Bildlichkeit und Metaphorik in spätmittelalterlichen Fastnachtspielen des 15. Jahrhunderts

Bildlichkeit und Metaphorik in spätmittelalterlichen Fastnachtspielen des 15. Jahrhunderts von Klimczak,  Franziska
Die Dissertation untersucht die Sexualmetaphorik im Nürnberger Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts und wählt als Textgrundlage die Ausgabe der Nürnberger Fastnachtspiele von Adelbert von Keller als einzig vollständige Sammlung. Anliegen der Dissertation ist es, die Einzigartigkeit des Wortschatzes des Fastnachtspiels herauszuarbeiten, indem mit Fokus auf die Bildhaftigkeit und die Metaphorik der obszönen Redeweise über deren Aussage- und Wirkkraft im historischen Fastnachtspielkontext reflektiert wird. Wie die Metapher gezielt tabuisierte, intime Inhalte zum Zwecke der Komik legitimiert, wird erst theoretisch ergründet und dann in einer Interpretation der sprachlichen Gestaltung von Sexualität und Obszönität mit Blick auf den soziokulturellen Hintergrund des Nürnberger Fastnachtspiels kritisch reflektiert.In einer interdisziplinären Annäherung werden zunächst sowohl Erkenntnisse und Theorien aus der Fastnachtspiel- und Mittelalterforschung als auch theoretische Ansätze aus der Metaphorologie und der Komikforschung zusammengetragen und diskutiert. Im Rahmen des breitgefächerten, wissenschaftlichen Diskurses zu den Fastnachtspielen wird das Nürnberger Fastnachtspiel aus inhaltlicher, funktionaler, genderbezogener, kulturgeschichtlicher und sprachlicher Perspektive beleuchtet, um ein besseres Verständnis der Sprache des Fastnachtspiels zu erlangen. Im nächsten Schritt werden das mittelalterliche Ehe- und Familienleben und die soziale und rechtliche Stellung von Mann und Frau analysiert, indem theologisch-normativer und literarischer Ehediskurs einander gegenübergestellt und gattungsspezifisch untersucht werden. So können Logiken und Verfahrensweisen in der mittelalterlichen Alltags-, Glaubens- und Rechtspraxis aufgedeckt werden. Dadurch ist es möglich, die Inszenierungen des Körpers im Fastnachtspiel einzuschätzen, die die mittelalterliche Sexualmoral verhandeln und so mannigfaltige Bilder und Vorstellungen von Mann und Frau entwerfen. Anschließend wird in der Diskussion relevanter Metapherntheorien ergründet, wie die metaphorische Sprache dabei den obszönen Inhalten gleichzeitig die Tür öffnet und sie auf Distanz hält. Bei der Betrachtung poststrukturalistischer, erkenntnistheoretischer, kognitiver, semantischer und philosophischer Theorien zur Beschreibung der Arbeits- und Wirkweise der Metapher erweisen sich insbesondere analogieorientierte und funktionale Ansätze als gewinnbringend, weil sie die Kontextualisierung der Metapher als bindend voraussetzen und sie als komplexes, metakognitives Phänomen diskutieren, das auf Interaktions- und Übertragungsprozessen beruht. Sodann werden die vielfältigen Anlässe, sozialen Formen und Funktionen des Lachens in der mittelalterlichen Gesellschaft näher in den Blick genommen, um den komisch-derbsinnlichen Duktus der Fastnachtspiele nachvollziehen zu können. Mit der Bewusstmachung wiederkehrender Elemente und Muster des Komischen kann der Unterhaltungswert der Fastnachtspielsprache exemplarisch verdeutlicht werden.  