Der unbekannte Raum

Der unbekannte Raum von Peter,  Weitzner
Weitzners kurze Texte zum Theater und zur Kunst könnte man unter El Lissitzkys Motto »Jede Form ist das erstarrte Momentbild eines Prozesses« stellen – ebenso wie unter Tatlins Credo, demnach im ›Kunsttheater‹ die Malerei, Dichtung, der Tanz und die Musik gleichberechtigt zur Einheit gebracht werden sollen. Es geht ihm stets um das Prozesshafte, die Ereignishaftigkeit des Theaters als Gesamtkunstwerk aus verschiedenen Künsten. Er misst dem Theater wie den Künsten überhaupt einen zentralen Stellenwert zu, um die globalen Konflikte, die jeden einzelnen betreffen, zu verhandeln und sich dazu zu positionieren. Im permanenten Dialog mit den historischen Avantgarden des letzten Jahrhunderts entwirft er so ein Theater der Zukunft. Man kann das Büchlein auch lesen als die poetische Summa eines Künstlerlebens: Ein Regisseur, Lehrer und Maler schaut auf seine Arbeit und die Welt – und es entsteht selbst ein künstlerischer Text, der die Genres amalgamiert; es ist kunstphilosophischer Essay, Werkstattbericht, Lebenszeugnis und ein mitunter manifestartiges, in jedem Fall emphatisches Bekenntnis zur Kunst und zum »Objekttheater«. Anknüpfungspunkte liefern ihm u.a. Arthur Rimbaud, Antonin Artaud, Wassily Kandinsky, Wladimir Majakowsky und fürs Theater Tadeusz Kantor, Samuel Beckett und Heiner Müller. »Ich träume von einer jede Erwartung übersteigenden Vision, die in einem Bild realisiert wird und unsere Existenz in einen unsterblichen Olymp versetzt. Ich träume von einer Schönheit, welche die Vollständigkeit unseres Selbst wiederherstellt, und sei es nur für einen Augenblick. Ich träume von einer noch nicht verdinglichten Erotik, welche Unschuld und Wildheit miteinander vereint.« – Peter Weitzner
Aktualisiert: 2019-06-04
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Echos

Echos von Bachmann,  Alejandro, Koch,  Michelle
Das filmische Werk Werner Herzogs erstreckt sich – durchaus überraschend – zu einem weit aus größeren Teil über dokumentarische Arbeiten, die seit 1962 gemeinsam mit den Spielfilmen, für die er vor allem in der frühen Phase seines Schaffens weitaus bekannter war, das formulieren, was gemeint ist, wenn man von einem typischen »Werner Herzog-Film« spricht. Der Filmemacher selbst steht der Unterscheidung zwischen den Gattungen ohnehin skeptisch gegenüber – und genau diese Skepsis liegt dem vorliegenden Band zugrunde, der in 18 Beiträgen eine Annäherung an das Dokumentarfilmwerk des Regisseurs anstrebt. Das Buch unterteilt sich in drei Abschnitte, die jene fast sechzig dokumentarischen Arbeiten entlang diskursiver Dimensionen in den Blick nehmen, die für den Begriff des Dokumentarfilms im speziellen Fall dieses Regisseurs produktiv gemacht werden können: So wird zum einen das »Phänomen Herzog« fokussiert, das in popkulturellen Verweisen, in Auftritten als Schauspieler, als Filmprofessor oder als Inspiration für andere Filmemacher zwischen realer Person und performativer Figur changiert und damit jene Grenze zwischen Fiktion und Realität am Regisseur selbst verhandelt. Rote Fäden entlang seiner thematischen Obses sionen gehen Verläufen und Wendungen nach und grenzen das dokumentarische Werk sowohl vom fiktionalen ab, um zugleich auch Verwandtschaften zu diesem sichtbar zu machen. Einen dritten Strang bilden Untersuchungen der dokumentarischen Methode des Filmemachers, seiner ganz speziellen Art des Personenporträts, seines eigentümlichen Gesprächsstils und seines Umgangs mit Ton und Sounddesign. Der vom Filmemacher immer wieder artikulierten Abneigung gegenüber akademisch-theoretischen, also sprachlichen und schriftlichen Auseinandersetzungen mit seinem Werk wird begegnet, indem das Buch möglichst viele Stile, Perspektiven, Sprechweisen nebeneinanderstellt, die über Herzogs Arbeiten reflektieren. Neben Filmtheoretiker/innen und Kritiker/innen äußern sich Filmemacher und Fotografen, Autoren und Kuratoren zu Herzogs dokumentarischem OEuvre in wissenschaftlicher, assoziativer, essayistischer oder dialogischer Form. »Echos der Gegenwart« wären soin doppelter Weise zu denken: Sichtbar wird in diesem Buch zum einen, wie Herzogs Filme die Gegenwart nicht bloß aufzeichnen, sondern als singuläre künstlerische Brechung zerteilen,überlagern und in veränderter Form – als Dokumentarfilme im Sinne Herzogs – für uns wahrnehmbar machen. Lesbar wird hier aber auch, wie viele Antworten in Form von Stimmen, Gedanken, Emotionen und Positionen seine Filme im Hier und Jetzt hervorrufen und echohaft auf diese zurückwerfen.
Aktualisiert: 2019-02-28
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Der Ewige Bund

