mischbestände aus Moos- und Sprosspflanzengesellschaften. Sie stehen in der trockenen Ausbildung Gesellschafts-Fragmenten der Föhrenwälder nahe. Rauh- und buntreitgrasreiche Bestände vertreten eine besondere Form des Stipion calamagrostidis. Frische Blockbestände sind als Fragmente des Cephalanthero-Fagion, Eu-Fagion oder Eurhynchion zu deuten. Luftfeuchte, farnreiche und nasse Bestände vermitteln zum Tilio-Acerion, Alno-Fraxinion und Epilobio-Geranietum robertiani. Auf grossen Blockoberflächen und Blockköpfen kommen attraktive, gehölzreiche, waldähnlich geschichtete Strukturen vor. Die Vegetationskomplexe des Bergsturzgebietes reichen (wie die einzelnen Vegetationseinheiten) von trockenen und wechseltrockenen zu frischen bis feucht-nassen Einheiten. Die Böden im Bergsturzgebiet gehören zu den Pararendzinen, Mergelrendzinen (Wechselfeuchtigkeit!) sowie den Braunerden mit beginnender Versauerung. Im oberen Bergsturzgebiet kommen nur flachgründige, gering entwickelte skelettreiche Mischgesteins- und Mergel-Rohböden vor. Im Überflutungsbereich von Fliessgewässern sind sandige Aueböden und an staunassen Lagen vereinzelte Fahlgleye vertreten. Auf den Blöcken ist meistens nur eine geringmächtige (basische bis saure) Humusauflage über der angewitterten Nagelfluhoberfläche vorhanden. Das niederschlagsreiche Voralpen-Klima mit Föhneinfluss wird in Abhängigkeit von Exposition und Geländegestalt im Blockbereich modifiziert. Auf relativ kurzer Distanz können schattige, feuchte und kühle Kleinstandorte mit sonnigen, leicht erwärmbaren und trockenen Standorten abwechseln. Für die Zukunft ist im Bergsturzgebiet die Weiterentwicklung und zum Teil eine veränderte räumliche Anordnung vor allem der unreifen Standorts- und Vegetationstypen anzunehmen. Alte Blockschuttstandorte am Rossberg ausserhalb des jungen Goldauer Bergsturzgeländes und normal gereifte Waldstandorte der Umgebung geben den Entwicklungshorizont für die im Goldauer Bergsturz langfristig zu erwartenden Verhältnisse an. Die Annäherung an solche klimax-ähnlichen Zustände wird nur langfristig (nach mehreren Jahrhunderten) erfolgen. Der Rossberghang und das Goldauer Bergsturzgebiet sind Teil eines schutzwürdigen, metastabilen Landschaftsökosystemes, in dem Prozesse in verschiedenen zeitlichen und räumlichen Massstäben ablaufen und das als Naturdenkmal ungeteilt zu erhalten ist. In einem zu entwickelnden Naturschutzkonzept für das gesamte Bergsturzgebiet sollten sowohl potentielle Urwälder, in denen jede menschliche Aktivität ruht, wie aktiv mitgestaltete und extensiv bewirtschaftete Gebietsteile nebeneinander existieren.

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