Verletzen und Beleidigen

Verletzen und Beleidigen von Häusler,  Anna, Heyne,  Elisabeth, Koch,  Lars, Prokic,  Tanja
Anerkennungs- und Ausgrenzungskonflikte haben Konjunktur und affizieren das Theater als Schauplatz gesellschaftlicher Interaktion nachhaltig. In ihrer doppelten Funktion als ästhetischer und sozialer Raum sind theatrale Formate par excellence geeignet, Konflikt- und Eskalationsdynamiken zu simulieren. Dramaturgien der Verletzung und Beleidigung zielen auf die Exponierung von Kommunikations- und Subjektivationsprozessen. Dadurch werden theatrale Situationen innerhalb und außerhalb der Theaterinstitutionen schließlich zu Arenen und Tribunalen, zu Orten der Aushandlung und Verteilung von Sprech- und Handlungslizenzen, und sind zugleich Situationen der Kritik. Denn gerade wenn die theatrale Ordnung durch An- und Übergriffe destabilisiert oder ihre Asymmetrie ausgebeutet wird, realisiert Theater sein kritisches Potenzial. Solchen immer auch zu problematisierenden Möglichkeiten theatraler Kritik von und durch Herabsetzung geht das Autor*innenteam an exemplarischen Betrachtungen zeitgenössischer Formen von Performance-Installation, Tanztheater, Aktionskunst, theatralem Realismus und literarischem Wettbewerbsformat nach.
Aktualisiert: 2019-06-04
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Kosmogramme

Kosmogramme von Jörg,  Dünne
Mit dem Konzept des Kosmogramms trägt die neuere Wissensforschung dem Umstand Rechnung, dass die Bilder, die wir uns von der Welt machen, untrennbar mit ihren materiellen Erscheinungsformen verbunden sind. Weltbilder sind immer gemacht. Kosmogramme gibt es deshalb entgegen aller Versuche der Totalisierung einer bestimmten Weltanschauung nur im Plural. Angesichts der gegenwärtigen Diagnose des Eintritts in das Zeitalter des Anthropozäns, d.h. der Epoche einer geologischen Veränderung (aber vor allem möglichen Zerstörung) der Welt durch menschliches Einwirken, erlaubt es der wissenschaftliche und künstlerische Umgang mit Kosmogrammen, unser Verhältnis zur Welt anders zu verstehen als im Modus der Gegenüberstellung von Subjekt und Objekt. In ihren Überlegungen geht die Wissensforschung dabei vor allem von materiellen Gegenständen wie Karten oder Globen aus, die unser neuzeitliches Weltverhältnis prägen, und erforscht die Netzwerke, in denen sie stehen. In seiner hier in einer erweiterten Fassung veröffentlichten Antrittsvorlesung nimmt Jörg Dünne diese Erwägungen auf, aber wendet sie auf die Literatur – als Mittel des Weltbezugs wie seiner Reflexion: In der Skizze einer literarischen Kosmogrammatologie stellt Dünne die Frage, inwiefern literarische Kosmogramme qua ihrer sprachlichen Natur ein spezifisches Weltwissen produzieren und auf dessen Transformationen reflektieren. Dies führt ihn auf eine Erkundungsreise durch die romanischen Literaturen von Luís de Camões (1524–1580) über Italo Calvino (1923–1985) bis in die argentinische Literatur der Gegenwart. Insbesondere in den Gedichten des Lyrikers Sergio Raimondi, dessen Texte in der Tradition der historischen Auseinandersetzung mit den weiten Ebenen des Graslands der Pampa stehen, entdeckt er eine spezifische Umkehrung der frühneuzeitlichen kosmogrammatologischen Öffnung auf das Universum zugunsten einer gegenwärtigen Rückwendung auf die Erdoberfläche. Die untersuchten Texte erlauben es, den Begriff des Kosmogramms weiterzudenken, indem sie in exemplarischer Weise auf die Brüche in sprachlichen Figurationen umfassender Ganzheit hinweisen.
Aktualisiert: 2019-06-04
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Das Medium der Prosa