Der Ewige Bund von Wilkens,  Lorenz
Die Geschichte der Kirche beginnt mit einem Trauma: der Hinrichtung Jesu in Jerusalem. Dort hin waren ihm seine Anhänger und Anhängerinnen in der Erwartung gefolgt, er werde sich in der Hauptstadt als Messias erweisen, der neue König des jüdischen Volkes – gekommen, es von der römischen Herrschaft zu befreien. Doch die Römer hatten, weil er ihnen als Hochverräter erschien, kurzen Prozess mit ihm gemacht. Nun mussten, so schien es, die Jünger sich sagen: Wäre er der von Gott gesandte Messias gewesen, so hätte er nicht unter liegen können. Allein das konnte nicht das letzte Wort über ihn sein. Zu vielfältig meldeten sich die Erinnerungen: sein Wanderleben ohne materielle Sicherung, seine liberale Art, die »Torah« – die in der Bibel überlieferte Verfassung des jüdischen Volkes – auszulegen, seine Erwartung des nahen Beginns eines Lebens in Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen – und die von ihm begangenen Heilungen – offenbar großenteils Spontanheilungen. Aus diesem seelischen Zwiespalt erwuchsen die Versuche, seinen Tod umzudeuten – bis dahin, dass er ihnen als das zentrale Heilsereignis erschien: das »Sühnopfer des neuen Bundes«. Im Zuge dieser Umdeutung entstanden die Vorstellungen, die man summarisch als den Antijudaismus der Kirche bezeichnet. Sein Kern und Hauptmotiv: »Die« Juden sind schuld am Tode Jesu; ihr Establishment: Priester und Pharisäer haben ihn verkannt; sie haben ihn als Rebell und Irrlehrer betrachtet und den Römern ausgeliefert. So wurden sie zum – wie immer auch bösen – Werkzeug im göttlichen Heilsplan, der auf die Versöhnung aller Menschen ausging. Und sehr bald in der Urkirche begann der Hang, ihre Haltung zu der des Judentums im ganzen zu verallgemeinern. Auf diese Weise entstanden die Motive des Antijudaismus: [1] Die Juden sind kollektiv, als solche, schuld am Tode Jesu. [2] Hochmütig verweisen sie auf ihren Ursprung und fühlen sich seinetwegen von Gott bevorzugt und dem Rest der Menschheit überlegen. [3] Sie hängen an einer geistlos-starren Auslegung ihres »Gesetzes«. Der erste Teil des Buches – »Ursprünge des christlichen Antijudaismus im Neuen Testament« – geht den im Neuen Testament vorhandenen Spuren dieser Motive nach: in der Apostelgeschichte, im Johannes-Evangelium, in den paulinischen Briefen. Im zweiten Teil des Buches – »Von Jesus« – werden diesem düsteren Eindruck zehn Studien über Texte aus dem Matthäus- und dem Markus -Evangelium gegenübergestellt, die zeigen, dass die Urkirche sich im Antijudaismus nicht erschöpfte, sondern in ihr andererseits die Erinnerung an die Art lebendig blieb, wie Jesus, im Judentum, als Jude gelebt, gedacht und gehandelt hatte.
Aktualisiert: 2019-01-22
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Werkstätten der Zukunft

