Gudrun Kenschner.
Performancefotos.
Ursula Meyer Rogge
Performancefotografien
Performancefotos nennt Gudrun Kenschner ihre einzelnen oder die Abfolge von Fotografien, die sie von ihren Performances aufgenommen hat oder von einem Assistenten hat aufnehmen lassen. Danach wird je eine Abfolge der Fotografien in Performancefotobüchern so zusammengestellt, dass sie nacheinander anzusehen sind.
Gudrun Kenschner ist, wie es in Performances fast immer die Regel ist, die einzige Person als Darstellerin oder Protagonistin ihrer Performances. Folgt man der Definition des Fremdwörterbuchs mit Performance als Vorführung, ist sie in diesem Sinne auch eine Ausführende.
Im Unterschied zu der Mehrzahl der Performer und Performerinnen tritt sie nicht vor Publikum auf, sondern handelt allein auf der quasi offenen Bühne der Stadt. Und ein weiterer wesentlicher Unterschied. Ihre Aktionen werden zu Bildern, in der Abfolge zu Szenenfotos im Sinn von Bildergeschichten, und die Betrachter damit zu Bildergeschichtenlesern.
Die Geschichten, die ich auch Schau-Spiele nennen könnte, entfalten sich allerdings auf eine seltsame Weise. Gewöhnlich basiert ein Schauspiel auf einer Textvorlage mit Personenangaben, in Rollenverteilung und entsprechenden Sprechpassagen. Dazu knappe oder ausführliche Angaben, wo das Ganze stattfindet. Schließlich nimmt ein Regisseur das Ganze in die Hand, besetzt die Rollen, zieht eine oder einen Kostümbildner hinzu und lässt am Schluss einen Bühnenbildner das Bühnenbild gestalten, beziehungsweise die Kulisse entwerfen.
Hier wird gewissermaßen das Pferd von hinten aufgezäumt. Die Künstlerin entdeckt zuerst ihr ‚Bühnenbild‘ als Ort des Geschehens, also ihrer Performance. Einen Ort voller Zeichen, Hinweise, sprechender Details, das ist wörtlich zu nehmen, und entwickelt zu ihnen überhaupt erst ihr Spiel. Und das heißt, nimmt die Zeichen und Hinweise auf wie Regieanweisungen, denen sie mit ihrer Kostümierung, den Requisiten, ihren Gesten und Haltungen auf ihre Weise nachgeht.
Der Text in diesem Fall bildet den Schluss. Als mäandernde Sprachgirlande.
Nicht ohne dramatische oder womöglich dramaturgische Einfühlung. Wie das so ist, wenn man auf rätselhafte, inkommensurable Performancefotografien stößt und sich ein Lichtlein anzündet für den Weg heraus aus dem Labyrinth.