Die sich anschließende umfassende Interpretation der Fastnachtspiele wird methodisch angeleitet durch die Theorie der bildlichen Rede von Hans Georg Coenen. Er bleibt mit seinen Analogiedefinitionen der klassischen Rhetorik verpflichtet und unterscheidet unter anderem „kreative“, „konventionalisierte“ und „lexikalisierte“ Metaphern. Bei der außerordentlichen Vielfalt sexualmetaphorischer Ausdrucksweisen liegt der Fokus auf den Darstellungen der Geschlechtsorgane von Mann und Frau und dem Koitus.Die Verfasserin gelangt zu folgenden Ergebnissen: Die Metapher sorgt durch ihre bildgestaltende Vermittlung jeweils dafür, dass der sexuelle Inhalt darstellbar wird, ohne jedoch in unmissverständlicher Direktheit auf den Betrachter zu treffen. Ob sie mit ihren alltäglichen, meist bäuerlichen Bildmotiven für die Schamsphäre über- oder untertreibt, abwertet oder aufwertet, verhüllt oder entlarvt - in jedweder Form und Gestalt kann die Metapher den sexuellen Inhalt ästhetisieren. Weil sie ihn unter neuer oder anderer Perspektive betrachtet, entrückt sie ihn formal. Damit erscheint das Sprechen über Sexualität in der metaphorischen Rede wie auf Abstand gerechtfertigt und das Ausmaß bzw. Übermaß der Inszenierung von Sexualität im Fastnachtspiel überhaupt erst möglich. Häufig werden Bilder vom Penis als Esel, von der Vagina als Wiese und vom Koitus als Speerkampf entworfen. Die Metapher stellt damit gewohnte Vorstellungen von Mann und Frau mitsamt den normativ gesetzten Erwartungen und Strukturen im Eheleben auf den Kopf. Das kann als obszön und unanständig, aber auch als amüsant empfunden worden sein und heute noch empfunden werden. Immer bleibt die Metapher dabei ambigue. In ihrer mehrkanaligen Wirkweise, ihrer innovativen Kraft und auch in ihrer Widersprüchlichkeit liegen ihre dichterische Begabung und ihre Qualität zur Komisierung. Damit stellt sich die kunstfertige Sprache des Fastnachtspiels der Körperlichkeit der Spielinhalte entgegen.Die Dissertation demonstriert das innovative, normkritische Potenzial der Fastnachtspielsprache, die sie als eine Poetik der Ambiguität lesbar und als einen Schatz an vielfältigen und differenzierten Ausdrucksweisen für die Schamsphäre wertschätzbar macht. Damit leistet die Arbeit einen wichtigen Beitrag zur sprach- und literaturwissenschaftlichen Analyse des Nürnberger Fastnachtsspiels und zu einem differenzierteren Verständnis von dessen kulturgeschichtlicher Bedeutung.
Aktualisiert: 2023-06-06
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Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts von Hans Folz und seinem Umkreis

Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts von Hans Folz und seinem Umkreis von Biehl,  Theresia, Gerhardt,  Christoph, Greil,  Stefan Hannes, Przybilski,  Martin, Ritz,  Mark
Seit Jahrzehnten wird seitens der mediävistischen Forschung das Fehlen einer wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Edition der Nürnberger Fastnachtspiele beklagt. Die nun vorliegende Textausgabe ersetzt in Teilen die bislang maßgebliche Gesamtausgabe Adalbert von Kellers nach mehr als 150 Jahren. Dabei wurde jener Teil des bei Keller abgedruckten Korpus zu Grunde gelegt, für das die Forschung der letzten Jahrzehnte Hans Folz oder aber dessen Umfeld bzw. Nachfolger annahm bzw. konstruierte. Das Ziel der Kommentierung der Spiele bestand darin, die teilweise sperrig anmutenden Themen und deren Art der Verhandlung in der akademischen Lehre verstehbar zu machen. Hier wurde insbesondere die historische Person Hans Folz erschlossen und als frühbürgerlicher Akteur innerhalb des Raums Nürnberg rekonstruiert, der Auswahl, Arrangement und Präsentation seiner Stoffe zwischen persönlichen Neigungen, obrigkeitlichen Reglementierungenund dem Geschmack seines Publikums vor der Folie des mittelalterlichen Brauchtums der Fastnacht auszuhandeln hatte. Die kommentierte, diplomatische Edition wendet sich an Studenten und Forscher diverser kulturwissenschaftlicher Fächer.
