Astrid Hörr-Mann
Meine heutige Arbeit als Künstlerin speist sich aus zwei Quellen:
Zum einen folgte in jungen Jahren auf meine berufliche Tätigkeit als Zeichnerin eine Ausbildung zur Keramikerin mit Schwerpunkt Bildhauerei.
Zum anderen führte mein Interesse für kunsttherapeutische Methoden zu einer Ausbildung als Heilpraktikerin für Psychotherapie, mit großer Affinität zu fernöstlichen Meditationsformen.
Aus diesen beiden Quellen schöpfe ich meine Ideen und trete über die meditative Transzendenz in die künstlerische Auseinandersetzung mit existentiellen Themen.
Der Einfluss japanischer Tuschekünste ließ für mich das „Enso“(jap.; dt.: Kreis) in Verbindung mit dem „Hitsuzendo“(jap.; dt.: Pinsel-Zen-Weg) zum zentralen Thema werden. Beim Hitsuzendo entstehen aus der Meditation heraus kraftvolle Tuschespuren in einem dynamischen Prozess syn- chron zur Ausatmung: Der unmittelbare Ausdruck des Selbst in seiner momentanen Verfassung wird dabei spontan auf Papier geworfen. Diese Methode ist für mich eine Brücke zur Erkenntnis der unerreichbaren Perfektion und des ständigen Wandels.
Wichtige Komponente in meinem ENSO-Projekt, das vor einigen Jahren traditionell mit Tusche auf Reispapier begann, ist für mich heute die Arbeit mit Kupfer und Messing geworden.
Die Dreidimensionalität ist mein Ausdrucksmittel. Für meine Assemblagen nutze ich auch un- gewöhnliche Materialien und Gegenstände; einige Objekte schweben im Raum.
Meine Arbeit ist der Ausbruchsversuch aus dem Raum-Zeit-Gefängnis, in dem wir uns alle be- finden: es gibt keine Möglichkeit, Freiheit von Zeit und Raum zu erlangen.
….oder doch?