Werkstätten der Zukunft von Blumentrath,  Hendrik, Wolf,  Burkhardt
Unsere Zukunft ist uns nicht gegeben, und eben so wenig haben wir sie selbst in der Hand. Vielmehr ist sie ein komplexes Fabrikat. ›Gemacht‹ und ›produziert‹ wird sie in jenen ›Werkstätten‹, an denen sich unser Handeln und Erwarten, unser Kalkül und unsere Phantasie tatsächlich ausrichtet: in Rechenzentren und Labors, in Planungsbüros oder Filmstudios, wo je eigene Erkenntnispraktiken und Techniken, wo strategische Interessen oder ästhetische Programme das Kommende gestalten und perspektivieren. Mit ökonomischer Prognostik und prädiktiven Gentests, klimatologischen Modellierungen und Big Data ist dabei die Gegenwart nicht nur immer stärker mit dem Vorausblick auf die Zukunft beschäftigt: Sie ist bereits selbst von den Effekten der Vorhersage möglicher Zukünfte durchdrungen. Letztlich sind es die Fiktionen der Zukunft, in denen unsere Gegenwart ihr eigenes Nicht-Wissen und ihre eigene Kontingenz reflektiert. Mit Beiträgen von: Aleida Assmann, Eva Horn, Bruno Latour, Thomas Lemke, Stefan M. Maul, Viktor Mayer-Schönberger, Kathrin Röggla und Joseph Vogl
Aktualisiert: 2018-11-01
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Psychoanalyse als Kulturarbeit

Psychoanalyse als Kulturarbeit von Ludin,  Josef H.
Die hier zusammengetragenen Texte des Autors aus den letzten zwanzig Jahren loten die Psycho analyse im Kern als eine Kulturarbeit aus. Mit diesem zunächst einmal nicht originärem analytischen Begriff wird der Bezug des Menschen zu seinem Umfeld und Ursprung verstanden, mit denen sich seine Konflikte und Krisen verweben. Dabei greift Ludin im Wesentlichen auf Schriften Freuds zurück und argumentiert einerseits entlang der nachfreudianischen institutionellen Diskurse und Konzepte der Psychoanalyse, aber andererseits auch jenseits davon. Der Autor verwendet einen erzählerischen Stil, den er als der klinischen Erfahrung entsprechend erachtet. Die persönlichen Erfahrungen als Psychoanalytiker zwischen zwei Ländern und sehr unterschiedlichen analytischen Kulturen [Frankreich / Deutschland] sind sein Ausgangs punkt. Ein erster Strang der Texte behandelt das Schicksal des Ödipalkomplexes, die Spuren der Erinnerung und ihrer Entstellungen, die Metapher des psychischen Exils [anhand der Tragödie »König Ödipus«] und der Emigration [anhand Freuds »Mann Moses und die monotheistische Religion«]. Den zweiten Teil bilden Texte über die psychoanalytische Technik, die Mäander der Übertragung, die für den Autor zentralen Themen des Narzissmus und der Sublimierung sowie Bemerkungen zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung und ihrer problematischen Institutionalisierung.
Aktualisiert: 2018-11-01
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Wenn dich dein Leben rechts überholt

Wenn dich dein Leben rechts überholt von Schneider,  Dieter
Die autobiografische Erzählung folgt zwei inhaltlichen Strängen, die in gegenseitiger Abhängigkeit stehen: Das Trauma vom Tod des Sohnes des Autors auf der einen und das Abenteuer, Afrika mit dem Motorrad zu durchqueren, auf der anderen Seite. Begegnungen, Eindrücke und Erfahrungen reparie-ren die innere Zerrissenheit. Neue Erkenntnisse verändern die Perspektive und führen ans Ziel der Reise: Kapstadt. Doch neben dem Erreichen des Kaps der Guten Hoffnung wurde aus einem Albtraum die Erfüllung eines Wunschtraums. Eingebettet ist die Erzählung in die Faszination und Schönheit ei­nes Kontinents, der ebenfalls auf der Suche nach seinem Gleichgewicht ist. »Nach meiner Heimkehr aus Kapstadt beglück-wün­schten mich viele zu der erfolgreichen Tour. Nur einer gratulierte mir nicht zum Ankommen, sondern zum Losfahren. Er hat mich verstanden.«
Aktualisiert: 2018-11-01
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Figurationen von Solidarität

Figurationen von Solidarität von Büttner,  Elisabeth, Metschl,  Viktoria
Spätestens ab 1962, dem Jahr seiner offiziellen Un­abhängigkeit, positioniert sich Algerien eindrücklich in einer Matrix anti-kolonialer Solidaritätspolitik. Das Kino, das schon während der Revolution (1957–1962) vom Herrschaftsinstrument zur widerständigen Waffe im Dienste der Dekolonisierung angeeignet und transformiert wurde, bleibt innerhalb dieser Netzwerke eine mobile Taktik, die den bewaffneten Kampf vertritt und mit einer radikal neuen Ästhetik beglei­tet. Diese Bewegungen des sogenannten »Dritten Kinos« zeichnen Figurationen der Grenzüberschreitung, von Algerien ausgehend zu anderen Nationen [u.a. Angola, Guinea-Bissau, Mozambique, Südafrika, Simbabwe], der radikalen »Dritten Welt« jenseits bloßer Rhetorik und My-stifizierung auf. In der vielschichtigen Gegenwart der Filmbilder hält sich die Notwendigkeit der darin gemachten Forderungen wach. Solidarität als Leitbegriff einer Anordnung von Kollektivität erfährt dann Wendungen, Entwendungen und revolutionäre Anwendungen mittels der Bildstrategien: kollektives Sprechen, Eingriff, Wiederaneignung, »neuer Rhythmus« [Frantz Fanon]. Diese radikale Inanspruchnahme der Bildapparate in Algerien ab den späten fünfziger Jahren erfindet und erschafft ein doppeltes Sehen von materialistischer Konkretion einerseits und grenzenloser Imagination andererseits, welches warnt vor »jedem Ausweg, der nicht Strich für Strich der Freiheit gleicht.« [Sarah Haidar] Der Text- und Bildband »Figurationen von Solidarität« versammelt Beiträge aus den Bereichen Wissenschaft, Musik, Film und graphischer Kunst, die Solidaritätsbegriffe und Konzepte von Gemeinschaft durch die Linse von Bildern in Bewegung hinterfragen. Die Programmatik des Dritten Kinos trifft auf die Kunst des Minoritär-Werdens, historisches Material wie sein Wissen davon auf gegenwärtige Sphären der Motiv-Zirkulation. Mit Beiträgen von Atef Botros Al Attar, Sudeep Dasgupta, Habiba Djahnine, Rima Djahnine, Rabah Donquishoot & Diaz [MBS], Daho Djerbal, Frantz Fanon [übersetzt von El Hadji Moustapha Diop], Reinhold Görling, Myassa Kraitt, Nawel Louerrad, Petra Löffler, Viktoria Metschl, Marc Rölli, Andreas Schmiedecker, Todd Shepard, Greg Thomas
Aktualisiert: 2019-06-04
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Über Christian Petzold

