Vom Geld in der Kunst

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Geld ist in den vergangenen Jahren ein sehr präsentes Thema in der Kunst geworden. Dies mag an den Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte und den kaum nachvollziehbaren Höchstpreisen auf dem Kunstmarkt liegen. Die „Geldkunst“ (Money Works) entwickelt sich vor allem seit den 1960er Jahren als eigenes Genre, u.a. mit Arbeiten wie dem mit Dollarscheinen beklebten Totenschädel von Robert Morris („Untitled“, 1963/64), den beschrifteten Geldscheinen von Joseph Beuys oder Andy Warhols Serigrafien mit Dollarzeichen. Der Katalog „Gutes böses Geld: Eine Bildgeschichte der Ökonomie“ (Kerber Verlag, erschienen am 11.4.2016, siehe Abbildung) zur Großen Landesausstellung der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden zeigt, wie unterschiedlich Künstler über 750 Jahre hinweg bis heute Geld und den Umgang damit darstellen. Während die Renaissance-Kaufleute ihren Reichtum als Zeichen des Erfolges und Fortschritts zur Schau stellen, wird die Darstellung von Münzen in der Barockzeit zum Symbol des flüchtigen irdischen Reichtums.

Die Ausstellung „Kunst prägt Geld: MUSE MACHT MONETEN“, die noch bis zum 27.5.2017 im Berliner Bodemuseum zu sehen ist (Katalog „Muse Macht Moneten“ erschienen im Battenberg Gietl Verlag am 1.11.2016), wirft zunächst einen Blick zurück in die frühen 1990er-Jahre, als sich insbesondere Bildhauer aus dem ehemaligen Ost-Berlin intensiv und innovativ mit der neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation auseinandersetzten. Der zweite Teil beinhaltet künstlerische Medaillen zum Thema, die speziell für die Ausstellung geschaffen wurden. Die dritte Säule bilden Exponate der Berliner Sammlung Haupt „Dreißig Silberlinge – Kunst und Geld“. Stefan Haupt sammelt seit mehr als zwanzig Jahren Geldkunst und Kunstgeld nationaler und internationaler Künstler. Zu seiner Sammlung ist der Katalog „Sammlung Haupt. Dreißig Silberlinge – Kunst und Geld“ (Edition Braus, Berlin, 9.9.2013) erschienen, der einen detaillierten Überblick über die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Geld bietet. In den Arbeiten spiegeln sich politische Umbrüche oder historische Ereignisse genauso wider wie die Ästhetik oder Kultur einer Gesellschaft. In 15 Kapiteln werden einführend Themen wie „Die Macht des Dollars“ oder „Kultur und Identität“ erläutert, die nicht nur Einblick in die Sammlung sondern auch in das Thema „Geldkunst“ in der zeitgenössischen Kunst und dessen Geschichte geben.

Weitere Ausstellungen zum Geld in der Kunst sind „The End of Money“ im Witte de With Center for Contemporary Art (2011), „Sex, Money and Power“ in der Maison Particulière in Brüssel (2013) oder „Money Works Part 2“ (2014) im Berliner Haus am Lützowplatz. Die Online-Ausstellung www.mon3y.us (2013) bildet mit über 250 Arbeiten die breite Reflektion einer jungen Künstlergeneration ab. Christian Jankowski beleuchtet das Thema „Kunst und Geld“ in seiner Manifesta-Ausstellung „What People do for Money“ (2016) von einer anderen Seite. Über 30 Kollaborationen zwischen Künstlern und Berufsleuten aus unterschiedlichen Arbeitswelten werden dabei in den Vordergrund gestellt (Katalog „Manifesta 11: What People Do for Money“, Lars Müller Verlag, Juni 2016).

Autor: Tina Sauerländer

Die Kunsthistorikerin Tina Sauerländer hat mit ihrem Label peer to space u.a. diese Ausstellungen organisiert und kuratiert: PORN TO PIZZA—Domestic Clichés (2015), Dark Sides Of… (2015), Across the Lines (2014), Visual Noise (2014), Money Works Part 2 (2014), Entering Space (2013) oder Identity Reset? (2010). Sie ist Autorin für Texte über zeitgenössische Künstler, z.B. über Taryn Simon, Alicja Kwade, Carsten Nicolai oder Anselm Reyle für das Kritische Lexikon der Gegenwartskunst. Für den New Yorker Blog ArteFuse berichtet sie über das Berliner Kunstgeschehen. Sie ist die Gründerin des SALOON.