Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau

Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau von Snyders,  Lothar
Die ostelbische Gutsherrschaft war mit ihrem hierarchisch strukturierten sozialen Netzwerk eine weitgehend autarke Grundzelle der altpreussischen Gesellschaft und bot die wirtschaftliche Lebensgrundlage für die adelige Führungsschicht des Staates. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte sie infolge der Bauernbefreiung und des Übergangs zu einer gewinn- und marktorientierten Produktionsweise einen tiefgreifenden Wandel durch. Mit der vorliegenden Studie werden Daten zur konkreten Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie zu den Modalitäten der Finanzierung eines Gutes bereitgestellt. Damit wird dem sozialhistorischen Phänomen der ostelbischen Gutswirtschaft für einen gewissen Zeitabschnitt eine empirisch gesicherte Basis gegeben. Aufgrund einer glücklichen Quellenlage wird die Binnenstruktur einer Gutswirtschaft bis in alle Einzelheiten analysiert und die Veränderung des Verständnisses von Gutswirtschaft bei den Besitzern hin zu einem reinen Wirtschaftsunternehmen aufgezeigt.
Aktualisiert: 2023-06-30
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Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau

Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau von Snyders,  Lothar
Die ostelbische Gutsherrschaft war mit ihrem hierarchisch strukturierten sozialen Netzwerk eine weitgehend autarke Grundzelle der altpreussischen Gesellschaft und bot die wirtschaftliche Lebensgrundlage für die adelige Führungsschicht des Staates. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte sie infolge der Bauernbefreiung und des Übergangs zu einer gewinn- und marktorientierten Produktionsweise einen tiefgreifenden Wandel durch. Mit der vorliegenden Studie werden Daten zur konkreten Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie zu den Modalitäten der Finanzierung eines Gutes bereitgestellt. Damit wird dem sozialhistorischen Phänomen der ostelbischen Gutswirtschaft für einen gewissen Zeitabschnitt eine empirisch gesicherte Basis gegeben. Aufgrund einer glücklichen Quellenlage wird die Binnenstruktur einer Gutswirtschaft bis in alle Einzelheiten analysiert und die Veränderung des Verständnisses von Gutswirtschaft bei den Besitzern hin zu einem reinen Wirtschaftsunternehmen aufgezeigt.
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Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau

Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau von Snyders,  Lothar
Die ostelbische Gutsherrschaft war mit ihrem hierarchisch strukturierten sozialen Netzwerk eine weitgehend autarke Grundzelle der altpreussischen Gesellschaft und bot die wirtschaftliche Lebensgrundlage für die adelige Führungsschicht des Staates. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte sie infolge der Bauernbefreiung und des Übergangs zu einer gewinn- und marktorientierten Produktionsweise einen tiefgreifenden Wandel durch. Mit der vorliegenden Studie werden Daten zur konkreten Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie zu den Modalitäten der Finanzierung eines Gutes bereitgestellt. Damit wird dem sozialhistorischen Phänomen der ostelbischen Gutswirtschaft für einen gewissen Zeitabschnitt eine empirisch gesicherte Basis gegeben. Aufgrund einer glücklichen Quellenlage wird die Binnenstruktur einer Gutswirtschaft bis in alle Einzelheiten analysiert und die Veränderung des Verständnisses von Gutswirtschaft bei den Besitzern hin zu einem reinen Wirtschaftsunternehmen aufgezeigt.
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Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau von Snyders,  Lothar
Die ostelbische Gutsherrschaft war mit ihrem hierarchisch strukturierten sozialen Netzwerk eine weitgehend autarke Grundzelle der altpreussischen Gesellschaft und bot die wirtschaftliche Lebensgrundlage für die adelige Führungsschicht des Staates. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte sie infolge der Bauernbefreiung und des Übergangs zu einer gewinn- und marktorientierten Produktionsweise einen tiefgreifenden Wandel durch. Mit der vorliegenden Studie werden Daten zur konkreten Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie zu den Modalitäten der Finanzierung eines Gutes bereitgestellt. Damit wird dem sozialhistorischen Phänomen der ostelbischen Gutswirtschaft für einen gewissen Zeitabschnitt eine empirisch gesicherte Basis gegeben. Aufgrund einer glücklichen Quellenlage wird die Binnenstruktur einer Gutswirtschaft bis in alle Einzelheiten analysiert und die Veränderung des Verständnisses von Gutswirtschaft bei den Besitzern hin zu einem reinen Wirtschaftsunternehmen aufgezeigt.
Aktualisiert: 2023-06-29
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Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau

Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau von Snyders,  Lothar
Die ostelbische Gutsherrschaft war mit ihrem hierarchisch strukturierten sozialen Netzwerk eine weitgehend autarke Grundzelle der altpreussischen Gesellschaft und bot die wirtschaftliche Lebensgrundlage für die adelige Führungsschicht des Staates. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte sie infolge der Bauernbefreiung und des Übergangs zu einer gewinn- und marktorientierten Produktionsweise einen tiefgreifenden Wandel durch. Mit der vorliegenden Studie werden Daten zur konkreten Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie zu den Modalitäten der Finanzierung eines Gutes bereitgestellt. Damit wird dem sozialhistorischen Phänomen der ostelbischen Gutswirtschaft für einen gewissen Zeitabschnitt eine empirisch gesicherte Basis gegeben. Aufgrund einer glücklichen Quellenlage wird die Binnenstruktur einer Gutswirtschaft bis in alle Einzelheiten analysiert und die Veränderung des Verständnisses von Gutswirtschaft bei den Besitzern hin zu einem reinen Wirtschaftsunternehmen aufgezeigt.
Aktualisiert: 2023-06-29
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Märkische Lebenswelten

