Idee Gemeinschaftsschule von Beichel,  Johann J.

Idee Gemeinschaftsschule

Südweststaatliche Reformimpulse, Bildungstheoretische Flankierungen, Schulorganisatorische Empfehlungen, Forschungsergebnisse zur Erkennung der Lehrerberufseignung

Mit dem Modell der Gemeinschaftsschule (GMS) in Baden Württemberg haben Schülerinnen und Schüler ab dem Schuljahr 2012/2013 erstmals die Chance, in einer Ganztagsschule auch nach dem vierten Schuljahr länger gemeinsamen zu lernen – zumindest in den 42 sogenannten Starterschulen, denen im Sommer 2013 weitere GMS folgen werden.
Darüber hinaus sind eine Reihe von Neuerungen vorgesehen, von denen erwartet wird, dass sie auf der Grundlage einer veränderten Schulkultur, mit einem modernen Lernbegriff, einem intensivierten Miteinander und neuen Rücksichten aufeinander eine Steigerung der Lernmotivation und Anstrengungsbereitschaft, nachhaltige Lern- und Interessenszuwächse, die Entfaltung schöpferischer Kräfte und Gestaltungsfreude, forschende Neugier etc. auf Seiten der Schüler begünstigen werden.
Soll dieses gelingen, so bedarf es Lehrpersonen in den Gemeinschaftsschulen, die fachlich wie erzieherisch dazu befähigt und bereit sind, den erforderlichen Aufwand zu investieren, den die Diversität der Schüler hinsichtlich unterschiedlicher Potentiale und Interessen mit sich bringt.
Deshalb steht jetzt an, die normativen Vorgaben, Erwartungen und Versprechungen aus der Bil-dungspolitik mit kritischem Anspruch bildungstheoretisch zu flankieren, und zwar mit dem erklär-ten Ziel, den Erfolg dieser neuen Schulart zu sichern.

Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der vormaligen Universität Karlsruhe, bemüht sich am Institut für Berufs- und Allgemeine Pädagogik ein Forscherteam um Johann J. Beichel um Ant-worten auf folgende Fragen:
¦ Welches unterrichtliche und erzieherische Lehrerhandeln wird in der GMS für die Schülerinnen und Schüler bildungsförderlich sein?
¦ Wie ist die spezifische Berufseignung der Lehrpersonen für die Gemeinschaftsschulen zu beschreiben und evaluatorisch zu erfassen?
¦ Wie kann eine verstärkte und Kunstsparten übergreifende Ästhetische Erziehung in der GMS das Wollen, das Sich-Trauen, Wahrnehmungsfähigkeiten und Gestaltungspotentiale, die Empfindsamkeit und Vorstellungskraft der Schüler steigern?

Daraus resultieren folgende Schwerpunkte für die GMS-Begleitforschung am KIT:
Normative Vorgaben und subjektive Leitbilder bedürfen differenzierter Kritik und intersubjektiver Verständigung mit einer vor-empirischen systematischen Forschungsmethodik in den Fachgebieten der Allgemeinen Pädagogik und Bildungsphilosophie.

Damit sich bei Schülerinnen und Schülern in der GMS oberhalb aller Wissensvermittlung und Erziehung auch Bildung ereignen kann, ist eine Ästhetische Bildungstheorie für das Wahrnehmen und Gestalten in der Unterrichts- und Erziehungspraxis zu entwerfen und zu begründen.

Darüber hinaus muss die Eignungsforschung für den Lehrerberuf in der GMS einschließlich der Evaluationsforschung in pädagogisch-juristischer Kooperation erfolgen, und zwar zur Klärung von Lehrerprüfungsmodellen bezüglich deren Validität und Rechtskonformität.

Zu diesen Themen kommen ausgewiesene und erfahrene Experten zu Wort: aus den Geisteswissenschaften, der Lehrerforschung, aus Kultusadministration und Schule sowie von einem Kommunalen Spitzenverband.

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