Herbst in Peking

Herbst in Peking von Helmlé,  Eugen, Vian,  Boris
Boris Vians Roman wird seinem Titel ganz und gar gerecht: Die Handlung spielt weder im Herbst noch in Peking. Amadis Dudu will wie jeden Morgen den Bus zum Büro nehmen, landet jedoch unfreiwillig in der Wüste Exopotamien. Er nistet sich im einzigen Hotel ein und plant den Bau einer Eisenbahnlinie. Seine Firma schickt Material und Mitarbeiter: die Ingenieure Angel und Anne, deren Freundin Rochelle, Professor Frißfrist, einen Arzt und Modellflugzeugbauer, sowie einen wenig geschätzten Vorarbeiter. Verzwickte Beziehungen bahnen sich an: zwischen Menschen und beißenden Stühlen, zwischen Sekretärinnen und Päderasten, Brimmen und Bummern.
Aktualisiert: 2019-05-29
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Die Junggesellenmaschinen

Die Junggesellenmaschinen von Carrouges,  Michel, Gilleßen,  Maximilian, Jihel,  A., Stuckardt,  Anton
Wenige Wortschöpfungen der historischen Avantgarde haben einen so langanhaltenden Einfluss auf die Phantasie von Künstlern, Kuratoren und Philosophen ausgeübt wie der Begriff der Junggesellenmaschine. Geprägt wurde er erstmals von Marcel Duchamp für die untere Hälfte seines frühen Hauptwerks Die Braut von ihren Junggesellen entblößt, sogar. Mehr als drei Jahrzehnte später griff der Literaturkritiker Michel Carrouges Duchamps Idee eines in sich geschlossenen Liebesmechanismus auf und erkannte darin die Spuren eines modernen Mythos, der die phantastische Literatur des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts durchzieht. Ausgehend vom „Großen Glas“ entwirft Carrouges eine Genealogie literarischer Imagination im Zeichen der Maschine, die von Poe und Villiers de l’Isle-Adam über Jules Verne und Lautréamont bis hin zu Jarry, Roussel und Kafka reicht. Ihre enigmatischen, sich dem Gebot der Nützlichkeit entziehenden, oftmals dysfunktionalen Apparate und Mechanismen deutet er als erotisch aufgeladene Symbole für die Selbstbezüglichkeit des Begehrens und die Verweigerung der Fortpflanzung. Indem sie Eros- und Todestrieb in sich vereinen, zeugen die Junggesellenmaschinen vom Phantasma einer prometheischen Subjektivität, die sich von jeder Transzendenz befreit glaubt. Carrouges’ Nachweis der strukturellen und motivischen Konvergenzen zwischen augenscheinlich heterogenen Werken hat bis heute seine ganz eigene mythopoetische Kraft bewahrt. Sein Buch darf zugleich als die erste Monographie gelten, die dem Werk Marcel Duchamps gewidmet wurde. Es hat Gilles Deleuze und Félix Guattari ebenso beeinflusst wie Enrique Vila-Matas und Harald Szeemann, der 1975 seine legendäre Ausstellung über die Junggesellenmaschinen zeigte. „Das Junggesellentum“, so fasste Szeemann Carrouges’ Analyse zusammen, „ist eine Form der Rebellion. Der Junggeselle weigert sich, die Menschheit fortzupflanzen, indem er ihr das Bild seines Funktionierens gegenüberstellt.“ Die vorliegende Ausgabe bietet die vom Autor revidierte und erweiterte Fassung von 1976.
Aktualisiert: 2019-02-14
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Roussel und Venedig

Roussel und Venedig von Gilleßen,  Maximilian, Groessel,  Hanns, Mathews,  Harry, Perec,  Georges, Stuckardt,  Anton
Raymond Roussel war für Harry Mathews und Georges Perec ein entscheidender Einfluss. Sie bewunderten seine karnevaleske Schreibweise, sein raffiniertes Spiel mit dem Kanon, seine Vermischung von historisch Beglaubigtem und rein Fiktivem. Die ursprünglich zu seinem hundertsten Geburtstag erschienene Studie, die sie ihm widmeten, ist jedoch mehr als nur eine Hommage: ein zwischen Philologie und Parodie, Wahrheit und Fiktion schwebendes Geflecht von Bezügen und Anspielungen, in dessen Zentrum ein hypothetisches Theaterstück Roussels steht. Die Topographie von Venedig, so argumentieren die beiden Autoren, könnte dem Aufbau von Roussels Büchern zugrunde liegen: als Erinnerung und geheime Metonymie eines Verlustes, als Spur eines unmöglichen Begehrens. Aber jede Deutung ist ein Effekt des Textes, und Venedig könnte ebenso gut eine Erfindung Roussels sein: „Es gibt kein Geheimnis Roussel, sein Werk stellt kein zu lösendes Rätsel dar; einzig unsere Lektüre, unser Durst nach Erklärungen, unsere Lust an Vorder- und Hintergründen erweckt um dieses Werk den Eindruck eines aufzubrechenden Geheimnisses. Wenn es aber ein Geheimnis gibt, dann mit Sicherheit nicht dort, wo wir es suchen.“ Derart antworten Mathews und Perec auf alle Interpreten, die glauben, sie könnten, weil sie den Schlüssel besitzen, aus jedem Text das passende Schloss machen. Ihre Arbeit stellt eine so elegante wie unterhaltsame Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen autobiographischer und psychoanalytischer Deutungsansätze dar – und ist nicht zuletzt ein gelungenes Beispiel für eine „imaginäre Lösung“ im Sinne der ’Pataphysik.
Aktualisiert: 2019-01-22
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Das große Besäufnis

