Mit der hier vorgelegten Arbeit soll ein Beitrag zur historischen Darstellung des Bildstellenwesens vor dem Hintergrund völliger Zentralisierung in der nationalsozialistischenÄra geleistet werden, speziell des Versuchs seiner Leitstelle der "Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht" (RWU), - bis 1940 "Reichsstelle für den Unterrichtsfilm" (RfdU) - eine objektiv vertretbare, d.h. überparteiliche und ideologisch unabhängige medienpädagogische Arbeit zu betreiben. 1. Eine freiheitlich orientierte und auf ideologische Unabhängigkeit bedachte pädagogische Arbeit wurde primär durch die in der RWU tätigen Pädagogen mit deren, der NS-Ideologie zumeist kritisch gegenüberstehender soziokultureller Herkunft möglich. 2. Die Durchsetzbarkeit der auf Eindämmung des parteipolitischen Einflusses bedachten Maßnahmen der RWU, speziell des Reichserziehungsministeriums, wurde durch die persönlichen gegenseitigen Aversionen der Minister Rust und Goebbels erleichtert, vor deren Hintergrund der mit der ministeriellen Aufsicht der RWU betre Beamte im REM seine auf Abschirmung der Schulen vor dem Einfluß nationalsozialistisch ausgerichteter Verfügungen und Erlasse weitgehend realisieren und persönlich unbeschadet überstehen konnte. 3. Die doppelgleisige juristische Struktur der RWU ließ es gegenüber der politischen Führung zu, die Verantwortlichkeit bedarfsweise auf das Institut als nachgeordnete Dienststelle des REM oder auf die RWU als privatrechtliche GmbH abzuwälzen bzw. zwischen beiden juristischen Personen hin und her zu schieben. 4. Die RWU wurde auch deshalb vom Propagandaministerium nicht mit letzter Konsequenz zur Eingliederung in den Zuständigkeitsbereich Goebbels gezwungen, sondern weitgehend geduldet, weil sie anfänglich zu klein und unbedeutend und später dem Ausland gegenüber ein hin und brauchbares Aushängeschild der NS-Regierung war. 5. Es war verhältnismäßig einfach, alle Maßnahmen der RWU bzw. des REM, die den Expansionsdrang Goebbels hemmen sollten, rein pädagogisch und sachlich zu begründen. Zusätzlich war es möglich, aufgrund der schon vor 1933 üblichen, jedoch als unpolitisch empfundenen Betonung der Bodenständigkeit und Akzentuierung der Deutschstämmigkeit, zu beweisen, daß die so konzipierten Unterrichtsmedien auch oder gerade in einer Propagandaton freien Fassung eine zentrale Funktion in der nationalsozialistischen Medienerziehung erfüllen konnten. Die Darstellung beginnt mit einem Abriß der Unterrichsfilmarbeit der 20er Jahre, ihren mediendidaktischen Ansätzen, der Diskussion um Finanzierungsmodelle des Unterrichtsfilms und Aufgaben einer zentralen Leitstelle sowie der Entwicklung des Bildstellenwesens als einer gut funktionierende Organisation mit einer bereits festen Struktur. Mit der 1919 gegründeten Bildstelle des "Zentralinstituts" war überdies das Modell einer zu schaffenden Zentrale vorgegeben und bereits praktisch erprobt worden. Die ganze weitere Entwicklung nach der Machtergreifung fußte auf diesen praktisch-organisatorischen und finanztechnischjuristischen Vorarbeiten in der Weimarer Zeit. Mit der Gründung der "Reichsstelle für den Unterrichtsfilm" im Jahre 1934 war im Grunde nur dem von allen auf dem Unterrichtsfilmsektor tätigen Organisationen und Einzelpersonen empfundenen "dringenden Bedürfnis nach Schaffung einer Zentrale" (Seeger 1925) entsprochen worden. Ohne Zweifel drohte die gesamte Schulfilmbewegung im Jahre 1933 durch den Griff Goebbels nach den Massenmedien, zu propagandistischen Zwecken mißbraucht zu werden. Daß es ganz anders kam, ist hauptsächlich dem persönlichen Einsatz von Dr. Kurt Zierold zu danken, der als dem Ministerialrat im REM dieministerielle Aufsicht über die RWU geführt, alle sie betreffenden Erlasse herausgegeben hatte, gleichzeitig ihr Vorsitzender als GmbH gewesen, aber nie Mitglied der NSDAP geworden war. Für den ehemaligen britischen Kontrolloffizier Major Buckland-Smith, den der Verfasser in London persönlich aufsuchen und sprechen konnte, ein schier unerklärlicher Umstand. Die Zahl der Publikationen, die sich mit der Entwicklung der Bildstellen befaßt, ist überschaubar geblieben. Unter ihnen überwiegen zahlenmäßig die verbandsinternen Veröffentlichungen in den Fachzeitschriften. Während sich die Vertreter des Bildstellenwesens unpolitisch sehen und sich einer objektiven pädagogischen Arbeit verpflichtet fühlen, treten die in der Bildstellenorganisation nicht tätigen, aber an ihr interessierten Pädagogen und Wissenschaftler in der Regel als Kritiker auf, implizieren eine politische Abhängigkeit pädagogischer Arbeit innerhalb der jeweiligen Epoche mit seinen besonderen politischen Rahmenbedingungen und legen hier in aller Regel den Finger speziell auf die Wunde einer vermeintlichen nationalsozialistischen, d.h. parteikonformen faschistischen Vergangenheit.
