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OEKO-TEX Standard 100: Was das Siegel bei Polstermöbeln und Matratzen belegt

Der OEKO-TEX Standard 100 ist das Siegel, das bei Polstermöbeln und Matratzen am häufigsten auf dem Etikett klebt. Es belegt, dass der Bezugsstoff und jedes Einzelteil daran auf Schadstoffe geprüft wurden. Was es nicht belegt: wie lange das Möbelstück hält und woher das Holz im Gestell kommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der OEKO-TEX Standard 100 prüft textile Produkte und Zubehörmaterialien auf Schadstoffe. Geprüft werden alle Einzelbestandteile eines Artikels, nicht nur der Oberstoff.
  • Matratzen, Polstermaterial, Federn und Daunen fallen ausdrücklich in den Anwendungsbereich. Leder nicht – dafür gilt der OEKO-TEX Leather Standard.
  • Die Produktklasse entscheidet, wie streng geprüft wird: Matratzen gelten als hautnah, Möbelstoffe als Ausstattungsmaterial.
  • Ein Zertifikat gilt ein Jahr. Die Nummer auf dem Label können Sie im Label Check von OEKO-TEX nachschlagen.
  • Das Siegel ist laut Standard-Dokument ausdrücklich kein Gütezeichen. Es sagt nichts über Gebrauchstauglichkeit, Pflegeverhalten oder Brennverhalten.

Was der OEKO-TEX Standard 100 prüft

Der Standard gilt laut seinem Anwendungsbereich für textile Produkte und Zubehörmaterialien, und zwar für Artikel aller Produktionsstufen, einschließlich aller textilen und nicht-textilen Bestandteile. Beim Sofa heißt das: Nicht nur der Bezugsstoff wird untersucht, sondern auch Nähgarn, Reißverschluss und Knöpfe. Im Standard steht der Satz unmissverständlich: „Es müssen alle Einzelbestandteile eines Artikels geprüft werden.” OEKO-TEX gibt auf der eigenen Website an, gegen eine Liste von über 1.000 Schadstoffen zu testen.

Für Polstermöbel und Betten ist ein zweiter Satz im Anwendungsbereich entscheidend. Der Standard ist auch anwendbar für „Matratzen, Federn und Daunen, Polstermaterial und andere Materialien mit ähnlicher Charakteristik”. Schaumstoffkern, Daunenfüllung und Bezug können also im selben System zertifiziert sein – müssen es aber nicht. Welche Bestandteile ein konkretes Zertifikat abdeckt, steht im Zertifikat selbst.

Zwei Grenzen zieht der Standard selbst. Leder, Lederfaserwerkstoffe, Felle und Pelze werden nicht nach Standard 100 geprüft, sondern nach dem OEKO-TEX Leather Standard. Chemikalien, Hilfsmittel und Farbmittel laufen über ein eigenes Programm namens ECO PASSPORT. Bei einem Ledersofa fragen Sie also nach dem falschen Papier, wenn Sie den Standard 100 verlangen.

Anhang 4 oder Anhang 6

Hersteller entscheiden bei der Anmeldung, nach welchem Kriterienkatalog geprüft wird. Anhang 6 ist der erweiterte Katalog: Er ergänzt die Grenzwerte um „weitere und oft strengere Anforderungen”, die eine verbesserte Umweltleistung während der Produktion zum Ziel haben. Welcher Anhang angewendet wurde, wird auf dem Zertifikat vermerkt und lässt sich über die Zertifikatsnummer abrufen.

Produktklassen: Matratze und Möbelstoff werden unterschiedlich streng geprüft

Eine Produktklasse gruppiert Artikel nach ihrem späteren Verwendungszweck. Je großflächiger der Hautkontakt, desto strenger die Anforderungen.