Aktualisiert: 2023-05-29
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Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts von Hans Folz und seinem Umkreis

Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts von Hans Folz und seinem Umkreis von Biehl,  Theresia, Gerhardt,  Christoph, Greil,  Stefan Hannes, Przybilski,  Martin, Ritz,  Mark
Seit Jahrzehnten wird seitens der mediävistischen Forschung das Fehlen einer wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Edition der Nürnberger Fastnachtspiele beklagt. Die nun vorliegende Textausgabe ersetzt in Teilen die bislang maßgebliche Gesamtausgabe Adalbert von Kellers nach mehr als 150 Jahren. Dabei wurde jener Teil des bei Keller abgedruckten Korpus zu Grunde gelegt, für das die Forschung der letzten Jahrzehnte Hans Folz oder aber dessen Umfeld bzw. Nachfolger annahm bzw. konstruierte. Das Ziel der Kommentierung der Spiele bestand darin, die teilweise sperrig anmutenden Themen und deren Art der Verhandlung in der akademischen Lehre verstehbar zu machen. Hier wurde insbesondere die historische Person Hans Folz erschlossen und als frühbürgerlicher Akteur innerhalb des Raums Nürnberg rekonstruiert, der Auswahl, Arrangement und Präsentation seiner Stoffe zwischen persönlichen Neigungen, obrigkeitlichen Reglementierungenund dem Geschmack seines Publikums vor der Folie des mittelalterlichen Brauchtums der Fastnacht auszuhandeln hatte. Die kommentierte, diplomatische Edition wendet sich an Studenten und Forscher diverser kulturwissenschaftlicher Fächer.
Aktualisiert: 2023-05-29
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Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts von Hans Folz und seinem Umkreis

Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts von Hans Folz und seinem Umkreis von Biehl,  Theresia, Gerhardt,  Christoph, Greil,  Stefan Hannes, Przybilski,  Martin, Ritz,  Mark
Seit Jahrzehnten wird seitens der mediävistischen Forschung das Fehlen einer wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Edition der Nürnberger Fastnachtspiele beklagt. Die nun vorliegende Textausgabe ersetzt in Teilen die bislang maßgebliche Gesamtausgabe Adalbert von Kellers nach mehr als 150 Jahren. Dabei wurde jener Teil des bei Keller abgedruckten Korpus zu Grunde gelegt, für das die Forschung der letzten Jahrzehnte Hans Folz oder aber dessen Umfeld bzw. Nachfolger annahm bzw. konstruierte. Das Ziel der Kommentierung der Spiele bestand darin, die teilweise sperrig anmutenden Themen und deren Art der Verhandlung in der akademischen Lehre verstehbar zu machen. Hier wurde insbesondere die historische Person Hans Folz erschlossen und als frühbürgerlicher Akteur innerhalb des Raums Nürnberg rekonstruiert, der Auswahl, Arrangement und Präsentation seiner Stoffe zwischen persönlichen Neigungen, obrigkeitlichen Reglementierungenund dem Geschmack seines Publikums vor der Folie des mittelalterlichen Brauchtums der Fastnacht auszuhandeln hatte. Die kommentierte, diplomatische Edition wendet sich an Studenten und Forscher diverser kulturwissenschaftlicher Fächer.
