In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kommt es in Europa zu einer umfassenden Veränderung der Literaturen wie der bildenden Kunst im Sinne klassizistischer Zeichensprache. Winckelmanns bekannte Neuentdeckung der klassischen Modelle als einer absoluten ästhetischen und ethischen Norm markiert nur die Spitze einer breiten internationalen Bewegung. Die in dem vorliegenden Band präsentierten Studien über analoge Entwicklungen in den einzelnen Ländern Europas zeigen die Breite dieser Bewegung eindrucksvoll auf. Dabei entsteht gleichsam ein Rasterbild, aus dem sich der Standort des deutschen Neoklassizismus bestimmen lässt. So wird z.B. im Vergleich mit Frankreichs politischem Klassikverständnis die Tendenz zur Ästhetisierung und Verinnerlichung, wie sie in Deutschland vorherrscht, klarer erkennbar. Rom und Sparta stehen hier exemplarisch gegen ein idealisiertes Griechentum. Propagandainstrument, moralische Anstalt, Kommerzfaktor - das Theater als jene Gattung, die am direktesten an die konkrete Wirklichkeit gebunden ist, antwortet entsprechend lebhafter auf die Bedürfnisse der Zeit. Im Schnittpunkt von Doktrin und Mode artikulieren sich kollektive Wunsch- und Leitbilder in ästhetischer Verkleidung. Die «Klassizismen» der europäischen Bühnen um 1800 bieten ein umfassendes Repertoire idealtypischer Inszenierungen der eigenen politischen und persönlichen Existenz in der Umbruchszeit zwischen Aufklärung und Romantik. Der vorliegenden Materialsammlung kommt deshalb nicht zuletzt die Aufgabe einer geschichtlichen Ortung des Terrains zu. Die übernationale Sehweise ist dazu angetan, den unterschiedlichen realpolitischen, psychologischen, ästhetischen, pädagogischen Traditionen der europäischen Kulturbereiche Rechnung zu tragen. Auf diesem Weg sollte es möglich sein, abgehobenes Denken in rein artistischen Kategorien einer fundierten sozialgeschichtlichen Kritik zu unterziehen.
Aktualisiert: 2019-12-19
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Im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert kehrt plötzlich, der bis dahin dominierenden Tradition zum Trotz, das längst überwunden geglaubte tragische Schicksal auf die Bühnen Europas zurück. Diese Wiederkehr, die sich zu einem Triumph auswächst, lässt sich sowohl für das literarisch ambitionierte wie für das volkstümliche Theater konstatieren. Eine Vielzahl von Texten und zahllose Dramen dokumentieren die Intensität und Macht der neuen Mode. Aus ihnen spricht zugleich die Faszination, die von der wiederaufgekommenen Schicksalsthematik um 1800 ausging.Die Historiker sehen in dieser erneuten Hinwendung zum Schicksal und zum Irrationalen seit langem ein Symptom für eine tiefere geistige und kulturelle Krise; eine Erschütterung, deren Verkettung mit den damaligen politischen und sozialen Umwälzungen mehr als wahrscheinlich ist. Keine der bisher vorgeschlagenen Deutungen dieses Sachverhalts konnte bislang jedoch ganz überzeugen. In den hier präsentierten Untersuchungen wird eine kritische, supranationale Sichtung des literarhistorischen Phänomens 'Schicksalsdrama' vorgenommen. Als Ausgangspunkt dienen dabei mehrere Studien zum philosophischen und ideologischen Hintergrund sowie zur literarischen Tradition. In vierzehn Beiträgen erfolgt eine genaue Betrachtung des Fatums in der 'Hochliteratur' und im eigentlichen, 'trivialen' Schicksalsdrama der Literaturen Europas. Der vorliegende Band versteht sich als Materialsammlung, auf deren Basis eine fundierte Überprüfung der Thesen zum europäischen Schicksalsdrama möglich wird.
Aktualisiert: 2019-12-19
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Trotz einer Vielzahl von Untersuchungen des in sich zusammenhängenden Komplexes aus L´art pour l´art, Décadence, Ästhetizismus, Fin de siècle etc. fehlt bis heute eine umfassende Untersuchung, die die Vorstellungen, Begriffe und Bilder samt dem wissenschafts- und geistesgeschichtlichen sowie gesellschaftlichen Kontext anhand zeitgenössischer, in erster Linie französischer, Quellen paradigmatisch aufbereitet. Sie wird hier, auf der Basis jahrzehntelanger Studien, vorgelegt.
Der Autor, Ancien Elève de l´École Normale Supérieure, Docteur des lettres (Sorbonne), beschloß seine Universitätslaufbahn als Professeur honoraire der Faculté des lettres in Strasbourg und Ordinarius für Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität München. Die Vertrautheit des Komparatisten mit anderen europäischen Literaturen gab ihm die Möglichkeit, gerade die Paradoxie des Phänomens von seinen Wurzeln her und in der historischen Entfaltung aufzuzeigen. Die Provokation bestand im 19. Jahrhundert darin, daß die bislang verschrienen Verfallsepochen - in primis die römische - als Quell absoluter Schönheit entdeckt wurden. Tradierte historische und ästhetische Topoi erfuhren einen grundlegenden Bedeutungswandel, oft in direkter Umkehrung der bisherigen Wertungen - so hat Flaubert Nero als den größten Dichter gepriesen, und Heine oder Mallarmé verklärten die "Teufelin" Herodias-Salome. Was in der Natur als gefährlich und häßlich gemieden worden war, Orte organischer Dekomposition wie etwa Sümpfe, reizte die Poeten zur Entwicklung einer Ästhetik des Verfalls, einer Dialektik von Schönheit und Morbidität. So wird das Treibhaus, wo hybride Natur und Künstlichkeit vereint sind, zur beliebten Metapher, und die "belles fièvres" aus den Lagunen Venedigs sorgen u.a bei D´Annunzio und Thomas Mann für körperliche wie seelische Verwirrung.
Doch folgte der Verklärung der Verfallssymptome unvermeidlich die ironische und parodistische Behandlung der nur kurze Zeit elitären, alsbald schon modisch trivialisierten Themen. Die schärfste Ablehnung der Verklärung des Verfalls ging dann jedoch mit medizinischen und politischen Implikationen einher. Die décadence geriet in die Nähe der zu bekämpfenden dégénérescence, der "Entartung" Nordaus und der Romanciers, die wie C. Mendès, Péladan, Rachilde, Lorrain usw. sich auf die Behandlung erotisch-pathologischer Fälle spezialisierten. Während aber um 1880 décadence sowie décadent zu Modewörtern wurden und auch außerhalb Frankreichs Anklang fanden, kehrten sich wichtige Autoren von der mit ihnen bezeichneten Tendenz ab. Huysmans, Bourget, Barrès fanden zurück zu den traditionellen katholisch-patriotischen Werten, während sich die Ausländer, die eine Zeitlang mit der Décadence kokettiert hatten - Wilde wie D´Annunzio, Nietzsche wie Hofmannsthal und Altenberg - jeder auf seine Weise um deren "Überwindung" bemühten. Ihre endgültige Verdammung erfuhr die décadence durch Leo Tolstoi.
Aktualisiert: 2021-12-21
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