Märkische Lebenswelten von Peters,  Jan
Dieser Titel ist unter der Lizenz CC-BY-NC-ND 4.0 im Open Access verfügbar. | This book is open access under a CC-BY-NC-ND 4.0 license.°°°°"Märkische Lebenswelten". Ein scheinbar exotisches Thema, ungewöhnlich vielleicht auch in der Art des Fragens nach märkischer Geschichte. Wie lebten, dachten und fühlten Menschen in der Mark Brandenburg vor drei-, vier- oder fünfhundert Jahren, und zwar in einem ziemlich genau umgrenzten Handlungsraum, wie erfuhren sie ganz konkret ihren individuellen Alltag? Darauf konnte schon manche Antwort gegeben werden, allerdings nur selten so belegbar und nachvollziehbar wie hier. Denn märkische Lebenswelten und Lebensweisen sind Dank glücklicher Umstände für den "Saldern-Kreis" um Wilsnack und Plattenburg in der Westprignitz für die Frühe Neuzeit erstaunlich gut rekonstruierbar. Eine so dichte archivalische Überlieferung, wie sie das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam für eben diesen Raum und diesen Blickwinkel unter seinen Schätzen aufbewahrt, ist, zumindest für die märkischen Lande, doch eher eine Ausnahme. Was sonst dem forschenden Auge des Historikers so oft verborgen bleibt, kann hier für jene über zehn Dörfer, zwei Herrensitze und das Städtchen Wilsnack, die durch Saldernsche Besitzrechte verbunden waren, gewissermaßen gehoben werden. Gefragt wird nach Dynamik und Ordnung, Dramatik und Regulierung in jenem Saldernschen "Kreis", der sich in Havel- und Elbnähe, besonders um den Karthane-Fluß hinzog und viele Feldmarken, Weiden, Mühlen, Gewässer und tiefe Wälder umschloss. Das Alltagsleben in diesem herrschaftsgeprägten Gebiet war "am Anfang", in der Mitte des 16. Jahrhunderts, durch die Aufregungen um die Zerstörung des Wilsnacker "Wunderbluts" bestimmt, aber der Plattenburg-Wilsnacker Raum litt auch in nachfolgender Zeit keinen Mangel an Unruhen mancherlei Art. Da gab es die oft gewaltsamen Verlaufformen von Konflikten in und zwischen den Dörfern, ebenso deren spannungsgeladene Beziehungen zu einigen "Befehlshabern" auf der Plattenburg und dem Herrenhof in Wilsnack. Die Umsetzung der von diesen örtlichen Zentren ausgehenden eigenwirtschaftlichen Pläne war auf den umliegenden Dörfern und in Wilsnack ebenso zu spüren wie in den neuralgischen Grenzräumen zu anderen Herrschaften. Misstrauisch verfolgten die Bauern den gutswirtschaftlichen Umbau, der nicht nur neue ökonomische Belastungen und Verfügungen über ihre Arbeitskraft brachte, sondern auch Selbstbestimmung und Würde in Frage stellte.°°Volksmagische Praktiken, Hexenverfolgung und die oft heftige Umsetzung von Ehr-Vorstellungen standen mit den Neuerungen im Wirtschafts- und Arbeitsleben gewiss in manchem Zusammenhang. Denn es waren doch unvereinbare Ökonomien, die Herrensitz und Bauernhof trennten. Umgekehrt lässt sich aber auch überraschender Zusammenhalt beobachten, besonders in Kriegs- und Krisenzeiten, beim Zusammenstehen gegenüber Dritten, manchmal auch im Alltag überhaupt. Langzeit-Stabilität war dieser Gesellschaft nicht fremd, auch wenn die schriftliche Überlieferung, die Gewohntes und Wiederholtes meist übergeht, die Sprache von Konfliktgemeinschaften zu sprechen scheint. Jedenfalls: Nach Stillstand, auch nach Rückstand als Daseinsprinzip wird man in diesem Raum vergeblich fahnden.°°Jeder Tag brachte neue Probleme. Der dörfliche Umgang mit Dieberei und der herrschaftliche mit Aufmüpfigkeit gehörten zu den Dauerthemen der Krug-Runden. Hier ist die Kraft von Geschwätz und die Sprache des körperlichen Habitus praktiziert worden. Auch das Agieren der Prediger, ihre materielle Not und ihr Umgang mit den Seelensorgen in ihrer "Herde" gehörten zu den großen Themen des kleinen märkischen Alltags. In vielen Zusammenhängen lernen wir auch die Besonderheiten von weiblicher Energie und Furchtlosigkeit kennen. Und die sonderbaren Rituale der ebenso großmäuligen wie um ihr soziales Ansehen besorgten Streithähne auf den Marktplätzen, beim Gemeindebier oder beim Ratschlag nach dem Kirchenbesuch. °°Besonders aus den überlieferten Gerichtsprotokollen wird uns dichtes Wissen zuteil um die große Dynamik von stiller Hoffnung, leisen Sorgen und tiefem Leid im Kleinen, aber auch um Listen und Launen, um Aufgeben und um Aufbegehren. Tieferes Eindringen in den mikrohistorischen Alltag bedarf allerdings der makrohistorischen Begleitung. Als Vermittler zwischen dem Eintauchen in die Lebendigkeit der Kleinräumigkeit und in die scheinbar kaum bewegte Struktur des großräumigen Umfelds dienen hier Rückbindungen an den allmählichen Wandel in Richtung auf die sich ankündigende moderne Welt. Ökonomie und Politik der großen Welt ringsum bleiben als Verständnis-Folie im Hintergrund anwesend. Allerdings eher in Gestalt kurzer Seitenblicke, denn schließlich erfüllten auch andere Vermittlungsinstanzen, gewissermaßen vor Ort, diese verbindende Funktion: Der Wandel der demographischen Verhältnisse im Plattenburg-Wilsnacker Raum, die Rekonstruktion von strukturell geprägten Biografien und die individuellen Vorstellungen von Raum und Zeit reflektierten auf ihre Weise, was in und um Plattenburg-Wilsnack herum geschah.°°Das alles bringt uns Menschen näher, deren historisches Andenken sonst eher in Namenlosigkeit und Dunkel zu versinken pflegt. "Märkische Lebenswelten" ist dergestalt eine Geschichte des konkreten Denkens und Fühlens, des Erfahrens und Handelns geworden, des Lebensweltlichen also, mithin eine Gesellschaftsgeschichte eigener Art.
Aktualisiert: 2023-06-15
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Märkische Lebenswelten