Das Medium der Prosa von Kreienbrock,  Jörg
Friedrich Schlegels irritierende Bemerkung, dass die „Idee der Poesie ihre Individualität in der Gestalt der Prosa gefunden” habe, stellt den Ausgangspunkt für Jörg Kreienbrocks Studie über das Medium moderner, d.h. post-romantischer Dichtung dar. Die geläufige Deutung der frühromantischen Poetik als eine des Romans erweiternd zeigt Das Medium der Prosa, dass sich in Schlegels progressiver Universalpoesie eine Idee der Prosa (Agamben) manifestiert, welche als „kanonischer Schöpfungsgrund“ (Benjamin) sowohl prosaischer als auch lyrischer Rede vorausgeht. Das Gedicht als Reflexionsmedium öffnet sich so an seinem Ende einer Sprache, die nüchtern und prosaisch den Grund der Dichtung auf der Schwelle von gebundener und ungebundener Rede ausmisst. Das Fortleben der romantischen Idee der Poesie in der Prosa wird in der Studie daher von ihren Anfängen in der deutschen Frühromantik über Charles Baudelaire bis hin zu Stefan George und Karl Kraus nachgezeichnet. Abschließend wird die Idee der Prosa als Form einer immanenten Poetik untersucht, wie sie Hans Blumenberg in den 1960er Jahren am Beispiel der Lyrik als Paradigma der Moderne herausgearbeitet hat, und wie sie sich exemplarisch in der Lyrik von Oskar Pastior und Oswald Egger manifestiert.
Aktualisiert: 2019-06-04
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Denken in Farbe

Denken in Farbe von Ludger,  Schwarte
Was erfassen wir nicht durch Formen sondern durch Farben? Was erkennen wir durch das Färben besser als durch das Messen und Zählen? Malen gehört zu den ältesten und grundlegensten Kulturtechniken der Menschheitsgeschichte. Die Arbeit an farblicher Gestaltung, durch die sich das Malen vom bloßen Anstreichen abhebt, bildet dabei ein eigenes visuelles Denken aus. Dieses „Denken der Malerei“, von dem Maurice Merleau-Ponty, Louis Marin, Jean-François Lyotard, Gilles Deleuze und Georges Didi-Huberman sprechen, wäre allerdings als praxisgeleitete Kognition, als verkörpertes Wissen oder als Reflexion medialer Vollzüge zu ungenau verstanden. Angesichts der kulturhistorischen Vielfalt malerischer Praktiken wird es nicht ausreichen, Malerei als Medium, als Dispositiv oder als Formation zu analysieren. Ludger Schwarte untersucht daher in seinem neuen Buch, was wir durch und in Farbe lernen: Was ist die epistemische Bedeutung des Färbens? Schwarte geht von der Hypothese aus, dass Malerei dem auf der Spur ist, was wir nur aufgrund gestalteter Farbigkeit sehen, imaginieren, denken können. Anstatt Farben deshalb wie ein Großteil ästhetischer Theorien nur als Beiwerk, Zierrat oder Träger der Formen zu abzuwerten, lenkt Schwartes Untersuchung unsere Aufmerksamkeit auf die Plastizität und Interaktivität der Farben. So wird schließlich sichtbar, was sich über die Welt erfahren läßt, wenn wir sie färben.
Aktualisiert: 2019-05-08
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Revolte oder Ressentiment

Revolte oder Ressentiment von Eric,  Fassin
Dass der Populismus der Rechten nützt, aber für Linke nicht zu gebrauchen ist, ist der zentrale Befund des pointierten Essays Eric Fassins, mit dessen Veröffentlichung zum ersten Mal ein Text des französischen Soziologen in deutscher Übersetzung vorliegt. Dafür vergleicht Fassin die Erhebungen zum Wahlverhalten bei der US-Amerikanischen Präsidentschaftswahl und dem Brexit-Votum 2016 sowie ihre unterschiedlichen Interpretationen. Er analysiert aktuelle Plädoyers für einen „linken Populismus“, wie ihn zuletzt die Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe den europäischen sozialdemokratischen Parteien in ihrem elektoralen Überlebenskampf empfohlen hat. Und er stürzt sich ins unübersichtliche Handgemenge der Politikerreden, Meinungsseiten und Fernsehinterviews. Im Zentrum seiner Betrachtungen steht dabei die Bedeutung politischer Affekte: Man wird, so Fassin, Ressentiments nicht in eine Revolte verwandeln. Versuche das Ressentiment gegen Neoliberalismus und Nationalismus zu mobilisieren, müssen deshalb aussichtlos bleiben. Stattdessen braucht es eine Repolitisierung der Gesellschaft entlang des Gegensatzes zwischen Links und Rechts. Dabei steht nicht weniger als die Demokratie selbst auf dem Spiel.
Aktualisiert: 2019-06-05
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Für den Arsch

