Marx interkulturell

Marx interkulturell von Allen,  Amy, Boteva-Richter,  Bianca, Dunaj,  L'ubomír, Graneß,  Anke, Landa,  Ivan, Metz,  Thaddeus, Nakata Steffensen,  Kenn, Örnek,  Yusuf, Saal,  Britta, Shorny,  Michael
Bianca Boteva-Richter und Ľubomír Dunaj (Herausgeber:innen) Marx interkulturell Einleitung Gerade jetzt über historische oder zeitgenössische Rezeptionen bzw. Weiterführungen der marxschen Theorie in verschiedenen Teilen der Welt zu forschen, mag vielleicht etwas erstaunen oder gar als unpassend empfunden werden. Denn trotz vieler Versuche, nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008–2009 in mehreren westlichen Ländern, den Marxismus wieder lebendig zu machen, kann heutzutage (oft aus guten Gründen) eher ein Abflauen des allgemeinen Interesses an »revolutionären Problemlösungen« festgestellt werden. Es kann zugleich kaum die Rede davon sein, dass die marxistischen Gedanken in den letzten Jahrzehnten in der nicht-westlichen Welt große Konjuktur erlebt hätten, eher im Gegenteil; der globale Kapitalismus in seiner neoliberalen Ausformung erobert weite Teile der Welt. Es ist ebenso nicht leicht abzuschätzen, ob in den Staaten, die sich offiziell immer noch auf die marxschen Lehre beziehen, wie etwa China, Vietnam oder Kuba, die Beziehung zwischen den regierenden Parteien und den marxschen Gedanken noch authentisch genannt werden kann. Dennoch sind die geschichtlichen Wege des Marxismus, sowie die Relevanz bestimmter marxscher Ideen immer noch von ungebrochener Aktualität und Intensität. Hinzu kommt eine spannende, aber zugleich oft grausame Faktizität, die mit bestimmten Ländern und Gesellschaften verbunden ist: Befinden sich doch derzeit zwei der Nachfolgerstaaten der ehemaligen Sowjetunion – Russland und Ukraine – im Krieg. Das sind gerade eben jene Staaten, die früher als Ideenanwender des Marxismus-Leninismus und somit als ein gescheiterter Versuch gelten, ein humanistisches Projekt zu realisieren. Es könnte zwar hier eingewandt werden, dass der heutige Krieg nichts damit zu tun hätte bzw. dass die Probleme bereits ganz zu Anfang an der »Ehe« zwischen dem Marxismus und den älteren russischen imperialen Tradi­tionen, festgemacht werden könnten. [Fußnote 1: Die Komplexität der heutigen Geoproblematik kann und soll in dieser Einleitung nicht zur Gänze erörtert werden. Die Hinweise dienen vielmehr als Reflexionsanregungen. Mehr zur komplexen Beziehung zwischen dem Marxismus und den russichen kulturellen, politischen und philosophischen Traditionen siehe u.a. Arnason, Johann P.: The Future That Failed. Origins and Destinies of the Soviet Model. New York: Routledge 1993.] Oder aber auch, dass die Periode der Perestrojka, die als ein »chaotischer und naiver Versuch« die Sowjetunion zu reformieren, als Initiation dessen vermutet werden sollte. Wer weiß. So oder so, mit dem enormen Einfluss auf die Weltgeschichte, den der Marxismus in fast zwei Jahrhunderten ausgeübt hat, ist es unausweichlich geworden, diese Philosophierichtung, ihre Vertreter:innen, sowie ihre unterschiedlichen methodischen Ableger, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Aus diesen Gründen wird hier ein bescheidener Exkurs in vier Weltregionen unternommen, der einen kurzen Umriss und eine Skizze, aber keine allumfassende Diagnose des Phänomens Marxismus anbieten will. Dies zu tun ist jenseits der o. g. Gründen aber auch deshalb wichtig, weil ein humanistisches Projekt eben ein humanistisches Projekt ist, trotz gescheiterter Versuche, es in die Realität umzusetzen. Oder gerade deswegen. Unser Bemühen, marxsches Denken, seine Rezeption sowie Weiterentwicklung in einigen Teilen der Welt abzubilden, soll zeigen, dass es sich lohnt, immer noch und immer wieder die Ideen von sozialer Gleichheit, gerechten Produktionsbedingungen, ja vom Menschen an sich in unterschiedlichen Denkmodi und unter Bezugnahme außereuro­päischer Modelle nachzuzeichnen. Unsere Polylog-Ausgabe beginnt mit einem Beitrag, der marxsches Denken in Richtung race und Klasse weiterführt und somit der von eini­gen dekolonialen Theoretiker:innen kritisierten Indifferenz der marxschen Theorie zu widersprechen versucht. Amy Allen untersucht einen Text des afro-amerikanischen Theoretikers DuBois, der durch »die Umdeutung der Sklavenbefreiung in eine (vorübergehend) erfolgreiche Arbeiterrevolution die Marx’sche Geschichtsphilosophie ins Wanken [bringt], insbesondere die Auffassung, dass der historische Wandel durch die ambivalente, krisenhafte und widersprüchliche, aber dennoch fortschrittliche Entwicklung und Expansion der Produktionskräfte angetrieben wird«. Durch diese Umdeutung und durch die Analyse der Verbindung zwischen Fortschritt, Arbeiteraufstand und Aufstand der Sklav:innen wird die Behauptung von Marx, dass nur der industrielle Fortschritt und und die damit einhergehende schlechte und ausbeuterische Arbeitsbedingungen einen Arbeiter:innenaufstand initiieren und einen Systemwechsel herbeirufen können, widerlegt. Denn Fortschritt ist nicht gleich Fortschritt, und der Aufschrei gegen die Ausbeutung ist nicht a-kulturell, da hat sich nicht nur der junge Marx geirrt. Später, als »Marx ein entschiedener und lautstarker Befürworter der Sklaven­emanzipation« wird, untersucht die Autorin, ob das marx­sche Denken ein »kritische[s] Bewusstsein für die Unmenschlichkeit, Brutalität und Ungerechtigkeit der Sklaverei und deren zentrale Rolle bei der Entstehung des Kapitalismus letztlich mit Marx’ zutiefst ambivalenter und doch entschieden am Fortschritt orientierten Lesart der Geschichte« schaffen kann. Darüber hinaus zeigt die Autorin auf, dass »DuBois’ Black Reconstruction als ein innovatives Beispiel der marxistischen Tradition [gedeutet werden kann, da] DuBois’ Werk diese Tradition radikal von innen heraus [transformiert], indem die Sklaverei in den Mittelpunkt der Entstehungsgeschichte des Kapitalismus gestellt wird. Auf diese Weise bietet er uns ein hilfreiches Modell, um die Kapitalismuskritik von der Marx’schen Geschichtstheorie mit ihrem noch fortbestehenden Eurozentrismus und Fortschrittsdenken abzulösen«. Neue Lesearten marxschen Denkens bietet auch der historisch reflektierte Beitrag von Ivan Landa; er bietet etwas, was uns bekannt erscheint, und doch so ferne liegt: eine mitteleuropäische Introspektion in die äußerst kreative Entwicklung marxschen Denkens, die die Verschränkung von Marxismus und Christentum im tschechischen Denken aufzeigt und gar neue denkerische Kraft im negativen Platonismus, im emanzipatorischen Platonismus, im nichtreligiösen/sekulären Christentum und vielen anderen Richtungen entfaltete. Die dabei entstandenen »Debatten, z. B. über Imagination, menschliche Kreativität, Revolution, Kultur, Moral oder den Sinn des Lebens« wurden durch die Verschränkung von Theismus und Atheismus stark beeinflusst. Denn »Marx verstand [zwar] Religion primär als kritische Reaktion der Menschen auf die herrschenden sozialen Verhältnisse und zugleich als Ausdruck des Bedürfnisses, eine bessere soziale Ordnung zu errichten« doch gerade seine Feststellung »Religion sei Opium des Volkes« trieb Reflexionen und Debatten voran, die ihresgleichen suchen: die Verortung der Religion in einer sozialistischen Gesellschaft, das herbeigesehnte »natürliche« Absterben der ersten, sowie der scheinbar »selbstverständliche« Triumph der letzteren wurden von der sozialen Entwicklung mehrmals überholt und infrage gestellt. Das trieb die Denker:innen voran und zwang sie zu philosophischen Erklärungen der Wirklichkeit, wobei »[d]ie Hauptfrage […] jedoch dieselbe [blieb]: Wie ist es nach der sozialen Revolution überhaupt möglich, dass die Religion dem Absterben derart trotzen kann? Eine damals weitverbreitete Antwort lässt darauf schließen, dass die Tendenz, den sozialen Verhältnissen hinterherzuhinken, für das soziale Bewusstsein charakteristisch ist. Religion überlebt, weil die Strukturen des religiösen Bewusstseins der sozialen Veränderung widerstehen.