Märkische Lebenswelten von Peters,  Jan
Dieser Titel ist unter der Lizenz CC-BY-NC-ND 4.0 im Open Access verfügbar. | This book is open access under a CC-BY-NC-ND 4.0 license.°°°°"Märkische Lebenswelten". Ein scheinbar exotisches Thema, ungewöhnlich vielleicht auch in der Art des Fragens nach märkischer Geschichte. Wie lebten, dachten und fühlten Menschen in der Mark Brandenburg vor drei-, vier- oder fünfhundert Jahren, und zwar in einem ziemlich genau umgrenzten Handlungsraum, wie erfuhren sie ganz konkret ihren individuellen Alltag? Darauf konnte schon manche Antwort gegeben werden, allerdings nur selten so belegbar und nachvollziehbar wie hier. Denn märkische Lebenswelten und Lebensweisen sind Dank glücklicher Umstände für den "Saldern-Kreis" um Wilsnack und Plattenburg in der Westprignitz für die Frühe Neuzeit erstaunlich gut rekonstruierbar. Eine so dichte archivalische Überlieferung, wie sie das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam für eben diesen Raum und diesen Blickwinkel unter seinen Schätzen aufbewahrt, ist, zumindest für die märkischen Lande, doch eher eine Ausnahme. Was sonst dem forschenden Auge des Historikers so oft verborgen bleibt, kann hier für jene über zehn Dörfer, zwei Herrensitze und das Städtchen Wilsnack, die durch Saldernsche Besitzrechte verbunden waren, gewissermaßen gehoben werden. Gefragt wird nach Dynamik und Ordnung, Dramatik und Regulierung in jenem Saldernschen "Kreis", der sich in Havel- und Elbnähe, besonders um den Karthane-Fluß hinzog und viele Feldmarken, Weiden, Mühlen, Gewässer und tiefe Wälder umschloss. Das Alltagsleben in diesem herrschaftsgeprägten Gebiet war "am Anfang", in der Mitte des 16. Jahrhunderts, durch die Aufregungen um die Zerstörung des Wilsnacker "Wunderbluts" bestimmt, aber der Plattenburg-Wilsnacker Raum litt auch in nachfolgender Zeit keinen Mangel an Unruhen mancherlei Art. Da gab es die oft gewaltsamen Verlaufformen von Konflikten in und zwischen den Dörfern, ebenso deren spannungsgeladene Beziehungen zu einigen "Befehlshabern" auf der Plattenburg und dem Herrenhof in Wilsnack. Die Umsetzung der von diesen örtlichen Zentren ausgehenden eigenwirtschaftlichen Pläne war auf den umliegenden Dörfern und in Wilsnack ebenso zu spüren wie in den neuralgischen Grenzräumen zu anderen Herrschaften. Misstrauisch verfolgten die Bauern den gutswirtschaftlichen Umbau, der nicht nur neue ökonomische Belastungen und Verfügungen über ihre Arbeitskraft brachte, sondern auch Selbstbestimmung und Würde in Frage stellte.°°Volksmagische Praktiken, Hexenverfolgung und die oft heftige Umsetzung von Ehr-Vorstellungen standen mit den Neuerungen im Wirtschafts- und Arbeitsleben gewiss in manchem Zusammenhang. Denn es waren doch unvereinbare Ökonomien, die Herrensitz und Bauernhof trennten. Umgekehrt lässt sich aber auch überraschender Zusammenhalt beobachten, besonders in Kriegs- und Krisenzeiten, beim Zusammenstehen gegenüber Dritten, manchmal auch im Alltag überhaupt. Langzeit-Stabilität war dieser Gesellschaft nicht fremd, auch wenn die schriftliche Überlieferung, die Gewohntes und Wiederholtes meist übergeht, die Sprache von Konfliktgemeinschaften zu sprechen scheint. Jedenfalls: Nach Stillstand, auch nach Rückstand als Daseinsprinzip wird man in diesem Raum vergeblich fahnden.°°Jeder Tag brachte neue Probleme. Der dörfliche Umgang mit Dieberei und der herrschaftliche mit Aufmüpfigkeit gehörten zu den Dauerthemen der Krug-Runden. Hier ist die Kraft von Geschwätz und die Sprache des körperlichen Habitus praktiziert worden. Auch das Agieren der Prediger, ihre materielle Not und ihr Umgang mit den Seelensorgen in ihrer "Herde" gehörten zu den großen Themen des kleinen märkischen Alltags. In vielen Zusammenhängen lernen wir auch die Besonderheiten von weiblicher Energie und Furchtlosigkeit kennen. Und die sonderbaren Rituale der ebenso großmäuligen wie um ihr soziales Ansehen besorgten Streithähne auf den Marktplätzen, beim Gemeindebier oder beim Ratschlag nach dem Kirchenbesuch. °°Besonders aus den überlieferten Gerichtsprotokollen wird uns dichtes Wissen zuteil um die große Dynamik von stiller Hoffnung, leisen Sorgen und tiefem Leid im Kleinen, aber auch um Listen und Launen, um Aufgeben und um Aufbegehren. Tieferes Eindringen in den mikrohistorischen Alltag bedarf allerdings der makrohistorischen Begleitung. Als Vermittler zwischen dem Eintauchen in die Lebendigkeit der Kleinräumigkeit und in die scheinbar kaum bewegte Struktur des großräumigen Umfelds dienen hier Rückbindungen an den allmählichen Wandel in Richtung auf die sich ankündigende moderne Welt. Ökonomie und Politik der großen Welt ringsum bleiben als Verständnis-Folie im Hintergrund anwesend. Allerdings eher in Gestalt kurzer Seitenblicke, denn schließlich erfüllten auch andere Vermittlungsinstanzen, gewissermaßen vor Ort, diese verbindende Funktion: Der Wandel der demographischen Verhältnisse im Plattenburg-Wilsnacker Raum, die Rekonstruktion von strukturell geprägten Biografien und die individuellen Vorstellungen von Raum und Zeit reflektierten auf ihre Weise, was in und um Plattenburg-Wilsnack herum geschah.°°Das alles bringt uns Menschen näher, deren historisches Andenken sonst eher in Namenlosigkeit und Dunkel zu versinken pflegt. "Märkische Lebenswelten" ist dergestalt eine Geschichte des konkreten Denkens und Fühlens, des Erfahrens und Handelns geworden, des Lebensweltlichen also, mithin eine Gesellschaftsgeschichte eigener Art.
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Märkische Lebenswelten

Märkische Lebenswelten von Peters,  Jan
Für das Buch "Märkische Lebenswelten" erhält Jan Peters den "René Kuczynski Preis". Mehr Informationen finden Sie unter: www.ith.or.at/ith_e/kuczynski2008_e.htm.°°°°"Märkische Lebenswelten". Ein scheinbar exotisches Thema, ungewöhnlich vielleicht auch in der Art des Fragens nach märkischer Geschichte. Wie lebten, dachten und fühlten Menschen in der Mark Brandenburg vor drei-, vier- oder fünfhundert Jahren, und zwar in einem ziemlich genau umgrenzten Handlungsraum, wie erfuhren sie ganz konkret ihren individuellen Alltag? Darauf konnte schon manche Antwort gegeben werden, allerdings nur selten so belegbar und nachvollziehbar wie hier. Denn märkische Lebenswelten und Lebensweisen sind Dank glücklicher Umstände für den "Saldern-Kreis" um Wilsnack und Plattenburg in der Westprignitz für die Frühe Neuzeit erstaunlich gut rekonstruierbar. Eine so dichte archivalische Überlieferung, wie sie das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam für eben diesen Raum und diesen Blickwinkel unter seinen Schätzen aufbewahrt, ist, zumindest für die märkischen Lande, doch eher eine Ausnahme. Was sonst dem forschenden Auge des Historikers so oft verborgen bleibt, kann hier für jene über zehn Dörfer, zwei Herrensitze und das Städtchen Wilsnack, die durch Saldernsche Besitzrechte verbunden waren, gewissermaßen gehoben werden. Gefragt wird nach Dynamik und Ordnung, Dramatik und Regulierung in jenem Saldernschen "Kreis", der sich in Havel- und Elbnähe, besonders um den Karthane-Fluß hinzog und viele Feldmarken, Weiden, Mühlen, Gewässer und tiefe Wälder umschloss. Das Alltagsleben in diesem herrschaftsgeprägten Gebiet war "am Anfang", in der Mitte des 16. Jahrhunderts, durch die Aufregungen um die Zerstörung des Wilsnacker "Wunderbluts" bestimmt, aber der Plattenburg-Wilsnacker Raum litt auch in nachfolgender Zeit keinen Mangel an Unruhen mancherlei Art. Da gab es die oft gewaltsamen Verlaufformen von Konflikten in und zwischen den Dörfern, ebenso deren spannungsgeladene Beziehungen zu einigen "Befehlshabern" auf der Plattenburg und dem Herrenhof in Wilsnack. Die Umsetzung der von diesen örtlichen Zentren ausgehenden eigenwirtschaftlichen Pläne war auf den umliegenden Dörfern und in Wilsnack ebenso zu spüren wie in den neuralgischen Grenzräumen zu anderen Herrschaften. Misstrauisch verfolgten die Bauern den gutswirtschaftlichen Umbau, der nicht nur neue ökonomische Belastungen und Verfügungen über ihre Arbeitskraft brachte, sondern auch Selbstbestimmung und Würde in Frage stellte.°°Volksmagische Praktiken, Hexenverfolgung und die oft heftige Umsetzung von Ehr-Vorstellungen standen mit den Neuerungen im Wirtschafts- und Arbeitsleben gewiss in manchem Zusammenhang. Denn es waren doch unvereinbare Ökonomien, die Herrensitz und Bauernhof trennten. Umgekehrt lässt sich aber auch überraschender Zusammenhalt beobachten, besonders in Kriegs- und Krisenzeiten, beim Zusammenstehen gegenüber Dritten, manchmal auch im Alltag überhaupt. Langzeit-Stabilität war dieser Gesellschaft nicht fremd, auch wenn die schriftliche Überlieferung, die Gewohntes und Wiederholtes meist übergeht, die Sprache von Konfliktgemeinschaften zu sprechen scheint. Jedenfalls: Nach Stillstand, auch nach Rückstand als Daseinsprinzip wird man in diesem Raum vergeblich fahnden.°°Jeder Tag brachte neue Probleme. Der dörfliche Umgang mit Dieberei und der herrschaftliche mit Aufmüpfigkeit gehörten zu den Dauerthemen der Krug-Runden. Hier ist die Kraft von Geschwätz und die Sprache des körperlichen Habitus praktiziert worden. Auch das Agieren der Prediger, ihre materielle Not und ihr Umgang mit den Seelensorgen in ihrer "Herde" gehörten zu den großen Themen des kleinen märkischen Alltags. In vielen Zusammenhängen lernen wir auch die Besonderheiten von weiblicher Energie und Furchtlosigkeit kennen. Und die sonderbaren Rituale der ebenso großmäuligen wie um ihr soziales Ansehen besorgten Streithähne auf den Marktplätzen, beim Gemeindebier oder beim Ratschlag nach dem Kirchenbesuch. °°Besonders aus den überlieferten Gerichtsprotokollen wird uns dichtes Wissen zuteil um die große Dynamik von stiller Hoffnung, leisen Sorgen und tiefem Leid im Kleinen, aber auch um Listen und Launen, um Aufgeben und um Aufbegehren. Tieferes Eindringen in den mikrohistorischen Alltag bedarf allerdings der makrohistorischen Begleitung. Als Vermittler zwischen dem Eintauchen in die Lebendigkeit der Kleinräumigkeit und in die scheinbar kaum bewegte Struktur des großräumigen Umfelds dienen hier Rückbindungen an den allmählichen Wandel in Richtung auf die sich ankündigende moderne Welt. Ökonomie und Politik der großen Welt ringsum bleiben als Verständnis-Folie im Hintergrund anwesend. Allerdings eher in Gestalt kurzer Seitenblicke, denn schließlich erfüllten auch andere Vermittlungsinstanzen, gewissermaßen vor Ort, diese verbindende Funktion: Der Wandel der demographischen Verhältnisse im Plattenburg-Wilsnacker Raum, die Rekonstruktion von strukturell geprägten Biografien und die individuellen Vorstellungen von Raum und Zeit reflektierten auf ihre Weise, was in und um Plattenburg-Wilsnack herum geschah.°°Das alles bringt uns Menschen näher, deren historisches Andenken sonst eher in Namenlosigkeit und Dunkel zu versinken pflegt. "Märkische Lebenswelten" ist dergestalt eine Geschichte des konkreten Denkens und Fühlens, des Erfahrens und Handelns geworden, des Lebensweltlichen also, mithin eine Gesellschaftsgeschichte eigener Art.°°°°
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Märkische Lebenswelten