Für den Arsch von Guy,  Hocquenghem, Peter,  Rehberg
Bei keinem Autor sind die Hoffnungen über die politischen Möglichkeiten einer schwulen Subjektivität und Gemeinschaft größer und die Analyse ihres Scheiterns erbarmungsloser gewesen als bei dem französischen Theoretiker, Aktivisten und Schriftsteller Guy Hocquenghem (1946-1988). Damit wurde er zu einem Queertheoretiker avant la lettre. Die wichtigsten Quellen seiner in den 1970er Jahrenentstandenen theoretischen Texte waren zum einen die Psychoanalyse-Kritik von Gilles Deleuze und Félix Guattari, zum anderen seine politische Arbeit innerhalb der französischen Schwulenbewegung als Mitglied der Front Homosexuel d’Action Révolutionnaire (FHAR). Mit diesen Referenzen ist Hocquenghem ein Stichwortgeber für aktuelle queere Debatten: Denn eine Deleuzianische Queer Theory erweist sich als Alternative zu einem performativen Identitätsverständnis nach Judith Butler und mit Hocquenghems Aktivismus im Frankreich der 1970er Jahre werden postkoloniale Fragen, wie z.B. das Verhältnis von Europäern und Arabern, Teil der Auseinandersetzung. Die hier versammelten und 1973 in der Ausgabe Trois milliards de pervers der Zeitschrift Recherches zum ersten Mal erschienenen Texte Hocquenghems kreisen dabei immer wieder um eine Frage, die vom Standpunkt einer auf rechtliche Anerkennung und Respektabilität verpflichteten Schwulen- und Lesbenbewegung inzwischen skandalös erscheint: Welche subjektive, soziale und politische Bedeutung hat die libidinöse Besetzung des Arsches beim Sex zwischen Männern? Sie verweisen auf die Verschränkung von Politik und Begehren in der Moderne. Hoquenghem erinnert damit daran, dass eine queere Kritik nicht ohne Bezugnahme auf das „Perverse“ der Sexualität auskommen kann. Die von Felix Guattari herausgegeben Ausgabe der Zeitschrift Recherches wurde unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung verboten, die Auflage vernichtet. Ein Nachdruck erfolgte 1978, eine deutsche Ausgabe erschien 1980 im Verlag Rosa Winkel. Hocquenghems Beitrag erscheint nun erstmals als eigenständiger Band in einer neuen Übersetzung von Tobias Haberkorn. Begleitet wird sie von einem ausführlichen Essay von Peter Rehberg.
Aktualisiert: 2019-03-19
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Recht und Gewalt