« Um jedoch auf die Feststellung zu Anfang der Einleitung zurückzukommen, dass das Marxistische oder marxsche Denken nicht nur unterschiedliche Realitäten, gescheiterte faktische Versuche und Neuanfänge überlebt hat, kann festgestellt werden, dass die Rezeption und die Weiterentwicklung in vielen Teilen der Welt Gemeinsamkeiten aufweisen, aber auch kulturell unterschiedlich sind; sie werden zudem durch die kulturellen Aspekte und Praktiken des jeweils Anderen bereichert und erneuert. Der Artikel über die marxsche philosophische Anthropologie des japanischen Denkers Miki Kiyoshi kann in dieser Hinsicht exem­plarisch angeführt werden. Dabei geht es nicht nur darum einen neuen Typus von Menschen als Arbeiterakteur:in vorzustellen, denn »Mikis ›marxsche Anthropologie‹ stützte sich auf den frühen Marx, um die Entstehung des subjektiven Bewusstseins und die Transformationsprozesse der Ideologie im Dialog mit der Kyoto-Schule und der nichtmarxistischen, vor allem deutschen Philosophie zu erklären.« Der Versuch war und ist nicht unumstritten, forderte er doch das damalig dialektisch vereinfachte Denken durch eine tiefe sensible Analyse des menschlichen Daseins aus marx­scher Perspektive heraus. Erstaunlich, und auch beängstigend ist, dass das schwarz-weiß plakative Denken von damals genauso wie heute in einfachen Parabeln reflektiert wird. Dies führt dazu, dass die Tableaus kippen und linke Protagonisten mühelos ins Rechte Eck wechseln. Die Situation, die der Autor Kenn Nakata Steffensen bildlich beschreibt, könnte direkt auf die heutige Situation in Russland bzw. der dortigen Politik umgelegt werden. Dieser Artikel ist insofern interessant, als es im deutschsprachigen Raum noch keinen derart ausführlichen und reflektierten Artikel über den japanischen Denker Miki gibt. Der letzte Beitrag in der Marx-Nummer unserer Zeitschrift Polylog vergleicht Marx’ normative Vorstellungen vom menschlichen Wesen, insbesondere aus dessen frühen Schriften, mit typischen Merkmalen einer afrikanischen Ethik, wie sie von afrikanischen Philosoph:innen der Gegenwart konzipiert wird. Bemerkenswert dabei ist, dass auch aus afrikanischer denkerischer Sicht von einem extendierten relationalen Subjekt ausgegangen wird, in dem das Ich mit dem Wir verwoben ist. Dies ähnelt (und das sagt auch der Autor selbst) nicht nur einer aristotelischen sondern auch konfuzianistischen Tradition, die ihrerseits auch im Artikel über den japanischen Marxismus eine Rolle spielt. Im subsaharischen Afrika wird diese These als ein Konzept der Selbstverwirklichung oder als Möglichkeit, eine vollständige Person zu werden, behandelt. Afrikanische Werte gehen vom erweiterten Verständnis des Selbst aus und definieren in weiterer Folge, was »Freundschaft«, »Harmonie«, »Zusammenhalt« und »Kommunalität« bedeuten. Die Gemeinschaft, ein wichtiges Konstrukt marxschen Denkens, bekommt somit eine neue Nuance, über die es sich zu reflektieren lohnt. Denn »von jedem Mitglied wird erwartet, dass es sich als integraler Bestandteil des Ganzen betrachtet und eine angemessene Rolle spielt, um das Wohl aller zu erreichen.« Zum Schluss sei nur erwähnt, dass wir uns wohl bewusst sind, nur einen kurzen Umriss marxschen Denkens, der Rezeption oder Weiterführung in unterschiedlichen Teilen der Welt aufgezeigt zu haben. Es gibt zahlreiche Werke [Fußnote 2: Z. B. Fornet-Betancourt, Rául: Ein anderer Marxis­mus? Die philosophische Rezeption des Marxismus in Lateinamerika. Mainz: Grünewald Verlag 1994 und viele andere., die exemplarisch aufzeigen wie komplex, tiefgreifend und kontinuierlich beispielsweise die Rezeption marxschen Denkens in den verschiedenen Ländern Lateinamerikas ist. Aber das ist eine andere Geschichte, die aufgrund der ungeheuren Fülle, gesondert erzählt werden muss. Viel Freude beim Lesen!
Aktualisiert: 2022-09-01
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«inter»

«inter» von Baatz,  Ursula, Boteva-Richter,  Bianca, Imafidon,  Elvis, Kutlu,  Evrim, Roothaan,  Angela, Saal,  Britta, Shorny,  Michael, Wang,  Xu, Weidtmann,  Niels, Zschauer,  Anna
polylog 40 Winter 2018 »inter« B. Saal & B. Boteva-Richter Einleitung Niels Weidtmann Das »Zwischen« als der Ort wahrer Wirklichkeit Ein Plädoyer für das »Inter« in der Interkulturalität Elvis Imafidon Zwischen den Zutaten und dem Gericht als solchem: Philosophie an Orten und darüber hinaus Anna Zschauer »inter« als aisthetische Qualität Xu Wang Das Umdenken des Interpersonellen – Zhāng Zàis Konzeption des Qì (氣) Angela Roothaan Interkulturell, transkulturell, cross-cultural – warum wir alle drei Begriffe brauchen FORUM Evrim Kutlu Solidarität, Ausgleich und kosmopolitische Weltphilosophie nach Max Scheler Ursula Baatz Zu Raimon Panikkars hunderstem Geburtstag. Nr. 40 S. 97-98. REZENSIONEN Mădălina Diaconu Transkulturalität: eine Einführung . Zu: Wolfgang Welsch: Transkulturalität. Realität – Geschichte – Aufgabe. Nr. 40 S. 99-101. Franz Gmainer-Pranzl »Zur Welt kommen, einen Ort finden, sich positionieren …« Zu: Murat Ates, James Garrison, Georg Stenger, Franz Martin Wimmer (Hrsg.): Orte des Denkens – Places of Thinking. Nr. 40 S. 101-03. Mădălina Diaconu Gibt es eine kulturelle Identität? Zu: François Jullien: Es gibt keine kulturelle Identität. Nr. 40 S. 104-07. Andrzej Gniazdowski Philosophische Sterne und unsichtbares Selbst Zu: Bianca Boteva-Richter (Hrsg.): Gegenwartsphilosophie aus Ost-Europa. Nr. 40 S. 107-16. Philipp Thull Kampfplätze des Denkens statt Kampf der Kulturen Zu: Hamid Reza Yousefi: Kampfplätze des Denkens. Nr. 40 S. 117-18.
Aktualisiert: 2020-12-31
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Der Methodentransfer nach Watsuji Tetsuro

Der Methodentransfer nach Watsuji Tetsuro von Boteva-Richter,  Bianca
Der Methodentransfer nach Watsuji Tetsuro stellt eine neue interkulturelle Methodik dar, die eine weitere Antwort auf die Probleme der interkuitu reiten Philosophie sucht. Als asiatisch-abendländische Hermeneutik in einem dialektischen Dreierschritt ausgeführt, tritt sie aus den methodischen Ursprungsorten hinaus und bietet eine weitere, kulturübergreifende Nutzung an. Der Methodentransfer weist nicht nur eine abendländische Ausgangs-These und abendländisch-asiatische Synthese auf, sondern vollführt als dritten methodischen Schritt eine Rückanwendung der synthetisch neu erarbeiteten Begriffe auf die Ausgangsposition bzw. auf die abendländische Ausgangsthese. Durch den mehrfachen Perspektivenwechsel werden eine kritische Überprüfung sowohl der neu erarbeiteten synthetischen Begriffe, als auch eine Neudeutung der Ausgangsthese und ein neuer Blick auf das eigene und fremde Gedankengut ermöglicht. Dieses Buch stellt nicht nur den Denker Watsuji Tetsuro und die von ihm interkulturell agierende ethische Philosophie vor. Der Methodentransfer wird hier als neue interkulturetle Analytik erarbeitet und als ein weiteres philosophisches Werkzeug für das Arbeiten im interkulturellen Bereich vorgestellt.