Märkische Lebenswelten von Peters,  Jan
Dieser Titel ist unter der Lizenz CC-BY-NC-ND 4.0 im Open Access verfügbar. | This book is open access under a CC-BY-NC-ND 4.0 license.°°°°"Märkische Lebenswelten". Ein scheinbar exotisches Thema, ungewöhnlich vielleicht auch in der Art des Fragens nach märkischer Geschichte. Wie lebten, dachten und fühlten Menschen in der Mark Brandenburg vor drei-, vier- oder fünfhundert Jahren, und zwar in einem ziemlich genau umgrenzten Handlungsraum, wie erfuhren sie ganz konkret ihren individuellen Alltag? Darauf konnte schon manche Antwort gegeben werden, allerdings nur selten so belegbar und nachvollziehbar wie hier. Denn märkische Lebenswelten und Lebensweisen sind Dank glücklicher Umstände für den "Saldern-Kreis" um Wilsnack und Plattenburg in der Westprignitz für die Frühe Neuzeit erstaunlich gut rekonstruierbar. Eine so dichte archivalische Überlieferung, wie sie das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam für eben diesen Raum und diesen Blickwinkel unter seinen Schätzen aufbewahrt, ist, zumindest für die märkischen Lande, doch eher eine Ausnahme. Was sonst dem forschenden Auge des Historikers so oft verborgen bleibt, kann hier für jene über zehn Dörfer, zwei Herrensitze und das Städtchen Wilsnack, die durch Saldernsche Besitzrechte verbunden waren, gewissermaßen gehoben werden. Gefragt wird nach Dynamik und Ordnung, Dramatik und Regulierung in jenem Saldernschen "Kreis", der sich in Havel- und Elbnähe, besonders um den Karthane-Fluß hinzog und viele Feldmarken, Weiden, Mühlen, Gewässer und tiefe Wälder umschloss. Das Alltagsleben in diesem herrschaftsgeprägten Gebiet war "am Anfang", in der Mitte des 16. Jahrhunderts, durch die Aufregungen um die Zerstörung des Wilsnacker "Wunderbluts" bestimmt, aber der Plattenburg-Wilsnacker Raum litt auch in nachfolgender Zeit keinen Mangel an Unruhen mancherlei Art. Da gab es die oft gewaltsamen Verlaufformen von Konflikten in und zwischen den Dörfern, ebenso deren spannungsgeladene Beziehungen zu einigen "Befehlshabern" auf der Plattenburg und dem Herrenhof in Wilsnack. Die Umsetzung der von diesen örtlichen Zentren ausgehenden eigenwirtschaftlichen Pläne war auf den umliegenden Dörfern und in Wilsnack ebenso zu spüren wie in den neuralgischen Grenzräumen zu anderen Herrschaften. Misstrauisch verfolgten die Bauern den gutswirtschaftlichen Umbau, der nicht nur neue ökonomische Belastungen und Verfügungen über ihre Arbeitskraft brachte, sondern auch Selbstbestimmung und Würde in Frage stellte.°°Volksmagische Praktiken, Hexenverfolgung und die oft heftige Umsetzung von Ehr-Vorstellungen standen mit den Neuerungen im Wirtschafts- und Arbeitsleben gewiss in manchem Zusammenhang. Denn es waren doch unvereinbare Ökonomien, die Herrensitz und Bauernhof trennten. Umgekehrt lässt sich aber auch überraschender Zusammenhalt beobachten, besonders in Kriegs- und Krisenzeiten, beim Zusammenstehen gegenüber Dritten, manchmal auch im Alltag überhaupt. Langzeit-Stabilität war dieser Gesellschaft nicht fremd, auch wenn die schriftliche Überlieferung, die Gewohntes und Wiederholtes meist übergeht, die Sprache von Konfliktgemeinschaften zu sprechen scheint. Jedenfalls: Nach Stillstand, auch nach Rückstand als Daseinsprinzip wird man in diesem Raum vergeblich fahnden.°°Jeder Tag brachte neue Probleme. Der dörfliche Umgang mit Dieberei und der herrschaftliche mit Aufmüpfigkeit gehörten zu den Dauerthemen der Krug-Runden. Hier ist die Kraft von Geschwätz und die Sprache des körperlichen Habitus praktiziert worden. Auch das Agieren der Prediger, ihre materielle Not und ihr Umgang mit den Seelensorgen in ihrer "Herde" gehörten zu den großen Themen des kleinen märkischen Alltags. In vielen Zusammenhängen lernen wir auch die Besonderheiten von weiblicher Energie und Furchtlosigkeit kennen. Und die sonderbaren Rituale der ebenso großmäuligen wie um ihr soziales Ansehen besorgten Streithähne auf den Marktplätzen, beim Gemeindebier oder beim Ratschlag nach dem Kirchenbesuch. °°Besonders aus den überlieferten Gerichtsprotokollen wird uns dichtes Wissen zuteil um die große Dynamik von stiller Hoffnung, leisen Sorgen und tiefem Leid im Kleinen, aber auch um Listen und Launen, um Aufgeben und um Aufbegehren. Tieferes Eindringen in den mikrohistorischen Alltag bedarf allerdings der makrohistorischen Begleitung. Als Vermittler zwischen dem Eintauchen in die Lebendigkeit der Kleinräumigkeit und in die scheinbar kaum bewegte Struktur des großräumigen Umfelds dienen hier Rückbindungen an den allmählichen Wandel in Richtung auf die sich ankündigende moderne Welt. Ökonomie und Politik der großen Welt ringsum bleiben als Verständnis-Folie im Hintergrund anwesend. Allerdings eher in Gestalt kurzer Seitenblicke, denn schließlich erfüllten auch andere Vermittlungsinstanzen, gewissermaßen vor Ort, diese verbindende Funktion: Der Wandel der demographischen Verhältnisse im Plattenburg-Wilsnacker Raum, die Rekonstruktion von strukturell geprägten Biografien und die individuellen Vorstellungen von Raum und Zeit reflektierten auf ihre Weise, was in und um Plattenburg-Wilsnack herum geschah.°°Das alles bringt uns Menschen näher, deren historisches Andenken sonst eher in Namenlosigkeit und Dunkel zu versinken pflegt. "Märkische Lebenswelten" ist dergestalt eine Geschichte des konkreten Denkens und Fühlens, des Erfahrens und Handelns geworden, des Lebensweltlichen also, mithin eine Gesellschaftsgeschichte eigener Art.
Aktualisiert: 2023-06-07
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Märkische Lebenswelten