Aktualisiert: 2020-12-04
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Aktualisiert: 2019-05-23
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1958 hatte Fritz Terveen seine Dokumentensammlung zur Schulfilmbewegung, an deren Titel dieses Werk bewusst anknüpft, mit dem Vermerk veröffentlicht, dass das "zusammengetragene Material eine erste Zusammenfassung der Unterlagen sein [sollte], derer sich derjenige, der es unternimmt, sich in die Geschichte der Schulfilmbewegung zu vertiefen, vergewissern muss" (F. Terveen, Dokumente zur Geschichte der Schulfilmbewegung in Deutschland, Emsdetten 1958). Der Verfasser greift diesen Vorsatz auf und stellt der Forschung mit dieser Sammlung weiteres Dokumentenmaterial zur Verfügung, das ihm selbst treuhänderisch übergeben wurde. Nach einem Grußwort von Prof. Dr. Rudolf W. Keck von der Universität Hildesheim und dem Vorwort des Zeitzeugen Dr. Willi Mohaupt zur Arbeits- und Lebenssituation der RWU und ihrer Mitarbeiter in Westdeutschland unmittelbar nach dem Krieg gibt der Herausgeber eine Einführung zur Situation der Nachfolgeorganisation der RWU nach 1945. Das Buch enthält Kopien bisher unveröffentlichter Dokumente, beispielsweise - ein Rundschreiben an alle Landesbildstellenleiter vom 14. März 1945, - einen Tätigkeitsbericht über die Zeit vom 8. Mai 1945 bis 30. September 1945 vom ehemaligen Pädagogischen Leiter der RWU Prof. Dr. Caselmann, - Tagebücher der RWU Berlin, der RWU Hannover sowie des FWU Hamburg aus den Zeiträumen zwischen dem 1. Juni 1945 und dem 25. April 1946, - eine Denkschrift des britischen Kontrolloffiziers Buckland-Smith von 1946 sowie ein Antwortschreiben Zierolds vom 2.1.1947 (ehemals für die RWU zuständiger Ministerialbeamter im Reichserziehungsministerium), - das Protokoll einer gemeinsamen Zensursitzung der britischen und amerikanischen Militärregierung vom 28.1.1949, - Zensurbeispiele für beanstandete Filmsequenzen in RWU-Filmen in einem Schreiben des württembergischen Kultusministeriums vom 31.10.1945. Die Richtlinien für die "Bereinigungsarbeiten" waren eindeutig. Die Militärregierung hatte alle ausgelieferten Filme und Lichtbilder besichtigt und in zwei Listen zusammengefasst. Sie fanden ihren Niederschlag auch im "Report on German Educational Films" von 1946, der in einschlägigen Bibliographien nicht ausgewiesen ist. Das in dieser Sammlung abgedruckte Faksimile sowie die drei abgedruckten und mit erklärenden Fußnoten versehenen Tagebücher, in denen die oben angedeutete Nachkriegsentwicklung festgehalten ist, wurden dem Verfasser von Fridolin Schmid zur Verfügung gestellt, dem ehemaligen Leiter der Pädagogischen Abteilung der RWU für Allgemeinbildende Schulen und späteren Direktor des FWU in München. