Der Wimmersche Kanal

Der Wimmersche Kanal von Ruhland,  Gerhard
Über Jahrhunderte hinweg hatten die Passauer Fürstbischöfe kein Interesse an den ausgedehnten Wäldern um Lusen und Dreisessel. Doch das änderte sich, als die Städte wuchsen. Passau, aber vor allem Wien, benötigten nun Unmengen an Brennholz. Da begriffen die Bischöfe, dass man mit dem Holz des Nordwaldes Geschäfte machen könnte. Man triftete das Holz aus den Wolfsteiner Wäldern auf den Waldbächen und dann auf der Ilz nach Passau. Doch diese Trift barg erhebliche Probleme. Schließlich entstand eine Vision: Man könnte doch einen künstlichen Triftkanal anlegen, um das Holz aus der Lusengegend direkt und unter Umgehung der Ilz in die Donau zu flößen. Und so versuchte der tatkräftige Jakob Freiherr von Wimmer im Jahr 1805, diese Vision eines Triftkanals vom Reschbach zur Donau zu realisieren. Verschiedene dramatische Umstände brachten den kühnen Plan zum Scheitern. Die Relikte des nicht vollendeten Kanals sieht man noch heute. Sie fristen einen Dornröschenschlaf, aus dem man sie erwecken sollte.
Aktualisiert: 2022-04-21
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Die Ybbs