Das große Besäufnis von Daumal,  René, Gilleßen,  Maximilian, Stuckardt,  Anton, Weidmann,  Brigitte
„Während die Philosophie lehrt, wie der Mensch angeblich denkt, zeigt das Besäufnis, wie er denkt.“ Eine Gruppe von Freunden sucht im Rausch das Vergessen. Was sie verbindet, ist allein ihr unstillbarer Durst. Nicht nur Alfred Jarry und François Rabelais erscheinen während dieser durchzechten Nacht als Gäste. Auch ein mysteriöser Unbekannter möchte die Trinkenden in ein Gespräch verwickeln. Aber jedes Verstehen setzt eine Gemeinschaft voraus. Auf der Suche nach einem Ausweg beginnt für den namenlosen Erzähler eine Reise durch eine labyrinthische Scheinwelt, in der Künste und Wissenschaften, Religion und Politik zu ihrer eigenen Karikatur geworden sind. Immer mehr vom Durst geplagt, durchstreift er die künstlichen Paradiese all derer, die sich nicht länger am Alkohol, sondern an ihren eigenen Illusionen berauschen. Vor ihm entfaltet sich eine Enzyklopädie des Irrtums und der Obsessionen. Derart bildet Das große Besäufnis, das umfangreichste zu Lebzeiten erschienene Buch von René Daumal, die genaue Antithese zu seinem posthumen Werk Der Berg Analog. Dem Aufstieg zum mythischen Gipfel geht der Sturz in den Abgrund voran, der wahren Gemeinschaft der Suchenden das pataphysische Lachen über die Begrenztheit des eigenen Seins.
Aktualisiert: 2019-01-12
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Visby infra-ordinaire

Visby infra-ordinaire von Neuner,  Florian, Wandeler-Deck,  Elisabeth
Der Text inszeniert und dokumentiert „eine an die psychogeographischen Experimente der Situationisten gemahnende Methode, gewissermaßen einen Keil in die geläufige, wie von selbst funktionierende Praxis zu treiben, mit der wir uns in einer durchschnittlichen europäischen Stadt – sei es in Winterthur, in Budweis oder eben in Visby – aufgrund unseres Vorwissens und unserer Erfahrung meist mühelos orientieren können. Eine gerade Augenzahl bedeutet: nach rechts abbiegen; eine ungerade nach links. Mit einem Würfelwurf wird auch bestimmt, wieviele Blöcke man der Straße zu folgen hat. Ist der neue Standort dann erreicht, geht es um »Materialgewinnung«; Notizen und Photos werden gemacht, mit Klängen und mit Text improvisiert. Oder ein »Würfelgedicht« entsteht.“ (Florian Neuner)
Aktualisiert: 2018-11-07
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Der Berg Analog

Der Berg Analog von Daumal,  René, di Serego Alighieri,  Andrea, Gilleßen,  Maximilian, Stuckardt,  Anton
Der Berg ist ein Bindeglied zwischen Himmel und Erde, Menschen und Göttern: Symbol des Aufstiegs und Allegorie des höchsten Seins. Eine solche Analogiekraft kann jedoch nur ein Berg ausüben, dessen Gipfel den Menschen unzugänglich ist. Dazu aber muss er geographisch verortbar sein, also tatsächlich existieren, wenn er den Weg zum Höheren nicht nur bedeuten, sondern als reale Möglichkeit darstellen soll. Ausgehend von dieser Deduktion macht sich eine Gruppe von Bergsteigern auf die Suche nach jenem unsichtbaren, aber notwendig existierenden Berg: dem Analog. Mit Ausdauer, Witz und Kenntnissen in nicht-euklidischer Geometrie erreichen sie schließlich eine Welt voller fremder Gesetze und Mythen, in der jeder Schritt hinauf zum Gipfel einen Verlust der alten Gewissheiten mit sich bringt. Der Berg Analog ist vieles zugleich: Science-Fiction- und Abenteuerroman, philosophische Meditation und alpinistischer Traktat. Ernst und Ironie, meta- und pataphysische Spekulationen werden von René Daumal zu einem Werk von vielfachem Schriftsinn verwoben. Die vorliegende Ausgabe macht dieses auf deutsch lange vergriffene Buch in einer neuen Übersetzung zugänglich, die erstmals den vollständigen Text bietet.
Aktualisiert: 2019-01-12
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