Märkische Lebenswelten von Peters,  Jan
Für das Buch "Märkische Lebenswelten" erhält Jan Peters den "René Kuczynski Preis". Mehr Informationen finden Sie unter: www.ith.or.at/ith_e/kuczynski2008_e.htm.°°°°"Märkische Lebenswelten". Ein scheinbar exotisches Thema, ungewöhnlich vielleicht auch in der Art des Fragens nach märkischer Geschichte. Wie lebten, dachten und fühlten Menschen in der Mark Brandenburg vor drei-, vier- oder fünfhundert Jahren, und zwar in einem ziemlich genau umgrenzten Handlungsraum, wie erfuhren sie ganz konkret ihren individuellen Alltag? Darauf konnte schon manche Antwort gegeben werden, allerdings nur selten so belegbar und nachvollziehbar wie hier. Denn märkische Lebenswelten und Lebensweisen sind Dank glücklicher Umstände für den "Saldern-Kreis" um Wilsnack und Plattenburg in der Westprignitz für die Frühe Neuzeit erstaunlich gut rekonstruierbar. Eine so dichte archivalische Überlieferung, wie sie das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam für eben diesen Raum und diesen Blickwinkel unter seinen Schätzen aufbewahrt, ist, zumindest für die märkischen Lande, doch eher eine Ausnahme. Was sonst dem forschenden Auge des Historikers so oft verborgen bleibt, kann hier für jene über zehn Dörfer, zwei Herrensitze und das Städtchen Wilsnack, die durch Saldernsche Besitzrechte verbunden waren, gewissermaßen gehoben werden. Gefragt wird nach Dynamik und Ordnung, Dramatik und Regulierung in jenem Saldernschen "Kreis", der sich in Havel- und Elbnähe, besonders um den Karthane-Fluß hinzog und viele Feldmarken, Weiden, Mühlen, Gewässer und tiefe Wälder umschloss. Das Alltagsleben in diesem herrschaftsgeprägten Gebiet war "am Anfang", in der Mitte des 16. Jahrhunderts, durch die Aufregungen um die Zerstörung des Wilsnacker "Wunderbluts" bestimmt, aber der Plattenburg-Wilsnacker Raum litt auch in nachfolgender Zeit keinen Mangel an Unruhen mancherlei Art. Da gab es die oft gewaltsamen Verlaufformen von Konflikten in und zwischen den Dörfern, ebenso deren spannungsgeladene Beziehungen zu einigen "Befehlshabern" auf der Plattenburg und dem Herrenhof in Wilsnack. Die Umsetzung der von diesen örtlichen Zentren ausgehenden eigenwirtschaftlichen Pläne war auf den umliegenden Dörfern und in Wilsnack ebenso zu spüren wie in den neuralgischen Grenzräumen zu anderen Herrschaften. Misstrauisch verfolgten die Bauern den gutswirtschaftlichen Umbau, der nicht nur neue ökonomische Belastungen und Verfügungen über ihre Arbeitskraft brachte, sondern auch Selbstbestimmung und Würde in Frage stellte.°°Volksmagische Praktiken, Hexenverfolgung und die oft heftige Umsetzung von Ehr-Vorstellungen standen mit den Neuerungen im Wirtschafts- und Arbeitsleben gewiss in manchem Zusammenhang. Denn es waren doch unvereinbare Ökonomien, die Herrensitz und Bauernhof trennten. Umgekehrt lässt sich aber auch überraschender Zusammenhalt beobachten, besonders in Kriegs- und Krisenzeiten, beim Zusammenstehen gegenüber Dritten, manchmal auch im Alltag überhaupt. Langzeit-Stabilität war dieser Gesellschaft nicht fremd, auch wenn die schriftliche Überlieferung, die Gewohntes und Wiederholtes meist übergeht, die Sprache von Konfliktgemeinschaften zu sprechen scheint. Jedenfalls: Nach Stillstand, auch nach Rückstand als Daseinsprinzip wird man in diesem Raum vergeblich fahnden.°°Jeder Tag brachte neue Probleme. Der dörfliche Umgang mit Dieberei und der herrschaftliche mit Aufmüpfigkeit gehörten zu den Dauerthemen der Krug-Runden. Hier ist die Kraft von Geschwätz und die Sprache des körperlichen Habitus praktiziert worden. Auch das Agieren der Prediger, ihre materielle Not und ihr Umgang mit den Seelensorgen in ihrer "Herde" gehörten zu den großen Themen des kleinen märkischen Alltags. In vielen Zusammenhängen lernen wir auch die Besonderheiten von weiblicher Energie und Furchtlosigkeit kennen. Und die sonderbaren Rituale der ebenso großmäuligen wie um ihr soziales Ansehen besorgten Streithähne auf den Marktplätzen, beim Gemeindebier oder beim Ratschlag nach dem Kirchenbesuch. °°Besonders aus den überlieferten Gerichtsprotokollen wird uns dichtes Wissen zuteil um die große Dynamik von stiller Hoffnung, leisen Sorgen und tiefem Leid im Kleinen, aber auch um Listen und Launen, um Aufgeben und um Aufbegehren. Tieferes Eindringen in den mikrohistorischen Alltag bedarf allerdings der makrohistorischen Begleitung. Als Vermittler zwischen dem Eintauchen in die Lebendigkeit der Kleinräumigkeit und in die scheinbar kaum bewegte Struktur des großräumigen Umfelds dienen hier Rückbindungen an den allmählichen Wandel in Richtung auf die sich ankündigende moderne Welt. Ökonomie und Politik der großen Welt ringsum bleiben als Verständnis-Folie im Hintergrund anwesend. Allerdings eher in Gestalt kurzer Seitenblicke, denn schließlich erfüllten auch andere Vermittlungsinstanzen, gewissermaßen vor Ort, diese verbindende Funktion: Der Wandel der demographischen Verhältnisse im Plattenburg-Wilsnacker Raum, die Rekonstruktion von strukturell geprägten Biografien und die individuellen Vorstellungen von Raum und Zeit reflektierten auf ihre Weise, was in und um Plattenburg-Wilsnack herum geschah.°°Das alles bringt uns Menschen näher, deren historisches Andenken sonst eher in Namenlosigkeit und Dunkel zu versinken pflegt. "Märkische Lebenswelten" ist dergestalt eine Geschichte des konkreten Denkens und Fühlens, des Erfahrens und Handelns geworden, des Lebensweltlichen also, mithin eine Gesellschaftsgeschichte eigener Art.°°°°
Aktualisiert: 2023-06-07
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Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau

Ostdeutsche Agrarwirtschaft im Umbau von Snyders,  Lothar
Die ostelbische Gutsherrschaft war mit ihrem hierarchisch strukturierten sozialen Netzwerk eine weitgehend autarke Grundzelle der altpreussischen Gesellschaft und bot die wirtschaftliche Lebensgrundlage für die adelige Führungsschicht des Staates. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts machte sie infolge der Bauernbefreiung und des Übergangs zu einer gewinn- und marktorientierten Produktionsweise einen tiefgreifenden Wandel durch. Mit der vorliegenden Studie werden Daten zur konkreten Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie zu den Modalitäten der Finanzierung eines Gutes bereitgestellt. Damit wird dem sozialhistorischen Phänomen der ostelbischen Gutswirtschaft für einen gewissen Zeitabschnitt eine empirisch gesicherte Basis gegeben. Aufgrund einer glücklichen Quellenlage wird die Binnenstruktur einer Gutswirtschaft bis in alle Einzelheiten analysiert und die Veränderung des Verständnisses von Gutswirtschaft bei den Besitzern hin zu einem reinen Wirtschaftsunternehmen aufgezeigt.
Aktualisiert: 2023-03-31
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Klein Siemen – Eine slawische Siedlung macht Geschichte

Klein Siemen – Eine slawische Siedlung macht Geschichte von König,  Johann Günther
Urkundlich verewigt ist das im Landkreis Rostock gelegene Klein Siemen seit dem 10. Juni 1322. Was sich seitdem alles ereignete und wie es den im Dorf lebenden und arbeitenden Menschen erging, beschreibt und hinterfragt Johann-Günther König eindringlich. Seine aus vielfältigen Quellen gespeiste Studie wird bereichert durch die erstmalige Veröffentlichung der brieflichen Berichte des Gutsherrn Johann Gildemeister. Der Abkömmling einer bedeutenden Bremer Familie führte ab 1810 in Klein Siemen eine moderne und rationelle Agrikultur nebst der wohl ersten Stallwirtschaft in Mecklenburg ein. Gildemeisters ausführliche Schilderungen sind ein seltener Fund; sie gewähren ungewöhnliche und vertiefende Einblicke in die Vorgänge auf einem Rittergut vor 200 Jahren.
Aktualisiert: 2022-07-28
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Chronik von Wittmoldt

Chronik von Wittmoldt von Schmücker,  Dirk, Seefeldt,  Ulf
Die Ursprünge des Gutes und der Gemeinde Wittmoldt lassen sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Mitte der 1960er Jahre zeichnete der Wittmoldter Schullehrer Ulf Seefeldt die Geschichte von Gut und Dorf nach. Seefeldt stützt sich dabei vor allem auf die Gutsakten, denn über Jahrhunderte ist das Gemeinwesen von Wittmoldt durch das adlige Gut geprägt und von ihm abhängig: Der Gutsherr ist nicht nur Besitzer von Land, Gebäuden, Geräten und Vieh, sondern auch Arbeitgeber für und Gerichtsherr über die Menschen in Wittmoldt, die bis 1805 in Leibeigenschaft leben - und nach Seefeldts Überzeugung faktisch noch darüber hinaus. Erst ab dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entwickelt sich eine Gemeinde, die schrittweise von Gut, Gutswirtschaft und Gutsherr unabhängig wird. Seefeldts Chronik schließt mit einer genauen Bestandsaufnahme von Land, Bevölkerung, Wirtschaft und Verkehr im Jahr 1965. Besonderes Augenmerk legt Seefeldt auf "seine" Volksschule. Seefeldts Chronik ist eine detaillierte Aufnahme der Wittmoldter Geschichte. Für die Neuausgabe 2021 wurden alle Texte und Abbildungen digitalisiert und neu bearbeitet. Ein Nachwort liefert eine kurze Biographie Seefeldts und einen groben Abriss der Gemeindeentwicklung seit 1965.
Aktualisiert: 2022-04-29
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Bauern – Schulzen – Gutsbesitzer

Bauern – Schulzen – Gutsbesitzer von Krethlow,  Carl Alexander
Der Autor widmet sich der geographischen und sozialen Mobilität in Vorpommern anhand dreier Dörfer, die sich über Jahrhunderte im Besitz der Universität Greifswald befanden. Dabei wird deutlich, dass systematische obrigkeitliche Versuche, die Untertanen an die Scholle zu binden, meist scheiterten. Die Leibeigenschaft trug dort zudem bisweilen Züge einer frühen Form des Wohlfahrtsstaates. Als sie abgeschafft wurde, änderte sich an den Pachtverhältnissen zunächst wenig. Mit der Zeit wurden die Bauernhöfe aber erweitert und erreichten bald den Umfang von Großbetrieben. Einzelne Bauern wurden zu Rittergutsbesitzern, andere wanderten in die Städte und das Ausland, was ins Bildungsbürgertum führte.
Aktualisiert: 2023-02-14
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Buskow

Buskow von Johne,  Marc, Kouschil,  Christa, Rieck-Sonntag,  Christine
Die Historikerin Dr. Christa Kouschil, seit Jahren der Bodoni-Community auf dem Bodoni-Vielseithof in Buskow verbunden, erschloss auf der Basis reicher und vielfältiger Archivalien, wohlwollend von Dorfbewohnern unterstützt, die Geschichte des Brandenburger Dorfes Buskow im Weichbild der Stadt Neuruppin. Es ist die Geschichte vor allem der Bauern, die Land und Hofwehr bis 1818 zu Lass-Besitz hatten, die Geschichte ihrer wachsenden feudalen Ausbeutung in einem zunehmend durch Gutswirtschaft geprägten Gemeinwesen. Bewusst stehen nicht die honorigen Adelsgeschlechter im Mittelpunkt der Untersuchungen, ungewollt aber auch nicht die wenig oder nichts besitzenden Kossäten, Büdner und Einlieger sowie die große Anzahl des Gesindes und der Tagelöhner − die Archivalien erwiesen sich darüber als unergiebig. Geschehnisse der jüngeren und jüngsten Geschichte sucht der Leser nahezu vergebens. Das Buch ist eine Hommage an das kleine Dorf und seine Bewohner.
Aktualisiert: 2022-02-10
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Bauern – Schulzen – Gutsbesitzer