Aktualisiert: 2020-01-01
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Interkulturelle Kompetenz

Interkulturelle Kompetenz von Bolten,  Jürgen, Boteva-Richter,  Bianca, Elberfeld,  Rolf, Gürses,  Hakan, Kroier,  Johann, Manoochehri,  Abbas, Schirilla,  Nausikaa, Shorny,  Michael
Bianca Boteva-Richter, Nausikaa Schirilla Einleitung Interkulturelle Kompetenz Interkulturelle Kompetenz wird in vielen Disziplinen diskutiert und die Spannbreite dessen, was unter dem Begriff und den damit verbundenen Strategien und Ansätzen verstanden wird, ist entsprechend groß: Während eine klassische Definition interkultureller Kompetenz diese im Kontext von interkulturellen Überschneidungssituationen, von auf kulturelle Differenz zurückgeführten Konflikten oder generell mit dem Umgang mit Fremdheit denkt, wird für andere Selbstreflexion und Machtkritik im Kontext von Ethnozentrismus und Rassismus zur zentralen Herausforderung auf diesem Gebiet. Aus philosophischer Sicht stellen sich einige wichtige Fragen hinsichtlich der Grundannahmen und Grundlagen dieses zurzeit sehr populären Konzeptes. Diese betreffen sowohl den Kompetenzbegriff als auch den Kulturbegriff oder bereits den Ansatz der Frage nach dem »Kulturellen«, die Wahrnehmung von Differenzen und die in ihnen potenziell enthaltenen Normierungen und Machtverhältnisse, die Frage nach den Eigenen und Anderen und nach dem Verstehen. Die Frage nach dem »Fremden« kann als Frage nach Wahrnehmungs- und Ordnungssystemen auf das Eigene zurückwerfen, im Sprechen über »Andere« können sich aber auch neue Strategien des »Othering« und der Diskursdominanz (wer spricht für und über wen?) entwickeln. Zugleich ist die Einseitigkeit des Konzepts Interkulturelle Kompetenz zu kritisieren. Bei Menschen, die zu uns, aus einem – von uns aus gesehenen – Ausland, kommen, wird interkulturelle Kompetenz als durch den Umzug angeeignet bzw. bereits vorhanden vorausgesetzt. Für Andere wiederum, die in ein–von uns aus gesehenen–Ausland fahren, um dort zu arbeiten oder eine Zeitlang zu leben, werden Kurse über sogenannte kulturelle Eigenschaften des anvisierten Landes angeboten. Interkulturelle Kompetenz hat auch mit einem starken Innen-Außen-Bild zu tun, und es werden gemäß dieser Einteilung Menschen bestimmte Fähigkeit ab- oder zugesprochen. Doch sind die Innen-Außen-Grenzen durchlässig, und wer darüber bestimmt, was das Innen und Außen ausmacht, ist immer noch eine Frage der Macht. Wer Macht hat, hat das Sagen, und bestimmt auch darüber, was das Innere einer Kultur, und dementsprechend deren Außen, ausmacht. So wird auch darüber entschieden, wer zu einer Mehrheitskultur dazugehört, wer darüber hinaus interkulturelle Kompetenz besitzt, wer diese braucht und wer Kurse zur In(ter)kulturalisierung erhält, dies sind in der Regel Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft. Zugewanderte erhalten Kurse zur Werteorientierung und Leitkultur. In diesem Band, der auf eine Tagung von polylog, der Wiener Gesellschaft für Interkulturelle Philosophie (WiGiP), der Universität Wien und dem Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK) in Februar 2015 zurückgeht, haben wir versucht, den Fragen nach Innen und Außen, Selbst und Fremdbild, Macht und Machtstrukturen innerhalb des Themenkomplexes der Interkulturallen Kompetenz nachzugehen. Im ersten Beitrag von Jürgen Bolten geht es um eine allgemeine kritische Einführung in die Problematik der Interkulturellen Kompetenz. Er plädiert für ganzheitliche Art interkultureller Kompetenzvermittlung, in der sich nicht um die zu bestimmenden Grundlagen gestritten wird, sondern intradisziplinär agiert wird. Als Grund hierfür nennt Bolten vor allem die Kontextabhängigkeit interkulturellen Handelns und expliziert je nach Akteursfeld und insbesondere je nach dem situativen Beziehungsgeschehen verschiedene Bedingungen interkulturell kompetenten Handelns. Zentral an seinem Ansatz ist ein relationales Denken, das »Mehrwertigkeit«, »Unschärfe« und »Perspektivenreflexivität« in den Vordergrund stellt. Zum Selbst- und Fremdbild, bzw. der Frage, wie man sich fühlt und agiert, wenn man seinen angestammten Kulturraum verlässt, um in die Fremde zu ziehen, äußert sich der Philosoph Rolf Elberfeld. Wie erkennt bzw. vermeidet man Konflikte, und wie kann man an sich selbst arbeiten (sich selbst kultivieren), um ein respektvolles und friedliches Miteinander zu erreichen. Mit Bezug auf Plato, Cicero, Pufendorf bis hin zum japanischen Philosophen Nishida argumentiert Elberfeld, dass man an der eigenen Selbstkompetenz arbeiten solle, bevor man sich für eine Fremdkompetenz qualifiziere. Die Selbstkultivierung, die ebenso die künstlerisch-wissenschaftliche Sphäre als auch den Gefühlsbereich umfasst, ist eine Notwendigkeit. Die Erweiterung der Selbstkompetenz dient also der Grundlegung von Fremdheitskompetenz, die der Autor angelehnt an die Arbeiten von Kristeva und Waldenfels, in uns selbst, schlussendlich als einen Teil unserer Selbstkompetenz ausmacht. Diese gilt es also zu entfalten, denn nur so kann ich feststellen dass »die Fremdheit nicht erst beim anderen Menschen beginnt, sondern in mir selbst, [und] so bezieht sich die Fremdheit auch nicht allein auf die Menschen anderer Kulturen, sondern auf jeden anderen Menschen, der mir begegnet.« Zum Schluss verweist Rolf Elberfeld auf die Frage nach unterschiedlichen Fremdheitskompetenzen im Rahmen verschiedener Kulturen. Von der eingangs angesprochenen Frage von Macht und Machtstrukturen handelt der Aufsatz des Autors Hakan Gürses. Er rekurriert auf »die Unzulänglichkeiten des Kultur-Begriffs«, die zu einer kulturalistischen Lesart von Texten führen, die auch Interkulturelle Konzepte miteinschließt. »Partikularismus versus Universalismus« sind zwei wichtige Schlagwörter, die den Umgang mit Kultur, kulturellen Texten bzw. kulturellen/interkulturellen Zugängen charakterisieren. Gürses zeigt zugleich im Rekurs auf Foucault und Gramsci, dass Hegemonie und Machtstrukturen aber nicht a-kulturell sind. Mit Gramscis Konzept von Führen und Herrschen thematisiert Gürses ideologische, nämlich kulturelle und ethische Aspekte von Führung, die nicht allein auf militärischer oder polizeilicher Stärke beruht. Er verweist weiter auf das Zusammenspiel von Individuum/individuellen Gruppen und der Gesellschaft/des Staats in einer Doppelperspektive von Zwang und Konsenses, Autorität und Hegemonie, Gewalt und Kultur. Gürses erweitert Gramscis Staatsbegriff durch das Konzept der società civile als Schauplatz der kulturellen Hegemonie und der Kulturalität, Kontingenz der Kultur sowie die Universalisierung als Strategie. Er betont die Verschränkung von Kultur und Gesellschaft, samt deren ineinander verstrickte Machtverhältnisse: Kultur ermöglicht also Herrschaft, indem scheinbar sie Ordnung stiftet und real partikular agiert. Doch wie kann man dieser Sackgasse entkommen, da doch das Kulturelle nicht abzustreifen ist, wie ein Mantel oder ein anderes Kleidungsstück? Hakan Gürses schlägt vor, »von Kulturalität zu lernen«. Denn nur indem Partikularität und Kontingenz im Kulturellen aufgezeigt werden, wird die ideologische Dimension der Universalisierung deutlich und Hegemoniekritik wird möglich, ohne eine Gegenhegemonie aufbauen zu müssen. Nausikaa Schirilla versucht wiederum die Bandbreite der Kontroversen zu Interkultureller Kompetenz abzustecken, eine neue hinzuzufügen und sie gleich wieder einzuschränken. Schirilla bezieht sich auf Interkulturelle Kompetenz im Zusammenhang von Einwanderungsdebatten und stellt die Frage des Zugangs von Zugewanderten als neuen Teilen der Gesellschaft zu öffentlichen Dienstleistungen wie z. B. Gesundheitsversorgung. Interkulturelle Kompetenz in Dienstleistungsfeldern und entsprechende organisationsbezogene Konzepte sollen den Zugang zu Versorgung verbessern. Sie übernimmt das Konzept der Zugangsgerechtigkeit aus sozialpolitischen Diskursen und argumentiert, dass, wenn Interkulturelle Kompetenz im Kontext von Zugangsgerechtigkeit gedacht wird, Fragen nach dem Eigenen und Fremden ihre Bedeutung verlieren und Fragen nach Normalität und Vielfalt in den Vordergrund rücken. In demokratischen Gesellschaften muss kulturelle Vielfalt im Kontext demokratischer Rechte gesehen werden und nicht von Toleranz und Verständnis – so das Schlussplädoyer. Mit diesen Beiträgen werden sehr unterschiedliche Facetten einer Debatte berührt, die es philosophisch noch zu führen gilt. Auch dieser Band krankt wie die gesamte Interkulturelle-Kompetenz-Debatte, dass sie sehr westlich oder von Europa dominiert geführt wird. Es war nicht möglich, Autor(inn)en aus anderen Teile der Erde zu finden, die im Rekurs auf dortige philosophische Traditionen zu Kontroversen über Interkulturelle Kompetenz beitragen hätten können. Diese Einseitigkeit kann auf Machtverhältnisse hinweisen oder darauf, dass das Bestreben, andere zu verstehen und kulturell konnotierte Störungspotentiale durch eine besondere Kompetenz meistern zu wollen, vielleicht doch ein koloniales Erbe darstellt – oder ein sehr partikulares Interesse? Trotz vieler Lücken hoffen wir, den Nexus von Kultur, Macht und Kompetenz in verschiedenen Annäherungen ausgestaltet zu haben.
