Anlässlich des Domjubiläums 1018 / 2018 zeigte das Stadtarchiv Worms Ansichten des Wormser Doms aus Beständen seiner Graphischen Sammlung sowie aus Wormser Privatsammlungen. Die Auswahl enthält sowohl originale Zeichnungen als auch Gouachen, Aquarelle sowie Stahlstiche, Lithografien sowie andere Druckerzeugnisse, die im 19. Jahrhundert in einer Vielzahl von illustrierten Büchern erschienen. Die große Zeit der grafischen Ansichten endete schließlich mit der Ansichtskarte und der Fotografie.
Aktualisiert: 2018-11-17
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Beton ist heute allüberall zu finden und kaum ein neues Gebäude kommt ohne ihn aus. Aber immer noch haftet ihm ein zweifelhafter Ruf an. Kein Wunder, wenn er über viele Jahrzehnte strikt mit Natursteinverblendungen verdeckt wurde.
Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert setzte man in Europa zum Sprung in eine neue Epoche an, die von der aufblühenden Industrie und Technik gekennzeichnet war. Dafür waren neue kostengünstige und haltbare Baustoffe gesucht.
Opus caementitium, jenes antike, schon von Vitruv beschriebene Material, kam wieder in den Blickwinkel.
Eine Phalanx von Erfindern begann europaweit ihre Experimente, versuchte sich mit zum Teil abwegigen Rezepturen und Experimenten, die jedoch selten Beachtung fanden und meist so schnell vergessen waren wie das Betonboot von Lambot.
Das erste greifbare Ergebnis ist das Wohnhaus von François-Martin Lebrun, der in dem Dorf Marssac-sur-Tarn im Jahr 1829 das erste Wohnhaus aus Stampfbeton errichtete, das hier erstmals in Wort und Bild vorgestellt wird.
Einen erster Höhepunkt bildet zweifellos François Coignets béton aggloméré, von dem noch heute bedeutende Bauten in und um Paris zu finden sind.
Doch auch Coignets Stampfbeton sollte bald wieder von der Bühne verschwinden. Auch in Deutschland, wo es in den Jahren 1860-1870 ähnlich vereinzelte Versuche mit dieser Art Beton gab, blieb die Resonanz bescheiden.
Um 1880 gar sah es so aus, als ob mit Beton keine Zukunft zu bauen wäre. Dass sie dennoch kam, verdankt sich Joseph Monier und François Hennebique, die beide die Armierung, die Verbindung von Eisen und Beton, einführten.
Während Moniers Bedeutung mehr oder weniger darauf beruht, dass die deutsche Baufirma Wayss & Freytag an seinem Patent Interesse zeigte und die Idee perfektionieren konnte, gelang es Hennebique, einem der erstaunlichsten Marktstrategen, seine Methode global zu verwerten. Gesteuert von der Pariser Zentrale, bauten seine Konzessionäre weltweit.
Es war schließlich eine neue junge Generation von Architekten und Ingenieuren, die im neuen Eisenbeton jenen Baustoff erkannte, der ihren Vorstellungen entsprach und mit dem sich bis dahin utopische Formen verwirklichen ließen. Eisenbeton ermöglichte eine Reihe von Experimenten, die schließlich im 20. Jahrhundert zum Plattenbetonbau führten.
Wenig ist darüber bekannt, aber der Name Thomas Alva Edison lässt Erstaunliches vermuten. Eine ganze Siedlung von Gussbetonhäusern nach seinem Patent steht noch heute fast unbemerkt in Salindres in Südfrankreich.
Parallel zur Entwicklung des Eisenbetonbaus lässt sich ein anderes Phänomen verfolgen. Es ging dabei um einen Ersatz für den Mauerstein durch Beton. Erste Versuche in England, vor allem aber in den Vereinigten Staaten, verliefen erfolgreich, denn die neuen künstlichen Betonsteine ließen sich sehr einfach und billig herstellen. Erstaunlicherweise blieb die zu erwartende Erfolgsgeschichte in Europa aus.
Hingegen handelt der zweite Teil des Buches von einem ganzen Bündel von Möglichkeiten, die sich aus Beton und dem daraus entstandenen Kunststein entwickelten. Bereits im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts sind aus Beton hergestellte Bauelemente nachweisbar. Ein Blick auf die Produktion der französischen, deutschen und und englischen Zementfabrikanten zeigt, welche Vielfalt in deren Katalogen zu finden ist. Diese steigert sich im weiteren Verlauf des Jahrhunderts, bis schließlich ganze Hausfassaden in zeittypischen Formen aus Betonwerksteinen hergestellt wurden. Welche Eskapaden mit Beton möglich wurden, belegt das heute kaum mehr bekannte Werk von Alexandre Marcel, gefeierter Star der Pariser Weltausstellungen.
Beton war auch das Material erster Wahl, wenn naive Künstler ihre Träume verwirklichen wollten, wie der Briefträger Cheval es mit seinem Palais Idéal tat. Aber auch für ernsthafte Kunst konnte Beton genutzt werden.
Schließlich hielt Beton auch im Bereich der Gartenkunst seinen Einzug. Die großen Parkanlagen in Paris mit ihren Seen, Fontänen, Grotten und künstlichen Felsen hätten ohne ihn kaum angelegt werden können.
Deutsche Gärtner hielten mehr von der Materialgerechtigkeit und bestanden auf natürlichem Stein. Beton lehnten sie als Talmi ab. Doch auch hier bröckelte die Front, als Architekten das Terrain der Gartenkunst für sich beanspruchten. Im formalen Garten benutzten sie Beton.
Der württembergische Denkmalpfleger Eugen Gradmann schrieb 1910 in seinem Buch Heimatschutz und Landschaftspflege die für ihre Zeit erstaunlichen Sätze: „Der Betonbau soll sein Material und seine Entstehung zeigen und daraus seine Schmuckmittel, wenn er deren überhaupt bedarf, entwickeln. Ein Mittel der Flächenbelebung sind z. B. die Abdrücke der Schalbretter.“ Zehn Jahre später wurde seine Vison Wirklichkeit.
Aktualisiert: 2018-11-17
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