Bauern – Schulzen – Gutsbesitzer von Krethlow,  Carl Alexander
Der Autor widmet sich der geographischen und sozialen Mobilität in Vorpommern anhand dreier Dörfer, die sich über Jahrhunderte im Besitz der Universität Greifswald befanden. Dabei wird deutlich, dass systematische obrigkeitliche Versuche, die Untertanen an die Scholle zu binden, meist scheiterten. Die Leibeigenschaft trug dort zudem bisweilen Züge einer frühen Form des Wohlfahrtsstaates. Als sie abgeschafft wurde, änderte sich an den Pachtverhältnissen zunächst wenig. Mit der Zeit wurden die Bauernhöfe aber erweitert und erreichten bald den Umfang von Großbetrieben. Einzelne Bauern wurden zu Rittergutsbesitzern, andere wanderten in die Städte und das Ausland, was ins Bildungsbürgertum führte.
Aktualisiert: 2023-04-04
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Märkische Lebenswelten

Märkische Lebenswelten von Peters,  Jan
Dieser Titel ist unter der Lizenz CC-BY-NC-ND 4.0 im Open Access verfügbar. | This book is open access under a CC-BY-NC-ND 4.0 license.°°°°"Märkische Lebenswelten". Ein scheinbar exotisches Thema, ungewöhnlich vielleicht auch in der Art des Fragens nach märkischer Geschichte. Wie lebten, dachten und fühlten Menschen in der Mark Brandenburg vor drei-, vier- oder fünfhundert Jahren, und zwar in einem ziemlich genau umgrenzten Handlungsraum, wie erfuhren sie ganz konkret ihren individuellen Alltag? Darauf konnte schon manche Antwort gegeben werden, allerdings nur selten so belegbar und nachvollziehbar wie hier. Denn märkische Lebenswelten und Lebensweisen sind Dank glücklicher Umstände für den "Saldern-Kreis" um Wilsnack und Plattenburg in der Westprignitz für die Frühe Neuzeit erstaunlich gut rekonstruierbar. Eine so dichte archivalische Überlieferung, wie sie das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam für eben diesen Raum und diesen Blickwinkel unter seinen Schätzen aufbewahrt, ist, zumindest für die märkischen Lande, doch eher eine Ausnahme. Was sonst dem forschenden Auge des Historikers so oft verborgen bleibt, kann hier für jene über zehn Dörfer, zwei Herrensitze und das Städtchen Wilsnack, die durch Saldernsche Besitzrechte verbunden waren, gewissermaßen gehoben werden. Gefragt wird nach Dynamik und Ordnung, Dramatik und Regulierung in jenem Saldernschen "Kreis", der sich in Havel- und Elbnähe, besonders um den Karthane-Fluß hinzog und viele Feldmarken, Weiden, Mühlen, Gewässer und tiefe Wälder umschloss. Das Alltagsleben in diesem herrschaftsgeprägten Gebiet war "am Anfang", in der Mitte des 16. Jahrhunderts, durch die Aufregungen um die Zerstörung des Wilsnacker "Wunderbluts" bestimmt, aber der Plattenburg-Wilsnacker Raum litt auch in nachfolgender Zeit keinen Mangel an Unruhen mancherlei Art. Da gab es die oft gewaltsamen Verlaufformen von Konflikten in und zwischen den Dörfern, ebenso deren spannungsgeladene Beziehungen zu einigen "Befehlshabern" auf der Plattenburg und dem Herrenhof in Wilsnack. Die Umsetzung der von diesen örtlichen Zentren ausgehenden eigenwirtschaftlichen Pläne war auf den umliegenden Dörfern und in Wilsnack ebenso zu spüren wie in den neuralgischen Grenzräumen zu anderen Herrschaften. Misstrauisch verfolgten die Bauern den gutswirtschaftlichen Umbau, der nicht nur neue ökonomische Belastungen und Verfügungen über ihre Arbeitskraft brachte, sondern auch Selbstbestimmung und Würde in Frage stellte.°°Volksmagische Praktiken, Hexenverfolgung und die oft heftige Umsetzung von Ehr-Vorstellungen standen mit den Neuerungen im Wirtschafts- und Arbeitsleben gewiss in manchem Zusammenhang. Denn es waren doch unvereinbare Ökonomien, die Herrensitz und Bauernhof trennten. Umgekehrt lässt sich aber auch überraschender Zusammenhalt beobachten, besonders in Kriegs- und Krisenzeiten, beim Zusammenstehen gegenüber Dritten, manchmal auch im Alltag überhaupt. Langzeit-Stabilität war dieser Gesellschaft nicht fremd, auch wenn die schriftliche Überlieferung, die Gewohntes und Wiederholtes meist übergeht, die Sprache von Konfliktgemeinschaften zu sprechen scheint. Jedenfalls: Nach Stillstand, auch nach Rückstand als Daseinsprinzip wird man in diesem Raum vergeblich fahnden.°°Jeder Tag brachte neue Probleme. Der dörfliche Umgang mit Dieberei und der herrschaftliche mit Aufmüpfigkeit gehörten zu den Dauerthemen der Krug-Runden. Hier ist die Kraft von Geschwätz und die Sprache des körperlichen Habitus praktiziert worden. Auch das Agieren der Prediger, ihre materielle Not und ihr Umgang mit den Seelensorgen in ihrer "Herde" gehörten zu den großen Themen des kleinen märkischen Alltags. In vielen Zusammenhängen lernen wir auch die Besonderheiten von weiblicher Energie und Furchtlosigkeit kennen. Und die sonderbaren Rituale der ebenso großmäuligen wie um ihr soziales Ansehen besorgten Streithähne auf den Marktplätzen, beim Gemeindebier oder beim Ratschlag nach dem Kirchenbesuch. °°Besonders aus den überlieferten Gerichtsprotokollen wird uns dichtes Wissen zuteil um die große Dynamik von stiller Hoffnung, leisen Sorgen und tiefem Leid im Kleinen, aber auch um Listen und Launen, um Aufgeben und um Aufbegehren. Tieferes Eindringen in den mikrohistorischen Alltag bedarf allerdings der makrohistorischen Begleitung. Als Vermittler zwischen dem Eintauchen in die Lebendigkeit der Kleinräumigkeit und in die scheinbar kaum bewegte Struktur des großräumigen Umfelds dienen hier Rückbindungen an den allmählichen Wandel in Richtung auf die sich ankündigende moderne Welt. Ökonomie und Politik der großen Welt ringsum bleiben als Verständnis-Folie im Hintergrund anwesend. Allerdings eher in Gestalt kurzer Seitenblicke, denn schließlich erfüllten auch andere Vermittlungsinstanzen, gewissermaßen vor Ort, diese verbindende Funktion: Der Wandel der demographischen Verhältnisse im Plattenburg-Wilsnacker Raum, die Rekonstruktion von strukturell geprägten Biografien und die individuellen Vorstellungen von Raum und Zeit reflektierten auf ihre Weise, was in und um Plattenburg-Wilsnack herum geschah.°°Das alles bringt uns Menschen näher, deren historisches Andenken sonst eher in Namenlosigkeit und Dunkel zu versinken pflegt. "Märkische Lebenswelten" ist dergestalt eine Geschichte des konkreten Denkens und Fühlens, des Erfahrens und Handelns geworden, des Lebensweltlichen also, mithin eine Gesellschaftsgeschichte eigener Art.
Aktualisiert: 2023-03-21
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Märkische Lebenswelten

