Gegenstand der interdisziplinär angelegten Untersuchungen ist das Künstlerbuch als Synthese aus Sprachkunst, Bildkunst und Buchkunst in historischer Dimension. Frühe Formen sind das ägyptische Totenbuch im Medium der Papyrusrolle mit Verbindung von Hieroglyphenschrift und Vignetten, die hellenistischen Technopägnien als schriftmalerische Konstrukte in der Überlieferung der Anthologia Graeca und vor allem die buchmediale Panegyrik des Optatianus Porfyrius auf Kaiser Konstantin mit Kalligraphie in Gold- und Silberschrift und mit in den Text eingelegten farbigen Figuren. Während Hrabanus Maurus in der Karolingerzeit mit seinem buchkünstlerisch einzigartigen mittellateinischen Lob des christlichen Kreuzes hervortritt, verbreiten sich auch in der volkssprachigen Epik seit dem Hochmittelalter kunstvolle Buchinszenierungen mit Illuminationszyklen, wie das Beispiel des Sandro Botticelli zeigt, der in der Renaissance einen Dante-Kodex mit 93 Zeichnungen ausstattet. Nachdem die intermediale Ästhetik des Barock durch den Manierismus geprägt ist, für den Autoren wie Marino und Grimmelshausen stehen, übt im 18. Jahrhundert Laurence Sterne durch die revolutionäre Typographie seines Tristram Shandy große Wirkung auf die Moderne aus. Den innovativen Typus des experimentellen Livre d’artiste verkörpert in der Zeit der Avantgarden das Simultanbuch La Prose du Transsibérien von Blaise Cendrars und Sonia Delaunay.
Der Band enthält reiches, sorgfältig ausgewähltes Bildmaterial und weist eine den transepochalen, interkulturellen und hybriden Charakter der Gattung prononcierende Schlussbetrachtung auf.
Aktualisiert: 2022-11-17
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Herwarth Walden, der Herausgeber der expressionistischen Monatsschrift „DER STURM. Zeitschrift für Kultur und die Künste“ (1910–1932) und Betreiber der gleichnamigen Galerie hatte ein besonderes Interesse an russischer Kunst und Kultur. Nell Walden, seine schwedische Ehefrau und langjährige Mitarbeiterin, sagte dazu: „Herwarth Walden hatte immer eine große Vorliebe für das russische Volk. Er bewunderte die großen russischen Künstler, Dichter, Schriftsteller und Musiker. Dostojewski und Gogol liebte er. Strawinsky lag ihm als Komponist besonders. Er war auch seit langem mit Lunatscharski befreundet.“[1]
Das anfangs vorwiegend künstlerische Interesse fand in den 1920er Jahren auch seinen politischen Niederschlag. Walden wurde 1924 Mitglied der neu gegründeten Gesellschaft der Freunde des neuen Russland und bereiste in den Jahren 1927/29 die Sowjetrepubliken. 1932 emigrierte er nach Moskau und wurde 1941 ein Opfer der stalinistischen Säuberungspolitik.
Der Komponist, Theaterkritiker und Publizist Herwarth Walden (Berlin 1878–Lager Saratow 1941) hieß mit bürgerlichem Namen Georg Lewin und war der erstgeborene Sohn des aus dem Osten nach Berlin eingewanderten jüdischen Arztes Viktor Lewin und seiner Ehefrau Emilia, geb. Rosenthal. Die Praxis des Sanitätsrates Dr. Lewin lag in der Holzmarktstraße 65 unweit des Alexanderplatzes und der Jannowitzbrücke am östlichen Spreeufer.
Der junge Georg absolvierte gegen den Willen der Eltern, die eine kaufmännische Ausbildung für ihren Sohn vorgesehen hatten, ein Musikstudium bei dem Pianisten und Liszt-Schüler Conrad Ansorge (1862 Liebau–1930 Berlin). Über Ansorge, der u. a. die Lyrik von Richard Dehmel vertonte, kam Lewin in den Kreis der literarischen Avantgarde. Er gab Klavierabende in der „Friedrichshagener Neuen Gemeinschaft“ und bei den „Kommenden“. Zu seinen engeren Dichterfreunden zählte der polnische symbolistische Schriftsteller Stanislaus Przybyzewski (1868 Lojewo–1927 Inowrocław) sowie östlich orientierte Intellektuelle, wie der Dichter Ludwig Rubiner, der Vorträge über Lew Tolstoi hielt, oder der Philosoph Samuel Lublinski, der in der Zeitschrift „Ost und West. Illustrierte Zeitschrift für modernes Judentum“[2] 1901 die ersten begeisterten Kritiken zu den Gedichten von Else Lasker-Schüler veröffentlichte. Walden seinerseits begann die Reihe seiner Vertonungen der zeitgenössischen Lyrik mit den drei Gedichten Dann, Vergeltung und Verdammnis von Lasker-Schüler. Aus der musikalisch-literarischen Zusammenarbeit wurde 1903 eine fruchtbare, wenn auch nicht unkomplizierte Künstlerehe. Lasker-Schüler war auch die Erfinderin des Künstlernamens Herwarth Walden, wobei wohl der amerikanische Anarchist und Kulturkritiker Henry Thoreau (Concord 1817–1862) Pate gestanden hat, dessen Buch „Walden oder das Leben in Wäldern“ damals weltweit großen Einfluss auf das kapitalismuskritische Denken hatte und um 1900 erstmals in deutscher Übersetzung erschienen war. Um den neuen Tendenzen in Literatur, Schauspiel und Musik ein Forum zu geben, gründete Walden den „Verein für Kunst“, der mit Vorträgen, Lesungen und Aufführungen an die Öffentlichkeit trat.
Mit seiner im März 1910 gegründeten Zeitschrift Der Sturm. Wochenschrift für Kultur und die Künste und mit der zwei Jahre später ins Leben gerufene Sturm-Galerie hat Walden dann ein Netzwerk der modernen Bestrebungen auf den Gebieten der Literatur und der Künste geschaffen, das durch die internationalen Verbindungen zunächst nach Wien und Paris, später verstärkt zu den osteuropäischen Avantgarden einen kosmopolitischen und progressiv-kämpferischen Anspruch hatte. Die Reflexionen zur russischen Literatur und Kunst waren in diesen allgemeineuropäischen Kontext eingebettet.
Aktualisiert: 2020-12-03
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Brasilien, eine Insel? Das vorliegende Buch zeichnet die Tradition nach, welche die Insel – weniger als realer denn als erdachter Raum – im Diskurs über Brasilien hat. Angefangen mit den kartographischen Repräsentationen der Inselmythen Hy-Brasil und Ilha-Brasil ist sie sowohl in der lateinamerikanischen als auch in der europäischen Diskussion präsent und wird zum Träger der Idee eines dynamischen, grenzüberschreitenden Denkens. Dass dieses sich spätestens ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts jenseits überkommener Hierarchien zu realisieren beginnt, zeigt die Betrachtung der Europäer Blaise Cendrars, Stefan Zweig, Paulo Rónai, Vilém Flusser und Max Bense und ihrer jeweiligen – gedanklichen und räumlichen – Wege nach Brasilien.
Aktualisiert: 2022-09-16
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