Aktualisiert: 2020-12-31
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Übersetzen

Übersetzen von Amaladass,  Anand, Baatz,  Ursula, Boteva-Richter,  Bianca, Dussel,  Enrique, Fornet-Ponse,  Thomas, Gmainer-Pranzl,  Franz, Kaloianov,  Radostin, Oduwole,  Ebunoluwa O., Shorny,  Michael, Wimmer,  Franz Martin, Wiredu,  Kwasi
"Übersetzung" lautet das Thema der vorliegenden Nummer 24. Damit steht ein zentrales Problem interkulturellen Philosophierens im Mittelpunkt dieser Nummer. Denn Grundvoraussetzung für die Annäherung an und Auseinandersetzung mit Denktraditionen, Konzepten, Ideen, Diskussionen und Lösungsansätzen aus anderen Regionen der Welt ist ein sprachlicher Zugang - und damit das Übersetzen in eine von uns beherrschte Sprache. Der Akt des Übersetzens zieht sogleich eine ganze Reihe philosophischer und auch rein praktischer Probleme nach sich: Wie kann ein Begriff, ein Konzept, eine Idee aus einem anderen soziohistorischen, kulturellen, religiösen und sprachlichen Hintergrund vo vermittelt werden, dass einerseits möglichst wenig an Inhalt und Kontext verloren geht und andererseits trotzdem ein Verstehen, im Sinne eines Nachvollziehens, in meiner Sprache möglich ist? Wie kann vermieden werden, dass im Prozess der Übersetzung eine Übertragung der eigenen epistemologischen Voraussetzungen, der in unserer Sprache verankerten Denkstrukturen und Bilder, zu einer Verzerrung der zu übersetzenden Gedanken führt? Kann das überhaupt vermieden werden? Ist Übersetzung also überhaupt möglich oder nicht? Und ist der Prozess des Übersetzens, des Aneignens des Anderen nicht bereits wieder ein kolonisierender, unterdrückender Akt der Einverleibung und Anpassung des Anderen an das Eigene? Es ist uns eine große Freude mitzuteilen, dass Professor Wimmer im Oktober 2010 für seine Pionierarbeiten zur interkulturellen Philosophie mit dem "Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich" ausgezeichnet worden ist. Ein Beitrag dieser Nummer widmet sich den Leistungen Franz M. Wimmers. Das FORUM dieser Nummer enthält diesmal drei Beiträge: Enrique Dussel plädiert für die Anerkennung und Akzeptanz des Werts und der Geschichte aller regionalen philosophischen Traditionen auf der Erde und fordert, dass sich das auch in der philosophischen Lehre widerspiegeln sollte. Der Beitrag von Radostin Kaloianov beschäftigt sich mit der Debatte um den Begriff "Multikulturalismus", und Thomas Fornet-Ponse bringt uns das Denken von Xavier Zubiri und Ignacio Ellacuría näher. An den großen Vorreiter eines interkulturellen Philosophierens und eines interreligiösen Dialogs, Raimundo Panikkar, verstorben am 26. August 2010 im Alter von 98 Jahren, erinnert ein Nachruf von Anand Amaladass und Ursula Baatz.
Aktualisiert: 2020-12-31
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Migration

Migration von Abizadeh,  Arash, Adachi,  Nobuko, Boteva-Richter,  Bianca, Enz,  Peter, Ha,  Kien Nghi, Okeja,  Uchenna, Schirilla,  Nausikaa, Shorny,  Michael
Anfang Oktober 2013 wurde bekannt, dass mindestens 360 Flüchtlinge aus dem östlichen Afrika bei einem Bootsunglück vor der Insel Lampedusa ums Leben kamen, zwei Wochen später starben nach Informationen der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl über hundert Bootsflüchtlinge nahe der Insel Lesbos, dem Journalisten Francesco Gatti zufolge sind in den vergangenen 25 Jahren an den europäischen Grenzen mehr als 19?000 Menschen umgekommen. Im Dezember 2013 führte die EU ein neues Grenzüberwachungssystem ein, das es noch schwieriger machen wird, nach Europa zu gelangen. Anderseits sucht zumindest Deutschland dringend Fachkräfte in vielen Bereichen der Wirtschaft und der Pflege und wirbt in Fachkräfteallianzen um qualifizierte Zuwanderer. Es gibt ohne Zweifel den Versuch, Migration zu steuern, erwünschte Zuwanderung zu befördern und unerwünschte fernzuhalten. Welche philosophischen Fragen sind hier relevant? Was sagt die Philosophie zur Frage der Abschottung der Grenzen? Die Debatte des amerikanischen Liberalismus um offene Grenzen ist bis auf wenige Ausnahmen (Kirloskar-Steinbach 2008) im deutschsprachigen Raum wenig rezipiert worden. Erst 2012 wurde ein Klassiker dieser Debatte von Joseph Carens auf Deutsch übersetzt. (vgl. Cassee?/Goppel 2012, rezensiert in diesem Band). Migration war und ist ein 'Normalfall' in der Geschichte (Bade). Dennoch ist das Thema in den Medien oft als 'neu' präsent. Immer wieder geht es um Fragen der Integration und Parallelgesellschaften und Fragen der Werteorientierungen von Einheimischen und Zugewanderten. Aber sind Einheimische und Zugewanderte zu unterscheiden? In Österreich leben 10,2?% Personen mit ausländischem Pass. In Deutschland leben 19?% Menschen, die selbst oder von denen zumindest ein Elternteil nach Deutschland zugewandert ist, in großen Städten und Ballungsgebieten sind es zwischen 30 und 40?%, in manchen Altersstufen sind es dort über 50?%. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Migranten in Deutschland liegt bei 21 Jahren, Menschen, die so lange in einer Gesellschaft leben, sind weder fremd noch anders. Die sozialwissenschaftliche Migrationsforschung hat die Fragen nach Herkunftskulturen und ethnischen Differenzen als stets neu inszenierte Versuche, 'Andere' zu konstruieren, dekonstruiert. Welche philosophischen Fragen resultieren aus den genannten Entwicklungen? Was bedeutet es, zum Thema Migration interkulturell zu philosophieren? Welche philosophischen Traditionen können hier polylogisch zusammenfinden? Wir mussten feststellen, dass, während Themen wie Multikulturalismus und Kulturrelativismus durchaus in der Philosophie diskutiert werden, über Migration selbst wenig philosophiert wird. Obwohl Migration sehr eng mit dem menschlichen Dasein verknüpft ist, wird in der Philosophie wenig darüber geforscht. Wir haben uns entschieden, Migration als Akt des Migrierens zum Thema zu machen – in Bezug auf offene Grenzen, in Bezug auf globale Gerechtigkeit und in Bezug auf ethische Folgen der Migration. Einen weiteren Schwerpunkt des Themas bilden Fragen nach theoretischer Konzipierung von Ethnizität oder Identitäten in der Migration. Diese Polylognummer ist in ihrem Thementeil insofern untypisch, als fast alle ausgewählten Philosophen im Rahmen der klassischen westlichen Philosophie zu Migration argumentieren – dies war nicht unbedingt intendiert. Aber es wäre geradezu 'unpolylogisch', hier krampfhaft nach 'exotischen' nicht westlichen Beiträgen zu suchen. So rekapituliert der erste Beitrag von Arash Abizadeh die Debatte in der politischen Philosophie zu offenen Grenzen. Abizadeh stellt das Für und Wider der offenen Grenzen in der liberalen Diskussion dar, die einerseits auf den Wert der Bewegungsfreiheit und auf die der Gerechtigkeit Bezug nimmt. Er ergänzt diese Debatte um eine demokratietheoretische Perspektive und fragt, ob es für demokratische Regimes vertretbar sei, diejenigen, die, von der Abschottung der Grenzen betroffen sind, aus der Mitsprache über Grenzpolitik auszuschließen. Uchenna Okeja nimmt Bezug zur Debatte um globale Gerechtigkeit aus einer afrikanischen Perspektive. Im Rekurs auf ethnologische und historische Studien rekonstruiert er Positionen zu Migration in afrikanischen Gesellschaften und fragt nach deren Relevanz für die globale Ebene. Als Fazit fordert er, die Gerechtigkeitsdebatte um die Frage der internationalen Machtverteilung zu ergänzen und hinterfragt damit grundlegend die aktuellen Machtverhältnissen in der globalen Welt, die überhaupt Anlass zur Gerechtigkeitsdebatte geben. Bianca Boteva-Richter versucht Migration philosophisch zu begreifen – sie benennt eine räumliche und eine zeitliche Ebene von Migration, die in einem theoretischen Polylog von westlicher und asiatischer Methodik erklärt werden kann. Die Autorin hebt die Zeitlichkeit als wichtigen Aspekt der Migration hervor; darin begründen sich die Verknotung menschlicher Verbindungen, sowie die erfolgreiche oder erfolglose Neuverortung von Migranten. Boteva-Richter erörtert abschließend die Frage, ob wir nicht alle, in einem durch die menschlichen Verbindungen entstehenden Zwischen und in einer globalen Welt, Migranten sind. Die Anthropologin Nobuko Adachi beschreibt verschiedene Perspektiven von Identitäten anhand einiger Beispiele aus dem Leben von japanischen Brasilianern, die ungewöhnliche Bezeichnungsweisen sowohl für Brasilianer als auch für Japaner haben. Hier verwischt sich Eigenes und Fremdes. Die Autorin zeigt auf, warum sich die in Brasilien lebenden Japaner mit einem anderen, offizielleren Ausdruck als die Japaner in Japan benennen und warum sie die Brasilianer, die in Brasilien leben, Fremde nennen. In diesem Beitrag sieht man, wie Sichtweisen von Identitäten wechseln und wie nichtssagend allgemeine ethnische Zuschreibungen sind. Dieser Beitrag reflektiert Zugehörigkeit und Zuschreibung und hinterfragt, wer Eigen und wer Fremd genannt werden kann. Wenn von Identitäten in der Migration die Rede ist, wird der Hybriditätsbegriff des postkolonialen Denkers Homi K. Bhabha gerne rezipiert. Dazu macht Kien Ngi Ha einige kritische Bemerkungen. Er rekapituliert postkoloniale Ansätze, insofern sie für das Thema Migration relevant sind, und zeigt die Grenzen einer oberflächlichen Übernahme von Bhabhas Hybriditätsbegriff. Mit aktuellen ethischen Fragen der Folgen von Migration beschäftigt sich abschließend Nausikaa Schirilla. Sie rekapituliert die Debatte um Pflegemigration aus Ost- nach Westeuropa und die in Ost und West populäre Sorge um das Schicksal der durch Migration der Eltern zurückgelassenen Kinder und Älteren aus einer diskurskritischen und einer ethischen Perspektive. Mit diesen Beiträgen ist das Themenfeld Migration noch lange nicht erschöpft, philosophisch interessant wären Themen wie die von Migrationsforschern oft konstatierte Autonomie der Migration, die Frage der Rechte und Zugehörigkeiten, Divergenzen zwischen transnationalen Orientierungen und nationalstaatlichen Integrationsanforderungen – vielleicht geben die aktuellen Beiträge Anlass, zu all diesen Fragen neu und weiter zu philosophieren.