Märkische Lebenswelten von Peters,  Jan
Für das Buch "Märkische Lebenswelten" erhält Jan Peters den "René Kuczynski Preis". Mehr Informationen finden Sie unter: www.ith.or.at/ith_e/kuczynski2008_e.htm.°°°°"Märkische Lebenswelten". Ein scheinbar exotisches Thema, ungewöhnlich vielleicht auch in der Art des Fragens nach märkischer Geschichte. Wie lebten, dachten und fühlten Menschen in der Mark Brandenburg vor drei-, vier- oder fünfhundert Jahren, und zwar in einem ziemlich genau umgrenzten Handlungsraum, wie erfuhren sie ganz konkret ihren individuellen Alltag? Darauf konnte schon manche Antwort gegeben werden, allerdings nur selten so belegbar und nachvollziehbar wie hier. Denn märkische Lebenswelten und Lebensweisen sind Dank glücklicher Umstände für den "Saldern-Kreis" um Wilsnack und Plattenburg in der Westprignitz für die Frühe Neuzeit erstaunlich gut rekonstruierbar. Eine so dichte archivalische Überlieferung, wie sie das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam für eben diesen Raum und diesen Blickwinkel unter seinen Schätzen aufbewahrt, ist, zumindest für die märkischen Lande, doch eher eine Ausnahme. Was sonst dem forschenden Auge des Historikers so oft verborgen bleibt, kann hier für jene über zehn Dörfer, zwei Herrensitze und das Städtchen Wilsnack, die durch Saldernsche Besitzrechte verbunden waren, gewissermaßen gehoben werden. Gefragt wird nach Dynamik und Ordnung, Dramatik und Regulierung in jenem Saldernschen "Kreis", der sich in Havel- und Elbnähe, besonders um den Karthane-Fluß hinzog und viele Feldmarken, Weiden, Mühlen, Gewässer und tiefe Wälder umschloss. Das Alltagsleben in diesem herrschaftsgeprägten Gebiet war "am Anfang", in der Mitte des 16. Jahrhunderts, durch die Aufregungen um die Zerstörung des Wilsnacker "Wunderbluts" bestimmt, aber der Plattenburg-Wilsnacker Raum litt auch in nachfolgender Zeit keinen Mangel an Unruhen mancherlei Art. Da gab es die oft gewaltsamen Verlaufformen von Konflikten in und zwischen den Dörfern, ebenso deren spannungsgeladene Beziehungen zu einigen "Befehlshabern" auf der Plattenburg und dem Herrenhof in Wilsnack. Die Umsetzung der von diesen örtlichen Zentren ausgehenden eigenwirtschaftlichen Pläne war auf den umliegenden Dörfern und in Wilsnack ebenso zu spüren wie in den neuralgischen Grenzräumen zu anderen Herrschaften. Misstrauisch verfolgten die Bauern den gutswirtschaftlichen Umbau, der nicht nur neue ökonomische Belastungen und Verfügungen über ihre Arbeitskraft brachte, sondern auch Selbstbestimmung und Würde in Frage stellte.°°Volksmagische Praktiken, Hexenverfolgung und die oft heftige Umsetzung von Ehr-Vorstellungen standen mit den Neuerungen im Wirtschafts- und Arbeitsleben gewiss in manchem Zusammenhang. Denn es waren doch unvereinbare Ökonomien, die Herrensitz und Bauernhof trennten. Umgekehrt lässt sich aber auch überraschender Zusammenhalt beobachten, besonders in Kriegs- und Krisenzeiten, beim Zusammenstehen gegenüber Dritten, manchmal auch im Alltag überhaupt. Langzeit-Stabilität war dieser Gesellschaft nicht fremd, auch wenn die schriftliche Überlieferung, die Gewohntes und Wiederholtes meist übergeht, die Sprache von Konfliktgemeinschaften zu sprechen scheint. Jedenfalls: Nach Stillstand, auch nach Rückstand als Daseinsprinzip wird man in diesem Raum vergeblich fahnden.°°Jeder Tag brachte neue Probleme. Der dörfliche Umgang mit Dieberei und der herrschaftliche mit Aufmüpfigkeit gehörten zu den Dauerthemen der Krug-Runden. Hier ist die Kraft von Geschwätz und die Sprache des körperlichen Habitus praktiziert worden. Auch das Agieren der Prediger, ihre materielle Not und ihr Umgang mit den Seelensorgen in ihrer "Herde" gehörten zu den großen Themen des kleinen märkischen Alltags. In vielen Zusammenhängen lernen wir auch die Besonderheiten von weiblicher Energie und Furchtlosigkeit kennen. Und die sonderbaren Rituale der ebenso großmäuligen wie um ihr soziales Ansehen besorgten Streithähne auf den Marktplätzen, beim Gemeindebier oder beim Ratschlag nach dem Kirchenbesuch. °°Besonders aus den überlieferten Gerichtsprotokollen wird uns dichtes Wissen zuteil um die große Dynamik von stiller Hoffnung, leisen Sorgen und tiefem Leid im Kleinen, aber auch um Listen und Launen, um Aufgeben und um Aufbegehren. Tieferes Eindringen in den mikrohistorischen Alltag bedarf allerdings der makrohistorischen Begleitung. Als Vermittler zwischen dem Eintauchen in die Lebendigkeit der Kleinräumigkeit und in die scheinbar kaum bewegte Struktur des großräumigen Umfelds dienen hier Rückbindungen an den allmählichen Wandel in Richtung auf die sich ankündigende moderne Welt. Ökonomie und Politik der großen Welt ringsum bleiben als Verständnis-Folie im Hintergrund anwesend. Allerdings eher in Gestalt kurzer Seitenblicke, denn schließlich erfüllten auch andere Vermittlungsinstanzen, gewissermaßen vor Ort, diese verbindende Funktion: Der Wandel der demographischen Verhältnisse im Plattenburg-Wilsnacker Raum, die Rekonstruktion von strukturell geprägten Biografien und die individuellen Vorstellungen von Raum und Zeit reflektierten auf ihre Weise, was in und um Plattenburg-Wilsnack herum geschah.°°Das alles bringt uns Menschen näher, deren historisches Andenken sonst eher in Namenlosigkeit und Dunkel zu versinken pflegt. "Märkische Lebenswelten" ist dergestalt eine Geschichte des konkreten Denkens und Fühlens, des Erfahrens und Handelns geworden, des Lebensweltlichen also, mithin eine Gesellschaftsgeschichte eigener Art.°°°°
Aktualisiert: 2023-03-21
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