Über Christian Petzold von Brombach,  Ilka, Kaiser,  Tina
Christian Petzold ist einer der erfolgreichsten deutschen Filmemacher seiner Generation. Seine Filme erfahren national und international große Anerkennung. Erstmals widmet sich ein deutschsprachiger Band seinen Arbeiten aus filmwissenschaftlicher Perspektive. Dabei ist sein Werk aktueller denn je: In den letzten zwei Jahren fanden drei Retrospektiven zu Christian Petzold statt: 2016 im Rahmen des Filmfests München und im Österreichischen Filmmuseum Wien sowie 2017 im Pariser Centre Pompidou. Wurde Petzold bereits mit dem Deutschen Filmpreis 2001 für DIE INNERE SICHER­HEIT, spätestens aber mit dem Silbernen Bären 2012 für BARBARA von der Kritik viel beachtet, wird er mittlerweile von den filmkulturellen Institutionen als einer der wichtigsten Autoren im europäischen Filmkontext wahrgenommen. Zugleich steht sein jüngster Film, TRANSIT, kurz vor der Premiere. Ein guter Zeitpunkt also, um auf sein bisheriges Werk zurückzuschauen. Der Band versammelt Beiträge von Autoren aus der deutschsprachigen und internationalen Film­wissenschaft, die verschiedene theoretische Perspektiven auf sein Werk entwerfen: Wie haben die Filme die politischen und ökonomischen Veränderungen in Deutschland seit der Wende und im Zuge der neoliberalen wirtschaft­lichen Entwicklung reflektiert? Wie haben sie einem neuen europäischen Kino den Weg ge­ebnet, das gleichermaßen gegenwartsbezogen wie unkonventionell im Umgang mit dem gesam­ten Spektrum filmischen Erzählens verfährt? Welche Rolle spielen Bezüge auf das Genrekino, den Fernsehfilm und die Filmgeschichte in seinen Filmen? Und wie kommen sie immer wieder auf die deutsche Geschichte zurück? Petzolds Filme stoßen seit den 1990er Jahren Türen in die filmische Gegenwart auf – das Nachdenken über seine Filme bedeutet, über das heutige Kino zu reflektieren.
Aktualisiert: 2018-11-01
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Kino Arbeit Liebe

Kino Arbeit Liebe von Dewald,  Christian, Löffler,  Petra, Ries,  Marc
Elisabeth Büttner [1961–2016] hat das Kino stets als kollektiven Erfahrungs- und Möglichkeitsraum des Ich, als Raum der Affekte und der Erkenntnis gleichermaßen begriffen. Den Film schätzte sie wegen seiner Offenheit für große wie unscheinbare Ereignisse, für Widersprüche und Widerstände, für Gesten wie Phantome. Unaufhörlich war Büttner der Politik der Bilder und ihren Verknüpfungen auf der Spur; immer wieder hat sie darauf insistiert, dass Filme nicht nur Geschichten erzählen, sondern vielmehr Geschichte[n] haben und auf ihre Art machen. Die Räume und Zeiten des Kinos zu vervielfälti - gen und aufzufalten, um sich in ihnen zu bewegen und sich ihnen kritisch zu stellen, war ihr als persönliche Haltung ebenso wichtig wie als wissenschaftliche Praxis der Vermittlung – Theorie und Praxis des Films gehörten für Elisabeth Büttner auf ganz natürliche Weise zusammen. Dem Kino galt bis zuletzt ihre Liebe ebenso wie ihre unermüdliche Arbeit. Ihre Gedanken hat sie in Vorträgen, in kleineren und größeren Schriften sowie Büchern großzügig mitgeteilt. Der vorliegende Band versteht sich als Hommage,als experimenteller Parcours entlang der Arbeitszusammenhänge einer ebenso genauen wie sensiblen Forscherin und einer überaus engagierten wie selbstkritischen Denkerin. Eine Untersuchung ihrer Wege, die uns selber in Gang gesetzt haben.
Aktualisiert: 2018-11-01
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Aufschub