Aktualisiert: 2023-03-27
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Bildlichkeit und Metaphorik in spätmittelalterlichen Fastnachtspielen des 15. Jahrhunderts

Bildlichkeit und Metaphorik in spätmittelalterlichen Fastnachtspielen des 15. Jahrhunderts von Klimczak,  Franziska
Die Dissertation untersucht die Sexualmetaphorik im Nürnberger Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts und wählt als Textgrundlage die Ausgabe der Nürnberger Fastnachtspiele von Adelbert von Keller als einzig vollständige Sammlung. Anliegen der Dissertation ist es, die Einzigartigkeit des Wortschatzes des Fastnachtspiels herauszuarbeiten, indem mit Fokus auf die Bildhaftigkeit und die Metaphorik der obszönen Redeweise über deren Aussage- und Wirkkraft im historischen Fastnachtspielkontext reflektiert wird. Wie die Metapher gezielt tabuisierte, intime Inhalte zum Zwecke der Komik legitimiert, wird erst theoretisch ergründet und dann in einer Interpretation der sprachlichen Gestaltung von Sexualität und Obszönität mit Blick auf den soziokulturellen Hintergrund des Nürnberger Fastnachtspiels kritisch reflektiert.In einer interdisziplinären Annäherung werden zunächst sowohl Erkenntnisse und Theorien aus der Fastnachtspiel- und Mittelalterforschung als auch theoretische Ansätze aus der Metaphorologie und der Komikforschung zusammengetragen und diskutiert. Im Rahmen des breitgefächerten, wissenschaftlichen Diskurses zu den Fastnachtspielen wird das Nürnberger Fastnachtspiel aus inhaltlicher, funktionaler, genderbezogener, kulturgeschichtlicher und sprachlicher Perspektive beleuchtet, um ein besseres Verständnis der Sprache des Fastnachtspiels zu erlangen. Im nächsten Schritt werden das mittelalterliche Ehe- und Familienleben und die soziale und rechtliche Stellung von Mann und Frau analysiert, indem theologisch-normativer und literarischer Ehediskurs einander gegenübergestellt und gattungsspezifisch untersucht werden. So können Logiken und Verfahrensweisen in der mittelalterlichen Alltags-, Glaubens- und Rechtspraxis aufgedeckt werden. Dadurch ist es möglich, die Inszenierungen des Körpers im Fastnachtspiel einzuschätzen, die die mittelalterliche Sexualmoral verhandeln und so mannigfaltige Bilder und Vorstellungen von Mann und Frau entwerfen. Anschließend wird in der Diskussion relevanter Metapherntheorien ergründet, wie die metaphorische Sprache dabei den obszönen Inhalten gleichzeitig die Tür öffnet und sie auf Distanz hält. Bei der Betrachtung poststrukturalistischer, erkenntnistheoretischer, kognitiver, semantischer und philosophischer Theorien zur Beschreibung der Arbeits- und Wirkweise der Metapher erweisen sich insbesondere analogieorientierte und funktionale Ansätze als gewinnbringend, weil sie die Kontextualisierung der Metapher als bindend voraussetzen und sie als komplexes, metakognitives Phänomen diskutieren, das auf Interaktions- und Übertragungsprozessen beruht. Sodann werden die vielfältigen Anlässe, sozialen Formen und Funktionen des Lachens in der mittelalterlichen Gesellschaft näher in den Blick genommen, um den komisch-derbsinnlichen Duktus der Fastnachtspiele nachvollziehen zu können. Mit der Bewusstmachung wiederkehrender Elemente und Muster des Komischen kann der Unterhaltungswert der Fastnachtspielsprache exemplarisch verdeutlicht werden.  