Zeichnungsräume in der zeitgenössischen Kunst

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Eine junge Künstlergeneration beweist aufs Neue die Eigenständigkeit des oft unterschätzten Mediums der Zeichnung. Die Hamburger Kunsthalle feiert ihre Neueröffnung mit der Ausstellung „ZEICHNUNGSRÄUME – Positionen zeitgenössischer Grafik“ (1. Teil: 30.4.-30.10.16 / 2. Teil 25.11.16-21.5.17). Im kürzlich erschienenen Katalog (Kerber Verlag) sind viele bekannte Namen des 20. Jahrhunderts wie Hanne Darboven, Gerhard Richter, Thomas Schütte oder Rosemarie Trockel vertreten. Vor allem sind es aber die Künstler einer jungen Generation, die die Innovationskraft der Zeichnung im 21. Jahrhundert vorantreiben und die glücklicherweise auch in Katalog und Ausstellung eingegangen sind.

Dazu gehören unbestritten Jorinde Voigt mit ihren „Übungen in der Betrachtung von Kunstwerken“ (2014). Der ebenfalls kürzlich erschienene Katalog „Jorinde Voigt. Now: Kunsthalle Krems“ (Walther König, 30.11.2015) gibt einen tieferen Einblick in die dynamischen, komplexen Spannungssysteme der in Berlin lebenden Künstlerin. Im Katalog der Hamburger Kunsthalle ist auch Nadine Fecht vertreten, die sich in ihren konzeptuell-abstrakten Zeichnungen mit den politischen Aspekten von Individuum und Gesellschaft beschäftigt. Vorgestellt werden auch die Konzeptkünstlerin Danica Phelps, die das Medium sehr vielseitig einsetzt, sowie die rötlich-morbiden Körper von Bea Emsbach. Andere innovative Positionen wie die filigranen, zeitgenössischen Welten von Jen Ray oder die monumentalen Moirés von Caroline Kryzecki fehlen allerdings.

Wer die Ausstellung im Berliner Kupferstichkabinett verpasst hat, kann mit gutem Gewissen auf den eindrucksvollen Katalog „Double Vision: Albrecht Dürer & William Kentridge“ (Sieveking Verlag, erschienen am 1.11.2015) zurückgreifen. Das Werk des zeitgenössischen Künstlers William Kentridge offenbart zahlreiche Bezüge zum Oeuvre des geistreichen Renaissancekünstlers Albrecht Dürer. Beide Künstler reflektier(t)en gesellschaftliche und politische Umbrüche ihrer Zeit oder ihrer jüngsten Vergangenheit. Im Katalog werden demnach nicht nur zwei Künstler, sondern auch zwei Epochen gegenübergestellt, deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten beleuchtet werden. Derzeit zeigt der Berliner Martin-Gropius-Bau eine Einzelausstellung von William Kentridge. Der Katalog „William Kentridge. No, it is: Martin-Gropius-Bau, Berlin“ erscheint am 30.6.2016 bei Walther König.

Einer der Hauptvertreter des Abstrakten Expressionismus und Theoretiker eines neuen Sublimen, Barnett Newman, ist vielen hauptsächlich durch seine monumentalen und monochromen Leinwände ein Begriff. Nun zeigt eine Einzelausstellung im Baseler Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel, welches das gesamte druckgrafische Oeuvre und seit 2014 auch bedeutende Zeichnungen des amerikanischen Künstlers besitzt, eine entsprechende, umfassende Ausstellung. Mit dem Katalog „Barnett Newman: Zeichnungen und Druckgrafik“ (Kerber Verlag, 18.4.2016) liegt nun erstmals eine Publikation vor, die einen Überblick über das gesamte grafische Schaffen des Künstlers bietet.

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Autor: Tina Sauerländer

Die Kunsthistorikerin Tina Sauerländer hat mit ihrem Label peer to space u.a. diese Ausstellungen organisiert und kuratiert: PORN TO PIZZA—Domestic Clichés (2015), Dark Sides Of… (2015), Across the Lines (2014), Visual Noise (2014), Money Works Part 2 (2014), Entering Space (2013) oder Identity Reset? (2010). Sie ist Autorin für Texte über zeitgenössische Künstler, z.B. über Taryn Simon, Alicja Kwade, Carsten Nicolai oder Anselm Reyle für das Kritische Lexikon der Gegenwartskunst. Für den New Yorker Blog ArteFuse berichtet sie über das Berliner Kunstgeschehen. Sie ist die Gründerin des SALOON.

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