Recht und Gewalt von Menke,  Christoph
Erweiterte Neuauflage mit einem Nachwort des Autors Wie ist eine Kritik des Rechts überhaupt möglich? Die Ausübung von Gewalt gehört zum Begriff des Rechts: Es gibt kein Recht, das sein Ziel der Gewaltüberwindung nicht auf Gewaltanwendung stützte. Dies scheint eine triviale Feststellung, wenn man sie so versteht, dass die Gewalt das „letzte Mittel“ des Rechts sei. Dem Versuch einer solchen rechtlichen Legitimation der Gewalt widerspricht die These von der Gewalt der rechtlichen Legitimation: Die Gewalt ist nicht ein Mittel, sondern das Schicksal des Rechts – das Schicksal, die Gewalt unendlich wiederholen zu müssen, dem das Recht seine Einsetzung verdankt. Christoph Menke entwickelt diese Gegenthese anhand von Einsichten der Literatur ins Recht (Aischylos, Kleist, Heiner Müller), die, so der Autor, denen der Philosophie voraus ist. Sein Essay zielt auf den Nachweis, dass die Gewalt des Rechts in der politischen Prozedur steckt, die das rechtliche Urteilen legitimiert; er legt die untergründig wirksame Logik frei, die die Ebene der Berechtigung rechtlicher Urteile mit der körperlich-seelischen Ebene ihrer gewaltsamen Durchsetzung innerlich verbindet. Die Gewalt des Rechts und das Recht des Rechts sind einander nicht äußerlich; sie sind auf paradoxe Weise verklammert. Der erste Teil des Essays erläutert diesen Gedanken durch eine Rekonstruktion des „kratischen“ Verhältnisses zum Nichtrechtlichen, das dem Recht von Anfang an eingeschrieben ist. Dieses Gewaltverhältnis findet nicht im autoritären, sondern im autonomen Recht, das in der Freiheit des Subjekts gründet, seinen reinsten Ausdruck. Der zweite Teil versucht sodann, die Lücke in der Einheit von Recht und Gewalt, von Normativität und Schicksal zu finden. Dazu wird Benjamins Idee einer „Entsetzung des Rechts“ als das Programm einer Selbstreflexion des Rechts erläutert.
Aktualisiert: 2019-01-10
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Das Normale und das Pathologische

Das Normale und das Pathologische von Canguilhem,  Georges, Noll,  Monika, Schubert,  Rolf
Die vorliegende Neuausgabe von Georges Canguilhems „Das Normale und das Pathologische“ macht dieses lange vergriffene Buch, das als ein Hauptwerk der modernen Wissenschaftsgeschichte bezeichnet werden kann, in der aktualisierten Übersetzung wieder zugänglich. Der Band umfasst Canguilhems medizinische Dissertation, die er 1943 in Straßburg unter dem Titel „Versuch über einige Probleme, das Normale und das Pathologische betreffend“ eingereicht hat, sowie die „Neuen Überlegungen zum Normalen und zum Pathologischen (1963-1966)“, in denen Canguilhem sich „zwanzig Jahre später“ erneut der Frage der Normen und des Normalen widmet. „Gesund sein heißt nicht bloß, in einer gegebenen Situation normal, sondern auch – in dieser oder in anderen möglichen Situationen – normativ sein. Was die Gesundheit ausmacht, ist die Möglichkeit, die das augenblicklich Normale definierende Norm zu überschreiten; die Möglichkeit, Verstöße gegen die gewohnheitsmäßige Norm hinzunehmen und in neuen Situationen neue Normen in Kraft zu setzen.“ (Georges Canguilhem)
Aktualisiert: 2019-01-10
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Ethologie der Kunst

Ethologie der Kunst von Sauvagnargues,  Anne, Voss,  Daniela
Mit Rückgriff auf Deleuze, Guattari, Simondon und eine Reihe anderer Denker entwickelt die französische Philosophin Anne Sauvagnargues eine Philosophie der Kunst, eine „Ethologie“, die sich auf der Ebene von Zeichen und Affekten bewegt. Ob Literatur, Malerei oder Kino, die Künste folgen keinem Modell der Mimesis, noch erschöpfen sie sich in einer strukturellen Analyse. Zeichen und Bilder sind Resultate einer realen, materiellen Produktion. Sie sind offene Experimente, ein Sichtbarmachen von Kräften und Interventionen in einer vielschichtigen, heterogenen Realität. Sie produzieren Effekte, konfrontieren uns mit Problemen und zwingen uns zum Denken. Herkömmliche Geniekonzeptionen sowie klassische Hierarchien der Gattungen und Stile werden demontiert. Mit großer Gewandheit bewegt sich Sauvagnargues durch das Œuvre von Deleuze und Guattari und erläutert im Durchgang Begriffe wie Haecceität, Immanenzebene, organloser Körper, Individuation, Maschine, Transversalität. Die hier vorliegende Auswahl von Essays, erstmals auf Deutsch erschienen, zieht uns hinein in eine neue Auffassung von Kunst, die Kunst als materielle Produktion, als ein Einfangen von Kräften und als Bild zu denken versucht.
Aktualisiert: 2019-06-04
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