Die sich anschließende umfassende Interpretation der Fastnachtspiele wird methodisch angeleitet durch die Theorie der bildlichen Rede von Hans Georg Coenen. Er bleibt mit seinen Analogiedefinitionen der klassischen Rhetorik verpflichtet und unterscheidet unter anderem „kreative“, „konventionalisierte“ und „lexikalisierte“ Metaphern. Bei der außerordentlichen Vielfalt sexualmetaphorischer Ausdrucksweisen liegt der Fokus auf den Darstellungen der Geschlechtsorgane von Mann und Frau und dem Koitus.Die Verfasserin gelangt zu folgenden Ergebnissen: Die Metapher sorgt durch ihre bildgestaltende Vermittlung jeweils dafür, dass der sexuelle Inhalt darstellbar wird, ohne jedoch in unmissverständlicher Direktheit auf den Betrachter zu treffen. Ob sie mit ihren alltäglichen, meist bäuerlichen Bildmotiven für die Schamsphäre über- oder untertreibt, abwertet oder aufwertet, verhüllt oder entlarvt - in jedweder Form und Gestalt kann die Metapher den sexuellen Inhalt ästhetisieren. Weil sie ihn unter neuer oder anderer Perspektive betrachtet, entrückt sie ihn formal. Damit erscheint das Sprechen über Sexualität in der metaphorischen Rede wie auf Abstand gerechtfertigt und das Ausmaß bzw. Übermaß der Inszenierung von Sexualität im Fastnachtspiel überhaupt erst möglich. Häufig werden Bilder vom Penis als Esel, von der Vagina als Wiese und vom Koitus als Speerkampf entworfen. Die Metapher stellt damit gewohnte Vorstellungen von Mann und Frau mitsamt den normativ gesetzten Erwartungen und Strukturen im Eheleben auf den Kopf. Das kann als obszön und unanständig, aber auch als amüsant empfunden worden sein und heute noch empfunden werden. Immer bleibt die Metapher dabei ambigue. In ihrer mehrkanaligen Wirkweise, ihrer innovativen Kraft und auch in ihrer Widersprüchlichkeit liegen ihre dichterische Begabung und ihre Qualität zur Komisierung. Damit stellt sich die kunstfertige Sprache des Fastnachtspiels der Körperlichkeit der Spielinhalte entgegen.Die Dissertation demonstriert das innovative, normkritische Potenzial der Fastnachtspielsprache, die sie als eine Poetik der Ambiguität lesbar und als einen Schatz an vielfältigen und differenzierten Ausdrucksweisen für die Schamsphäre wertschätzbar macht. Damit leistet die Arbeit einen wichtigen Beitrag zur sprach- und literaturwissenschaftlichen Analyse des Nürnberger Fastnachtsspiels und zu einem differenzierteren Verständnis von dessen kulturgeschichtlicher Bedeutung.
Aktualisiert: 2023-01-13
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Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts von Hans Folz und seinem Umkreis

Nürnberger Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts von Hans Folz und seinem Umkreis von Biehl,  Theresia, Gerhardt,  Christoph, Greil,  Stefan Hannes, Przybilski,  Martin, Ritz,  Mark
Seit Jahrzehnten wird seitens der mediävistischen Forschung das Fehlen einer wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Edition der Nürnberger Fastnachtspiele beklagt. Die nun vorliegende Textausgabe ersetzt in Teilen die bislang maßgebliche Gesamtausgabe Adalbert von Kellers nach mehr als 150 Jahren. Dabei wurde jener Teil des bei Keller abgedruckten Korpus zu Grunde gelegt, für das die Forschung der letzten Jahrzehnte Hans Folz oder aber dessen Umfeld bzw. Nachfolger annahm bzw. konstruierte. Das Ziel der Kommentierung der Spiele bestand darin, die teilweise sperrig anmutenden Themen und deren Art der Verhandlung in der akademischen Lehre verstehbar zu machen. Hier wurde insbesondere die historische Person Hans Folz erschlossen und als frühbürgerlicher Akteur innerhalb des Raums Nürnberg rekonstruiert, der Auswahl, Arrangement und Präsentation seiner Stoffe zwischen persönlichen Neigungen, obrigkeitlichen Reglementierungenund dem Geschmack seines Publikums vor der Folie des mittelalterlichen Brauchtums der Fastnacht auszuhandeln hatte. Die kommentierte, diplomatische Edition wendet sich an Studenten und Forscher diverser kulturwissenschaftlicher Fächer.
Aktualisiert: 2023-03-28
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