ProduktklasseGilt fürBeispiele aus dem Standard
I – Für BabysArtikel, Vorprodukte und Zubehör für Kinder bis 36 MonateWindeln
II – Mit HautkontaktArtikel, die großflächig direkt auf der Haut liegenMatratzen, Unterwäsche, Hemden
III – Ohne HautkontaktArtikel, die nur mit kleiner Fläche die Haut berührengefütterte Artikel
IV – AusstattungsmaterialienMaterialien für AusstattungszweckeMöbelstoffe, Dekorationsstoffe, Vorhänge, textile Bodenbeläge

Für den Möbelkauf sind zwei Zeilen wichtig. Matratzen nennt der Standard als Beispiel für Klasse II, also für hautnahe Artikel mit strengeren Anforderungen. Möbelstoffe listet er dagegen unter Klasse IV, den Ausstattungsmaterialien. Ein Sofabezug wird daher in der Regel nach der mildesten Stufe geprüft. Zertifiziert werden können nicht nur verkaufsfertige Artikel, sondern auch Vorprodukte wie Fasern, Garne und Flächengebilde.

Hinweis: Steht auf dem Label eine Produktklasse, lohnt der Blick darauf. Dieselbe Zertifikatsnummer sagt bei Klasse II mehr aus als bei Klasse IV.

Was das Siegel nicht abdeckt

Hier ist das Standard-Dokument deutlicher als jede Werbung: „Die Marke OEKO-TEX® STANDARD 100 ist kein Gütezeichen.” Sie bezieht sich nur auf den Neuzustand des geprüften Textils und macht „keine Aussage über andere Eigenschaften des Produktes, wie z.B. Gebrauchstauglichkeit, Pflegeverhalten, bekleidungsphysiologisches Verhalten, bauphysikalische Eigenschaften, Brennverhalten”.

Für ein Sofa oder ein Bett bleiben damit vier Fragen offen:

  • Das Gestell. Zertifiziert wird das Textil oder das Polstermaterial, nicht das Möbelstück als Ganzes. Ob im Rahmen Massivholz oder eine beschichtete Spanplatte steckt, sagt das Siegel nicht.
  • Die Holzherkunft. Dafür sind Waldzertifikate zuständig. Welches davon wie viel wert ist, zeigt der Vergleich FSC und PEFC im Vergleich.
  • Haltbarkeit und Reparierbarkeit. Keine Anforderung des Standards. Ein Bezug kann schadstoffgeprüft und nach drei Jahren durchgesessen sein.
  • Die Emissionen des fertigen Möbels. Kleber und Lacke im Aufbau sind nicht Gegenstand der Textilprüfung.

Wer ein Siegel also als Beweis für „umweltfreundliche” Möbel liest, überdehnt es. Welche Formulierungen Händler überhaupt noch verwenden dürfen, haben wir unter Greenwashing bei Möbeln erkennen zusammengestellt.

Welche Siegel die Lücken schließen

SiegelDeckt abGrenze
OEKO-TEX Standard 100Schadstoffe in Textil, Polstermaterial und Zubehörkeine Aussage zu Haltbarkeit, Holz oder Möbel-Emissionen
OEKO-TEX Leather StandardLederbestandteile und Lederartikelnur Leder, Felle und Pelze
OEKO-TEX Made in GreenSchadstoffprüfung plus Produktionsbedingungen, rückverfolgbarsetzt Standard 100, Organic Cotton oder Leather Standard voraus
Blauer Engel DE-UZ 117emissionsarme Polstermöbel als Gesamtproduktnur Polstermöbel
Blauer Engel DE-UZ 38emissionsarme Möbel und Lattenroste aus Holz und Holzwerkstoffenkein Polster
FSC, PEFCHerkunft des Holzes aus zertifizierter Forstwirtschaftnichts zu Schadstoffen im Bezug

Wer wissen will, unter welchen Bedingungen der Stoff entstanden ist, achtet auf Made in Green. Das Label setzt eine Zertifizierung nach Standard 100, Organic Cotton oder Leather Standard voraus. Zusätzlich müssen alle Konfektionsbetriebe nach OEKO-TEX STeP zertifiziert sein, und über eine eindeutige Produkt-ID oder einen QR-Code lässt sich die Produktionskette nachvollziehen.