Die Ybbs von Wiesbauer,  Heinz
Die Ybbs wurde vom österreichischen Bildhauer Georg Raphael Donner für einen Brunnen in der Wiener Innenstadt als jugendliche Quellnymphe verewigt. Die übrigen Figuren des 1739 eingeweihten Kunstwerks verkörpern die Flüsse Enns, March und Traun. Im Gegensatz zur jugendlichen Erscheinung der Ybbs wird die Enns durch einen greisen Fährmann symbolisiert, die March durch eine ältere Frau und die Traun durch einen betagten Fischer. Tatsächlich ist die Ybbs im Vergleich zu den anderen Gewässern ein junger Fluss, der erst am Höhepunkt der Rißeiszeit vor etwa 140.000 Jahren seinen heutigen Lauf angenommen hat. Um seine Mündung von der Enns in die Donau zu verlagern, musste der Fluss die Kalkalpen und die Flyschzone durchbrechen. Dabei entstanden imposante Schluchten und im unteren Abschnitt eine weit verzweigte Wildflusslandschaft mit mächtigen Schotterfeldern. Entlang der Ybbs erstreckte sich eine bedeutende Kulturlandschaft mit einer bewegten Geschichte. Wer an den Ybbs-Ufern wandert, stößt vielerorts auf stumme Zeugen vergangener Nutzungen. Dazu zählen etwa die Reste der Holzrechen und Klausen, die zur Holztrift dienten, oder die Spuren ehemaliger Wasserkraftanlagen für die Hammerwerke, Schmieden und Schleifereien. Sie belegen, dass der Fluss über viele Jahrhunderte in unterschiedlicher Weise genutzt wurde und für den ökonomischen Aufschwung der Region verantwortlich war. Die Ybbs hat sich bereits im 16. Jahrhundert zu einer wichtigen Wirtschaftsachse der Eisenwurzen entwickelt, deren Zentrum der steirische Erzberg war. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg dieser Region war die dezentrale Eisenproduktion. Indem ein großes Gebiet an der Eisenverarbeitung beteiligt war, konnte auf die gesamten Holz- und Wasserkraftressourcen dieses Raums zurückgegriffen werden. Das vorindustrielle Berg- und Hüttenwesen war keineswegs umwelt- und ressourcenschonend. Für die Versorgung der rasch expandierenden Eisenproduktion mit Holzkohle mussten immer unwegsamere Gebiete abgeholzt werden, Kahlschläge in exponierten Lagen erhöhten die Gefahr von Lawinen und Muren. Die Gewässer wurden durch zahlreiche Wehranlagen und Triebwasserausleitungen der Eisen verarbeitenden Betriebe und Mühlen beeinträchtigt. Dazu kamen Klausen für die Holztrift und Schwellwehre für die Flößerei, die die Wasserführung der Ybbs künstlich verändert haben, sowie zahlreiche Uferverbauungen und Holzrechen. Der Fluss war einerseits Energiespender, Transportweg und Wirtschaftsader. Andererseits bedrohten seine Überflutungen die wirtschaftliche Existenz des Menschen. Das wassergebundene Gewerbe musste seine Betriebsstätten in unmittelbarer Flussnähe ansiedeln. Viele Objekte waren dadurch extrem gefährdet und mussten nach jedem größeren Hochwasser wieder neu aufgebaut werden. Oft genügten schon kleinere Ereignisse, um an den Fludern, Wasserrädern oder Gebäuden gravierende Schäden anzurichten. Die ältesten Dokumente über die Hochwasser der Ybbs stammen aus dem 15. Jahrhundert und zeigen, wie die Schäden im Bereich von Waidhofen beseitigt wurden: Alle Einwohner im Umkreis von drei Meilen mussten sich unter Androhung harter Strafen an den Arbeiten beteiligen. Hochwasser waren in der weiter zurückliegenden Vergangenheit nichts Außergewöhnliches. Der Mensch nutzte den Fluss und stellte sich folglich auf die Gefahren des Flusses ein. Einen weiteren Schwerpunkt des Buches bildet die Geschichte des Wasserbaus. Für die Wildflusslandschaft der Ybbs lässt sich die Entwicklung der Regulierungsmaßnahmen anhand zahlreicher Pläne und schriftlicher Quellen eindrucksvoll illustrieren. Die Unterlagen geben einen guten Einblick in die massiven wasserbaulichen Probleme, die trotz aufwendiger Eingriffe über viele Jahrzehnte nicht abnahmen. Der frühe Wasserbau an der Ybbs orientierte sich am Planungsideal der „Gewässerkorrektion“: Das verzweigte und somit „verwilderte“ Flussbett sollte „korrigiert“, d.h. auf einen Hauptarm eingeengt und begradigt werden. Ziel der Verbauungen war es, der Flusslandschaft neues Kulturland abzuringen und künftige Flussbettverlagerungen zu unterbinden. Bei den Regulierungsmaßnahmen im 20. Jahrhundert spielte der Hochwasserschutz eine immer wichtigere Rolle. So war es durch den technischen Fortschritt möglich, Siedlungen und technische Infrastruktur immer effektiver vor Hochwasser zu schützen. Der Schutz landwirtschaftlich genutzter Flächen hatte lange Zeit ebenfalls hohe Priorität. Die Regulierungsmaßnahmen haben die Flusslandschaft im Laufe der Jahrhunderte stark verändert: Das Gerinne ist heute zumeist nach einheitlichen Profilquerschnitten ausgebaut, die Ufer sind bis auf wenige Bereiche durch Längs- und Querwerke durchgängig gesichert. In jüngerer Zeit beschäftigten sich zahlreiche Wasserbauprojekte mit der Aufwertung des monotonen Gerinnes der unteren Ybbs, um die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Ziel war es, sowohl die gewässerökologische Situation zu verbessern als auch den notwendigen Hochwasserschutz für die angrenzenden Siedlungen sicherzustellen. Ein wichtiges Anliegen war es dabei, Barrieren für den Fischaufstieg zu beseitigen. Die Umsetzung der Revitalisierungsmaßnahmen wurde von der EU im Rahmen mehrerer LIFE-Projekte großzügig unterstützt. Der erfolgreiche Weg der gewässerökologischen Verbesserungen soll auch in der Zukunft fortgesetzt werden, um die Biodiversität zu erhalten und eine für den Menschen attraktive Flusslandschaft zu entwickeln.
Aktualisiert: 2021-09-22
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Die alten Holzknechte aus dem Zillertal

Die alten Holzknechte aus dem Zillertal von Aschenwald,  Josef, Reiter,  Martin
Josef Aschenwald erzählt aus seiner Zeit als Holzknecht. Damals, als die Holzarbeit noch ein „uriges Handwerk“ war. Doch als die Motorsägen den Wald eroberten, hängte er Hacke und Säge zumindest hauptberufl ich an die Wand und erfreute sich fortan als Berufsjäger der freien Natur. Wie die alten Holzknechte im Zillertal früher arbeiteten, wie sie lebten, vor allem aber wie Sepp Aschenwald persönlich die Zeit als Holzknecht verbrachte, erzählt er in diesem Buch. Martin Reiter beschreibt im Anhang kurz die Geschichte des Waldes und der Waldwirtschaft im Zillertal – von der Römerzeit über die Bergbauzeit im Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Buch besticht vor allem durch das umfangreiche Bildmaterial aus früherer Zeit. So wird die Holzknechtarbeit für die Leser noch einmal lebendig.
Aktualisiert: 2020-11-10
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