Aktualisiert: 2020-12-31
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Auf der Suche nach Methoden interkulturellen Philosophierens

Auf der Suche nach Methoden interkulturellen Philosophierens von Ates,  Murat, Bohlken,  Eike, Boteva-Richter,  Bianca, Chen,  Hsueh-i, Estermann,  Josef, Garfield,  Jay L., Gmainer-Pranzl,  Franz, Parkes,  Graham, Pires,  Cecilia, Shorny,  Michael
Mit der Nummer 27 begeben wir uns auf "die Suche nach Methoden interkulturellen Philosophierens", wie die beiden verantwortlichen Redakteure dieser Nummer, Franz GMAINER-PRANZL und Bianca BOTEVA-RICHTER, es in ihrem Editorial treffend nennen. Was tun wir eigentlich, wenn wir interkulturell philosophieren? Braucht der philosophische Polylog Methoden? Kann ein nach allen Seiten offener philosophischer Polylog sich überhaupt auf bestimmte Methoden festlegen? Ist das nicht bereits wieder eine Geste der Ausgrenzung? Oder muss er sich bestimmter Methoden bedienen, um als ein philosophisches Gespräch unterscheidbar zu sein vom freundlichen Gerede? Welche Methoden könnten dies sein? Solche und ähnliche Fragen haben wir uns in der Redaktion schon seit einiger Zeit gestellt. Die im Hauptteil dieser Ausgabe versammelten fünf Autoren versuchen, hierauf ihre je eigenen Antworten zu geben, vom Vorschlag einer transzendentalen Methodik (BOHLKEN) über den einer "diatopischen Hermeneutik" (ESTERMANN) bis hin zur Idee eines "inneren Polylogs" des einzelnen Philosophen (CHEN). Unser "forum" beinhaltet Beiträge von Murat ATES und Jay L. GARFIELD. Ates macht uns mit einem der wichtigsten türkischen Literaten und Philosophen des 20. Jahrhunderts bekannt: Cemil Meriç (1916-1987), und zwar mit seinen Arbeiten zum indischen Denken und der Beziehung der Türkei bzw. der türkischen Intellektuellen zu Indien. Damit eröffnet Meriç eine Perspektive, die wir uns hier in Polylog öfter vertreten wünschen: die Perspektive des sogenannten "Süd-Süd-Dialogs". Noch immer besteht der philosophische Dia- oder Polylog im Wesentlichen eindimensional zwischen Vertretern des Westens (Europa, Nordamerika) und Vertretern anderer Regionen dieser Welt, wobei der Vergleich zwischen Theorien aus der okzidentalen Tradition mit denen anderer Traditionen zumeist im Zentrum steht. Noch immer ist damit der okzidentale Diskurs die Messlatte der Mehrheit philosophischer Arbeiten. Diese Eindimensionalität aufzubrechen is ein zentrales Anliegen eines philosophischen Polylogs. Meriç, der der türkischen Tradition entstammt, aber ebenso in der okzidentalen und indischen Tradition bewandert ist, ist mit seinem Versuch, die Beziehung zwischen türkischer und indischer Tradition in den Mittelpunkt seiner Reflexion zu stellen, ein Vertreter dieses Ansatzes. Der Beitrag von Jay L. Garfield macht uns mit den Grundzügen der buddhistischen Ethik vertraut, mit dem Stellenwert des Guten, des Leidens und der Tugenden, die zu entwickeln sind, um das Leiden zu minimieren, insbesondere wie sie in der Mahayana-Moraltheorie entwickelt wurden.
Aktualisiert: 2020-12-31
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Toleranz

Toleranz von Amaladass,  Anand, Ben Abdeljelil,  Jameleddine, Boteva-Richter,  Bianca, Holzleithner,  Elisabeth, Loh,  Werner, Mall,  Ram Adhar, Olivé,  León, Riedenauer,  Markus, Schelkshorn,  Hans, Shorny,  Michael, Wimmer,  Franz Martin
Hans Schelkshorn Toleranz Ein umstrittener Begriff interkultureller Philosophie Einleitung Der Begriff der 'Toleranz' ist im interkulturellen Bereich bereits seit längerem nicht ohne Gründe in Verruf geraten. Erstens ist der Begriff der 'Toleranz' allein in der westlichen Tradition ausgebildet worden; zweitens scheint 'Toleranz' die bloße Duldung, nicht jedoch die Anerkennung anderer zu implizieren. Dennoch haben wir uns vor allem im Blick auf die enorme Wirkungsgeschichte in und außerhalb Europas für eine erneute Auseinandersetzung mit dem Begriff 'Toleranz' entschieden. Dabei sollte allerdings das Spektrum der Problematisierung nicht auf den engen Bereich begriffsgeschichtlicher Analysen eingeschränkt werden. Aus diesem Grund werden in verschiedenen Beiträgen jeweils die Ambivalenzen von Theorie und Praxis der Toleranz schonungslos aufgezeigt, aber auch von Äquivalenten, wie z. B. die Konzeption eines indischen Inklusivismus oder die vormoderne Konzeption eines Religionsfriedens bei Nikolaus von Kues. Jameleddine Ben-Abdeljelil und Franz-Martin Wimmer stellen ihrem Beitrag eine allgemeine und zugleich betont realistische Begriffsdefinition von 'Toleranz' voran. Toleranz bezeichnet demnach ein Set an Normen, durch die eine qualitative Mehrheit ihre Beziehungen gegenüber einer Minderheit regelt, und zwar in ihrem eigenen Interesse, allerdings ohne Absicht, den Anderen zu eliminieren. Von dieser Definition von Toleranz her können nach Ben-Abdeljelil/Wimmer sowohl die Toleranzideen in der europäischen Aufklärung als auch in der islamischen Philosophie bzw. Theologie des Mittelalters als je spezifische Ausprägungen behandelt werden. In der Auseinandersetzung mit islamischen Toleranzkonzepten wenden sich die Autoren gegen essentialistische Ansätze, die stets auf die verengende Alternative zusteuern, ob es in 'der' islamischen Tradition 'die' Toleranz gibt oder nicht. Ben-Abdeljelil/Wimmer schlagen demgegenüber den 'weiten' Weg über die Kulturgeschichte ein, da sich der Islam von Anfang an in ethnisch und kulturell äußerst heterogenen Gesellschaften ausgebreitet hat. Aus diesem Grund sind bereits in früher Zeit unterschiedliche interreligiöse Konstellationen entstanden, in denen das Verhältnis zwischen Islam und anderen Religionen jeweils auf unterschiedliche Weise bestimmt worden ist. Als Beispiele dafür werden die vielschichtig 'verwobenen Diskurse' zwischen Juden, Christen und Muslimen in Andalusien, die Verbindungen zwischen der Traditionskritik der Karäer, einer jüdischen Sekte, und der Schia im islamischen Beeich, und die Apologetik von Maimonides angeführt. Im Unterschied zu den vormodernen Formen gegenseitiger Beeinflussung kommt es durch Kolonialismus und nationalistische Selbstbehauptungsbewegungen in der Neuzeit zu monokulturellen Verengungen, denen nach Ansicht der Autoren durch einen neuen Begriff einer 'aktiven Toleranz' zu begegnen wäre. Auf ein frühes Modell aktiver Toleranz wird zuletzt auf das 'Haus der Weisheit' in Bagdad (8. Jh. u. Z.) verwiesen, wo nicht nur Vertreter aller bekannten Religionen, sondern auch Atheisten und Materialisten zu Gesprächen eingeladen worden sind. Markus Riedenauer greift in seinem Beitrag Aufgeklärte Religion als Bedingung interreligiösen Diskurses nach Nikolaus