Beim Blauen Engel für Polstermöbel geht es dagegen um das Möbelstück als Ganzes. Auf der Seite zum Siegel heißt es, belastende Stoffe stammten „in aller Regel aus Klebern, Polstermaterialien, Bezugstextilien oder dem Leder” – also genau aus den Teilen, die eine reine Textilprüfung einzeln betrachtet. Für Möbel und Lattenroste aus Holz und Holzwerkstoffen gibt es mit DE-UZ 38 eigene Vergabekriterien.

Einen Überblick über alle Siegel, die beim Einrichten eine Rolle spielen, gibt unser Ratgeber nachhaltige Möbel kaufen.

Checkliste: Siegel am Sofa in fünf Minuten prüfen

  1. Label suchen. Es sitzt meist am Bezug, unter dem Sitzkissen oder am Matratzenrand. Darauf stehen die Zertifikatsnummer und das prüfende Institut.
  2. Nummer nachschlagen. Geben Sie sie in den OEKO-TEX Label Check ein. Groß- und Kleinschreibung wird unterschieden. Kein Treffer heißt: beim Händler nachfragen, nicht annehmen.
  3. Umfang klären. Fragen Sie, ob nur der Bezugsstoff zertifiziert ist oder auch Polsterung und Füllung. Das macht den Unterschied zwischen Etikett und Aussage.
  4. Datum beachten. Zertifikate gelten ein Jahr. Ein alter Ausdruck im Katalog belegt nichts über die aktuelle Charge.
  5. Zweites Siegel suchen. Für Gestell, Emissionen und Holzherkunft brauchen Sie ein anderes Zeichen. Ein Sofa mit Bio-Wollbezug zeigt, wie Hersteller beides zusammen ausweisen.

Häufige Fragen

Ist ein Sofa mit OEKO-TEX Standard 100 schadstofffrei?

Nein. Geprüft wird gegen Grenzwerte eines Kriterienkatalogs, nicht auf Nullwerte. Außerdem bezieht sich das Zeichen laut Standard nur auf den Neuzustand des geprüften Textils und nur auf die Bestandteile, die das Zertifikat nennt.

Gilt das Siegel für das ganze Sofa?

Nein. Zertifiziert werden textile Produkte, Polstermaterialien und Zubehör, nicht das Möbelstück samt Gestell. Fragen Sie beim Händler nach, welche Teile das Zertifikat abdeckt.

Wie lange ist ein OEKO-TEX Zertifikat gültig?

Ein Jahr. Eine Verlängerung muss nahtlos an den Ablauf anschließen; das neue Ablaufdatum liegt dann genau ein Jahr nach dem vorherigen. Bei nahtloser Verlängerung bleibt die Zertifikatsnummer erhalten.

Werden die Hersteller kontrolliert?

Ja. Bei der Erstzertifizierung ist ein Audit im Unternehmen oder in der Produktionsstätte vorgeschrieben, und jede Firma wird mindestens alle drei Jahre auf diese Weise überprüft. Darüber hinaus sind unangekündigte Vor-Ort-Besuche möglich. Wird der Zutritt verweigert, wird das Zertifikat entzogen.

Ändern sich die Kriterien?

Ja. Die Bedingungen und Kriterien werden üblicherweise im März aktualisiert und veröffentlicht. Für neue oder verschärfte Anforderungen gilt in der Regel eine Übergangsfrist bis zum folgenden 1. Juni.

Quellen

Polstermöbel und Betten von Anbietern, die ihre Prüfzeugnisse offenlegen, finden Sie über das Händlerverzeichnis von buch-findr – zum Beispiel bei einem Händler für Polstermöbel in München.

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