Aufschub von Krautkrämer,  Florian
Aufschub – das ist ein 40minütiger Film, den Harun Farocki 2007 aus 90 Minuten ungeschnittenem, stummem Filmmaterial zusammengestellt hat. Auf Befehl des Lagerkommandanten Gemmeker musste der deutsch-jüdische Fotograf Rudolf Breslauer im holländischen »Durch­gangslager« Westerbork 1944 den Alltag der Lager-Gefangenen dokumentieren, ihre Arbeit, ihre Freizeitaktivitäten – es sollte eine Art Imagefilm entstehen, der offiziellen Besuchern des Lagers vorgeführt werden sollte, um Arbeitseffizienz, Lagerorganisation und Häftlingssituation in günstigem Licht erscheinen zu lassen. Das Material gibt Bilder der Bäder, Küche, Wäscherei, Krankenhaus, Landwirtschaft zu sehen, aber auch zwei ankommende Züge und einen in die »Ar­beits­lager im Osten« [so die offizielle, camou­flierende Bezeichnung der Vernichtungslager] abfahrenden Zug: Die Bilder zeigen nicht das, was wir von einem Holocaust-Dokument erwarten, sondern lachende Menschen, entspannte Pause während der Feldarbeit, Gymnastik, Werk­stattarbeit, Bühnenshows, geschäftiges Treiben und Winkende auf dem Bahnsteig. All die Ge­sichter im Film zeigen uns heute eine fürchterliche Ambivalenz zwischen Hoffnung und dem Wissen, dass sie nicht zurückkehren werden – nämlich unserem nachgereichtem Wissen, weil wir wissen, wo diese Züge im Osten endeten. Farocki hat seine behutsame Montage im Stummen belassen und nur Zwischentitel eingefügt – um die Konzentration auf die Bilder zu lenken und das Grauenvolle der Deportation selbst sichtbar werden zu lassen: Jeden Dienstag ging ein Zug in Richtung Osten, und jeder der Insassen musste angst- und qualvoll Woche für Woche hoffen, dass der eigene Name beim Verlesen der Deportationsliste nicht fiel. Die Publikation beleuchtet in vier Texten unterschiedliche Aspekte des Konzentrationslagers, des Filmmaterials sowie von Harun Farockis Film AUFSCHUB. Die französische Historikerin Sylvie Lindeperg analysiert die Produktion von Breslauers Rohmaterial und seine Drehbedingungen, Axel Doßmann betrachtet AUFSCHUB vor dem Hintergrund historischer Gegebenheiten, und Florian Krautkrämer interpretiert ihn im Diskurs der Filme über die Shoah und der ›Darstellung des Unvorstellbaren‹. Der Wiederabdruck von Harun Farockis Text »Wie Opfer zeigen?« enthält seine eigenen Reflexionen zum Projekt.
Aktualisiert: 2018-11-01
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Oben: Publikationen von Vorwerk 8

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Weitere Verlage neben Vorwerk 8

Im Weiteren finden Sie Publikationen auf band-findr-de auch von folgenden Verlagen und Editionen:

Qualität bei Verlagen wie zum Beispiel bei Vorwerk 8

Wie die oben genannten Verlage legt auch Vorwerk 8 besonderes Augenmerk auf die inhaltliche Qualität der Veröffentlichungen. Für die Nutzer von buch-findr.de: Sie sind Leseratte oder Erstleser? Benötigen ein Sprachbuch oder möchten die Gedanken bei einem Roman schweifen lassen? Sie sind musikinteressiert oder suchen ein Kinderbuch? Viele Verlage mit ihren breit aufgestellten Sortimenten bieten für alle Lese- und Hör-Gelegenheiten das richtige Werk. Sie finden neben