Cusanus ein, wie er selbst betont, vormoderne Gestalt des Umgangs mit religiöser Differenz auf. Denn Nikolaus von Kues setzt sich in der berühmten Schrift De Pace Fidei (Der Friede im Glauben; 1453) das Ziel, verschiedene Religionen durch ein vertieftes Denken des Absoluten auch auf theoretischer Ebene zu einen. Im Unterschied zur späteren Entwicklung der Toleranz-Idee, die das Konfliktpotential religiöser Differenz vor allem durch politische bzw. rechtliche Regelungen und klare Kompetenztrennungen zu entschärfen versuchte, ist daher bei Nikolaus von Kues noch ein ungebrochener Glaube an die Wahrheitsfähigkeit religiöser Fragen mächtig. Dennoch ist in jüngerer Zeit das Interesse Cusanus deutlich gestiegen. Die Gründe dafür liegen, wie Riedenauer aufzeigt, vor allem im Erkenntnis- und Religionsbegriff des Cusaners, in dem bereits in aller Deutlichkeit die geschichtliche Gestalt von Religionen als je perspektivische Entwürfe des menschlichen Geistes und damit als Kulturphänomene begriffen werden. Die Einsicht in die geschichtliche Bedingtheit religiöser Traditionen bildet allerdings bloß die Grundlage für ein Gespräch der Religionen, indem nach Nikolaus von Kues jeder Gesprächspartner zum Absoluten selbst vorzudringen hat. Trotz der unübersehbaren christlichen Vorgaben, in der die Grenzen seiner Utopie eines Religionsfriedens deutlich zutage treten, enthält der Anspruch seines Denkens durchaus aktuelle Bedeutung. Denn angesichts der fundamentalistischen Verhärtungen in fast allen Religionen der Erde stoßen äußerliche Strategien einer Befriedung religiös motivierter Konflikte auf Grenzen. Der rechtlichen Zähmung der Religion muss eine innere Selbstaufklärung folgen, in der die eigenen Wahrheitsansprüche nicht bloß aus pragmatischen Gründen der Friedenssicherung, sondern auch aus religionsphilosophischen Gründen auf das wahrhaft Absolute hin relativiert werden. Elisabeth Holzleithner zeichnet in ihrem Beitrag Toleranz: Geistesgeschichtliche Perspektiven eines umstrittenen Begriffs die wichtigsten Stationen nach, in denen sich in der neuzeitlichen Philosophie Europas die Idee religiöser Toleranz herausgebi ldet hat. Eine wichtige Voraussetzung der Toleranzidee wird nach Holzleithner bereits bei Pierre Bodin gelegt, der in seiner politischen Philosophie die Aufgabe staatlicher Macht auf die Sicherung des Friedens einschränkt. John Locke spricht darüber hinaus dem Staat prinzipiell die Kompetenz in Glaubensfragen ab. Pierre Bayle hingegen bricht als erster mit der von Locke noch bekräftigten Annahme, dass Religion für die öffentliche Moral unverzichtbar sei. Trotz aller Verdienste Bayles entwickelt sich nach Holzleithner die Toleranzidee nicht nach der Logik eines linearen Fortschrittsdenkens. Vielmehr bleiben bereits bei Bayle, aber auch bei Kant Probleme offen, die nur in einer integralen Rekonstruktion der europäischen Toleranzidee, in der Differenzierungen und Einsichten aus allen Etappen miteinander verbunden werden, zu lösen sind. Im Beitrag Inklusivismus als indische Denkform der Toleranz setzt sich Anand Amaladass, Indologe und Jesuit aus Chennai, mit einem Toleranz-Diskurs auseinander, der vor allem von neohinduistischen Denkern und euroamerikanischen Indologen geführt worden ist. Im 19. Jahrhundert hatte der Neohindu Radhakrishnan in seiner Ausgabe der Bhagavadgita den Abschnitt von Kap. 7,20ff., wo Krsna sich als universelle, in allen Kulten gegenwärtige göttliche Macht vorstellt, mit dem Wort Toleranz (toleration) überschrieben. Der neohinduistische inklusivistische Toleranzbegriff ist, wie Amaladass, bereits eine Reaktion auf die westliche, insbesondere auf Hegel zurückgehende Konzeptionen der Aufhebung des indischen Denkens in einer universalen, im Christentum kulminierenden Religionsgeschichte. Dennoch ist der Versuch, religiöse Toleranz als Inklusivismus zu denken, wie die Debatte zwischen den Indologen Hacker, Halbfass u. a. zeigt, höchst ambivalent; denn auch in der neohindustischen Aufhebung anderer Religionen drohen wie zuvor bei westlichen Denkern sämtliche Differenzen zu verschwinden. Ohne Anerkennung des Anderen bricht allerdings eine wesentliche Voraussetzung eines interreligiösen Dialogs zusammen, so dass Toleranz zur bloßen Duldung herabsinkt. Im Unterschied zu Ben-Abdeljelil geht León Olivé (Mexiko) von einem normativen Begriff von Toleranz aus. Toleranz muss – so die zentrale These von Olivé – in ein Normen- und Institutionengefüge eingebettet sein, das auf den Prinzipien der Gleichberechtigung und sozialen Gerechtigkeit aufbaut. Toleranz im strengen Sinn des Wortes ist als 'horizontale Toleranz' zu fassen, in der die Beziehungen zwischen Menschen und Gruppen ihre Konflikte auf der Basis der Gleichberechtigung und konsentierter Verfahrensregeln zu lösen versuchen. Die 'vertikale Toleranz' hingegen, in der dominante Gruppen untergeordnete Gruppen 'tolerieren', dient nach Olivé bloß der Verschleierung von Machtverhältnissen. Toleranz wird daher systematisch mit der Idee sozialer Gerechtigkeit verbunden, die die Bedingungen für die Befriedigung der legitimen Grundbedürfnisse aller Mitglieder einer Gesellschaft und die Verwirklichung und Ausübung ihrer Fähigkeiten sicherstellt.
Aktualisiert: 2020-12-31
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Der Methodentransfer nach Watsuji Tetsuro

Der Methodentransfer nach Watsuji Tetsuro von Boteva-Richter,  Bianca
Der Methodentransfer nach Watsuji Tetsuro stellt eine neue interkulturelle Methodik dar, die eine weitere Antwort auf die Probleme der interkuitu reiten Philosophie sucht. Als asiatisch-abendländische Hermeneutik in einem dialektischen Dreierschritt ausgeführt, tritt sie aus den methodischen Ursprungsorten hinaus und bietet eine weitere, kulturübergreifende Nutzung an. Der Methodentransfer weist nicht nur eine abendländische Ausgangs-These und abendländisch-asiatische Synthese auf, sondern vollführt als dritten methodischen Schritt eine Rückanwendung der synthetisch neu erarbeiteten Begriffe auf die Ausgangsposition bzw. auf die abendländische Ausgangsthese. Durch den mehrfachen Perspektivenwechsel werden eine kritische Überprüfung sowohl der neu erarbeiteten synthetischen Begriffe, als auch eine Neudeutung der Ausgangsthese und ein neuer Blick auf das eigene und fremde Gedankengut ermöglicht. Dieses Buch stellt nicht nur den Denker Watsuji Tetsuro und die von ihm interkulturell agierende ethische Philosophie vor. Der Methodentransfer wird hier als neue interkulturetle Analytik erarbeitet und als ein weiteres philosophisches Werkzeug für das Arbeiten im interkulturellen Bereich vorgestellt.
Aktualisiert: 2019-01-08
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Zur (Ir-)Relevanz von Philosophie in interkultureller Orientierung

Zur (Ir-)Relevanz von Philosophie in interkultureller Orientierung von Boteva-Richter,  Bianca, Delport,  Terblanche, Dladla,  Ndumiso, Gmainer-Pranzl,  Franz, Graneß,  Anke, Gutema,  Bekele, Kim,  Sang Bong, Lehmann,  Fabian, Masolo,  Dismas, Maweu,  Jacinta Mwende, Nyarwath,  Oriare, Praeg,  Leonhard, Shimazaki,  Takashi, Shorny,  Michael
»Interkulturelles Philosophieren«, so heißt es in der Erklärung zum Selbstverständnis der Zeitschrift POLYLOG, die in jeder Ausgabe auf einer der Umschlagseiten abgedruckt ist, ist das Bemühen, »in die philosophischen Diskurse Beiträge aller Kulturen und Traditionen als gleichberechtigte einzuflechten, also nicht bloß vergleichend nebeneinander zu stellen, sondern so in einen offenen gemeinsamen Raum […] zu bringen, dass alle Positionen in diesem Polylog für Veränderungen offen gehalten werden«. Es geht letztlich um »eine Neuorientierung in der Praxis des Philosophierens, die – ebenso wie deren Methoden – zu reflektieren« sei. Das Entwickeln eines Bewusstseins über kontextuelle (und damit auch kulturelle) Gebundenheit des Denkens und ein Bemühen um mehr akademische Gerechtigkeit im Sinne eines Wahrnehmens, einer Auseinandersetzung mit und eines Akzeptierens von Konzepten aus vielen verschiedenen Regionen der Welt ist nicht nur Auftrag und Herausforderung der Zeitschrift POLYLOG, sondern Inspiration und Motivation vieler PhilosophInnen, die sich dem Anspruch stellen, die Pluralität des Denkens auf dieser Welt ernst zu nehmen, und Philosophie – wie immer sie auch verstanden werden mag – nicht bloß als europäisch-westliches Programm, sondern als globales Projekt ansehen, als Diskurs, der gewissermaßen der gesamten Menschheit gehört. Auch wenn diese Position durchaus Zustimmung erfährt und interkulturelles Philosophieren vermehrt wahrgenommen und anerkannt wird – was sich nicht zuletzt darin äußert, dass »interkulturelle Philosophie« auf philosophischen Kongressen, in akademischen Curricula und Verlagsprogrammen (hin und wieder) präsent ist –, kann nicht übersehen werden, dass sich Philosophie in interkultureller Orientierung, ja Philosophie überhaupt, zunehmend gegen starke Widerstände behaupten muss. Diese Gegentendenzen sind Teil gesellschaftlicher Transforma­tionsprozesse und globaler Dynamiken, die es aufmerksam wahrzunehmen gilt – nicht, um sie als Feindbild zu charakterisieren, gegen das unser Projekt »interkulturelles Philosophieren« zu mobilisieren wäre, sondern um die veränderten sozialen, kulturellen, politischen und wissenschaftlichen Bedingungen der gesellschaftlichen Entwicklung aufmerksam wahrzunehmen. Es sind vor allem fünf Tendenzen, deren Einfluss das Projekt »Philosophie in interkultureller Orientierung« irrelevant erscheinen lassen: 1. Die Macht von Tradition(en) und Identität(en): In vielen Gesellschaften kommt dem Überlieferten, dem Bewährten und Gewohnten große Bedeutung zu. Die Bedeutung traditionell verbürgter Selbst- und Fremdverständnisse ist oft »plausibler« als der Versuch, aus überlieferten Strukturen und Interpretationen auszubrechen und sich neuen Erfahrungen auszusetzen. Gerade in einer Zeit der Verunsicherung und der Überforderung durch kulturelle Umbrüche, politische Instabilität und religiöse Pluralisierung orientieren sich viele Menschen wieder neu an traditionellen Denkformen und »klaren« Identitäten. Kritische Philosophie im Allgemeinen sowie interkulturelles Philosophieren im Besonderen erscheinen demgegenüber als Förderung irritierender Vielfalt sowie als intellektuelles Experiment außerhalb der »eigentlichen« Philosophie. 2. Die Marginalisierung der Auseinandersetzung mit Kontextualität: Während in den 1980er-Jahren einige Forschungsbereiche und wissenschaftliche Disziplinen, in denen es um die Kontextualität des Wissens ging (Interkulturalität, Genderfragen, sozialkritische Wissenschaften, Internationale Entwicklung, Global Studies, postkoloniale Theorien usw.), Eingang in die universitäre Auseinandersetzung fanden, wurden die genannten Themenstellungen, Forschungsansätze und Methoden sukzessive wieder zurückgefahren, institutionell marginalisiert oder überhaupt abgeschafft. Die kritische Dekonstruktion vermeintlicher »Universalität« und der Aufweis der Kontextualität »globaler« Wissensformen wichen Schritt für Schritt neuen Strategien einer Wissensvermittlung, die sich nicht mehr (selbst-)kritisch der eigenen Partikularität stellt, sondern Taktiken erfolgreicher Expansion des Eigenen und »Integration« anderer entwickelt. So attestieren westliche PhilosophInnen ihren KollegInnen im globalen Süden gerne kontextuelle »Bedingtheiten« und »diskursive Schwächen«, sehen aber ihre eigene Hermeneutik, Methodik und Analystik als normativ und unhinterfragbar an. 3. Ein Trend zu empirischen und analytischen Methoden: Eine global mächtige angloamerikanische Wissenskultur, die von ihrer eigenen »Universalität« überzeugt ist, drängt zunehmend gesellschaftskritische, politische, hermeneutische und normativ verfahrende Weisen des Denkens zurück und lässt in den Sozialwissenschaften nur empirische Verfahren und in der Philosophie ausschließlich analytische Methoden als »wissenschaftlich« gelten. Als problematisch empfinden wir hier nicht empirische oder analytische Ansätze als solche, sondern die unhinterfragte Selbstverständlichkeit, mit der naturwissenschaftliche Analysekategorien auf soziale, kulturelle und humane Lebenszusammenhänge angewandt werden. Wenn schon Theodor W. Adorno in seiner Auseinandersetzung mit Karl Popper, die später als »Positivismusstreit« bezeichnet wurde, die unaufhebbare Differenz zwischen kritischer Gesellschaftstheorie und empirischer Soziologie damit begründete, dass eine an »Homogenität« orientierte Naturwissenschaft der gesellschaftlichen »Inhomogentität« nicht gerecht werden könne (Vgl. Theodor W. Adorno: Soziologie und empirische Forschung, in: ders. u. a., Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie (Sammlung Luchterhand 72), Neuwied/Berlin 1972, S. 91.), ist interkulturelles Philosophieren umso mehr gefordert, ein waches Bewusstsein für jene Prozesse der Verdinglichung auszubilden, die aus der fraglosen Anwendung empirischer und analytischer Methoden auf soziale, kulturelle und politische Lebenszusammenhänge resultieren und interkulturelle »Inhomogenität« durch Strategien der »Homogenität« zu bändigen versuchen. 4. Ökonomisierung der Wissenschaften: Philosophie, die sich als unabschließbaren Prozess der Suche nach Argumenten, Methoden und gültigen Behauptungen mit den Mitteln menschlicher Vernunft begreift, wird von einem auf Effizienz, Vermarktung, Anwendbarkeit und Gewinnmaximierung ausgerichteten Wissenschaftsbetrieb als eher »nutzlose« Disziplin angesehen. Nicht mehr die Zweckfreiheit der Theorie oder die Kritik am Bestehenden, sondern der Nutzen und die ökonomische Effizienz der Wissenschaft sind gefragt. Die Umstellung der Universitäten von einem gesellschaftlich-öffentlichen Selbstverständnis auf eine privatwirtschaftliche Unternehmensform ist wesentlicher Teil einer Ökonomisierung der Wissenschaften, die einen signifikant veränderten Habitus akademischer Arbeit mit sich bringt. Dass Philosophie als kritische, interkulturell ausgerichtete Wissenschaft in diese Entwicklung nicht »hineinpasst«, liegt auf der Hand. Denn wozu »braucht« man (interkulturelle) Philosophie? 5. Nach wie vor bestehende globale Asymmetrien: Auch wenn in den letzten Jahrzehnten ein gewisses Problembewusstsein für eurozentrische Strukturen (in) der Wissenschaft gewachsen ist, lässt sich nicht leugnen, dass die politisch und wirtschaftlich Mächtigen dieser Welt auch beträchtlichen Einfluss auf Wissenschaft und Forschung ausüben. Die Machtzentren (auch) der Philosophie finden sich eben nicht in Kinshasa, La Paz oder Manila, sondern in den Metropolen der westlichen Welt. Für viele Studierende ist es interessant, in die USA, nach Spanien oder Großbritannien zu gehen – und das kann zweifellos eine interessante und wichtige Erfahrung sein. Doch welche/r Studierende geht bewusst in Länder des »globalen Südens«, um dort Philosophie oder andere Fächer zu studieren? Welche ProfessorInnen versuchen, mit Universitäten in Afrika (einzige Partneruniversität der Universität Wien auf dem gesamten (!) afrikanischen Kontinent ist die Universität Pretoria. Dies scheint viel über das Interesse an der Wissensproduktion in Afrika auszusagen), Asien, Lateinamerika, im pazifischen Raum oder in Osteuropa Forschungsprojekte und Austauschprogramme abzuschließen, die auf Augenhöhe erfolgen? Aber auch innerhalb der Staaten des »globalen Südens« gibt es, ökonomisch bedingt, ein signifikantes Gefälle. Während die meisten Universitäten in Afrika ebenso wie viele in Lateinamerika und auch einigen asiatischen Ländern mit grundlegenden wirtschaftlichen und organisatorischen Problemen kämpfen und dies in ihrer akademischen Arbeit auch thematisieren, haben Universitäten in Japan oder Südkorea aufgrund ihrer ökonomisch besseren Voraussetzungen, die Möglichkeit, sich anderen Fragestellungen zu widmen – eine Differenz, die auch in den Beiträgen dieses Heftes sichtbar wird. Erscheint angesichts dieser globalen Macht- und Bedeutungsasymmetrien das Projekt »interkulturelles Philosophieren« nicht als exotische Veranstaltung, die dem westlichen Publikum einen Einblick in andere Lebens- und Denkwelten gewährt, ohne jedoch die entscheidenden Strukturen der internationalen Beziehungen zu verändern? Ist der »Polylog« nur ein gedankliches Glasperlenspiel abseits der »wirklichen« Verhältnisse, die Ungleichheit, Exklusion, Diskriminierung und Ungerechtigkeit produzieren? Kurz: Ist interkulturelles Philosophieren nicht eigentlich völlig irrelevant? Die Auseinandersetzung mit dieser These (und den zugrundeliegenden Bedingungen) motivierte uns zu einer kritischen, vielstimmigen und – wie immer – interkulturell ausgerichteten Analyse, die in diesem Heft 33 des POLYLOG dokumentiert ist. Dabei haben wir einige Fragen und Analysen etwas zugespitzt, um das Problem deutlich werden zu lassen, das uns bewegt: Welche Bedeutung kann Philosophie (in interkultureller Orientierung) in einer Welt haben, die von den genannten Tendenzen geprägt ist? Die Beiträge dieses Heftes zeichnen dabei kein düsteres, pessimistisches Szenario, sondern benennen vielmehr konkrete gesellschaftliche Verhältnisse und die Konsequenzen, die sich daraus für Theorie und Praxis der Philosophie ergeben. Auch wenn bestimmte Entwicklungen durchaus kritisch gesehen werden, kommen immer auch Chancen und neue Perspektiven philosophischen Denkens zur Sprache. Die an der Universität Nairobi lehrende Philosophin Jacinta Mwende Maweu geht sehr grundsätzlich auf die Aufgabe der Philosophie ein. Anhand der Ethik als Teildisziplin der Philosophie und dem kritischen Denken als grundlegender Methode geht sie in ihrem Beitrag auf die Bedeutung der Philosophie, gerade auch in einem Land wie Kenia, ein. Philosophie, die auf ein Wissen ziele, das die Entwicklung des Menschen und der gesellschaftlichen Ordnung fördert, steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Veränderung der Gesellschaft und der Verbesserung des Zusammenlebens der Menschen. Allerdings werde diese wichtige gesellschaftliche Funktion der Philosophie in Kenia kaum wahrgenommen. Im Gegenteil, aufgrund der zunehmenden Marktorientierung der Universitäten sehen sich gerade die philosophischen Fakultäten immer mehr an den Rand gedrängt – ein Problem, das auch Bekele Gutema in seinem Beitrag im Forum-Teil dieser Ausgabe anhand der Situation an den Universitäten in Äthiopien schildert. Mit einer politisch-akademischen Realität, die gesellschaftlich schwer greifbar, aber durchaus wirksam ist, setzen sich Terblanche Delport und Ndumiso Dladla von der University of South Africa (UNISA) auseinander. Sie reflektieren auf eine auch nach der Abschaffung der Apartheid wirksame rassistische und koloniale Mentalität, die sich in ausgrenzenden und identitätsfixierenden Diskursen manifestiert. Philosophie darf aber nicht zum akademischen Schmuck politischer Machtkonstellationen verkommen, wie die Autoren hervorheben: »Wahrheit zu lieben, heißt Gerechtigkeit lieben. Philosophie strebt danach, Wahrheit herauszufinden, nicht um des politischen Vorteils oder der ökonomischen Bedeutung willen, nicht für persönlichen Ruhm oder das akademische Rampenlicht, sondern weil sie das Bedürfnis hat, etablierte Weisheit in Frage zu stellen, weil sie eine nie endende Beziehung zur Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit ist.« Im Falle Südafrikas hat die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit – gerade auch bei der Aufarbeitung der Verwicklung von PhilosophenInnen und philosophischen Instituten in das System der Apartheid – gerade erst begonnen. Der japanische Philosoph Takashi Shima­zaki übersetzt den Begriff »interkulturelle Philosophie« mit der Umschreibung »Philosophie über die Kulturen in Gegenseitigkeit«. Diese Gegenseitigkeit erläutert er auf dem Hintergrund der Hegelschen Dialektik, die die Identität des Eigenen nur durch das eigenartige »Andere« entstehen lässt. So existiert auch der »Geist Japans« nicht aus sich selbst, sondern nur in einer Wechselbeziehung mit anderen Geistesströmungen und Kulturen. Angesichts regionaler und globaler Hegemonien unterscheidet Tetsunori Koizumi, ein Mitglied der Japanischen Gesellschaft für interkulturelle Studien, zwischen der »Verbreitung« und dem »Aufzwingen« kultureller Identitäten und sieht die Aufgabe interkulturellen Philosophierens darin, genau diesen Unterschied intellektuell und politisch wahrzunehmen. Sang Bong Kim aus Korea grenzt interkulturelle Philosophie von komparativer Philosophie und Wissenssoziologie ab und versteht sie als Brückenschlag zwischen einander fremden Philosophien bzw. Weltanschauungen. Überhaupt erweist sich die Geschichte der Philosophie in Korea als vielfältige Geschichte der »Begegnung mit den Anderen«. Entscheidend ist es, die Furcht vor »Selbstverlorenheit« in der Begegnung mit Anderen und Fremden zu überwinden und mit einem neuen Geist »schwanger« zu gehen, so die eindrückliche Metapher von Kim. Interviews, die Anke Graneß mit Dismas Masolo, Oriare Nyarwath und Leonhard Praeg führte, machen »aus erster Hand« erfahrbar, wie es um die Relevanz und die Verantwortung der Philosophie in Afrika bestellt ist. Deutlich wird, dass Philosophie in Afrika von jeher politische Bedeutung hat. Auch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der Philosophie in einer postkolonialen Situation ist letztlich immer schon ein politischer Akt. Dies machen die Gesprächspartner deutlich und gehen dabei auf Themen, die innerhalb und außerhalb Afrikas von entscheidender Bedeutung sind, ein, wie den Beitrag der Philosophie zur Entwicklung der Demokratie (Masolo), eine Vision für die Gesellschaft und die Menschen (Nyarwath) und die Kritik nationalistischer Konzepte (Praeg). Praeg, der sich intensiv mit Inhalt und Funktion des »Ubuntu«-Diskurses im heutigen Südafrika auseinandergesetzt hat, spricht von einer »Philosophie des gemeinsamen Menschseins« und berührt damit wohl einen entscheidenden Nerv in der Auseinandersetzung mit der »(Ir-)Relevanz von Philosophie« überhaupt. Zwei Beiträge im Forum setzen sich ebenfalls mit Themen aus Afrika auseinander – wie uns überhaupt freut, dass philosophische Fragestellungen dieses Kontinents in diesem Heft eine so prominente Rolle spielen. Bekele Gutema von der Universität Addis Ababa setzt sich am Beispiel Äthiopiens kritisch mit der Entwicklung afrikanischer Universitäten auseinander, die, nach einer kurzen postkolonialen Wachstumsphase, ab den 1990er-Jahren nach neoliberalen Maßstäben der Weltbank »reformiert« wurden und gegenwärtig, wie Gutema bedauert, in einer »Reform-Rhetorik« untergehen. Entscheidend wäre, die Idee akademischer Freiheit und Autonomie und die Haltung wissenschaftlicher Kritik mit dem Prinzip gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden. Nicht eine Kommerzialisierung des Wissens, sondern eine gesellschaftskritische Entwicklung von Bildungsprozessen entspreche der Aufgabe einer afrikanischen Universität, so Gutema, der mit einem Plädoyer für eine Süd-Süd-Vernetzung der Universitäten (statt der einseitigen Orientierung am globalen Norden) schließt. Fabian Lehmann schließlich zieht das von Christoph Schlingensief initiierte Projekt einer Oper in einem Dorf in Burkina Faso als Alternative zu etablierten Formen interkultureller Kooperation heran. Das Operndorf in Afrika irritiert und verunsichert – und löst gerade so kreative Aushandlungs- und Verständigungsprozesse aus. Das Missverstehen des »selbstverständlichen« Konzepts »Oper« provoziert dazu, sich dem Widersprüchlichen und Unvorhergesehen zu stellen und dadurch »besondere Möglichkeiten der Sinngenerierung« zu gewinnen. Wie (ir-)relevant ist Philosophie in interkultureller Orientierung? Wir wissen es nicht. Aber wir hoffen, dass sie immer wieder dazu beiträgt, implizite, kulturell bedingte Denkweisen zu analysieren, Stereotype der Selbst- und Fremdwahrnehmung zu kritisieren, Offenheit, Verständnis und gegenseitige Aufklärung zu befördern sowie einen Beitrag zu Humanität und Frieden zu leisten (Vgl. Franz Martin Wimmer: Interkulturelle Philosophie. Eine Einführung (UTB 2470), Wien 2004, 134.). Vielleicht lassen sich ja die Fragen nach der (Ir-)Relevanz interkulturellen Philosophierens im Licht dieser Aufgaben neu beantworten.
Aktualisiert: 2020-12-31
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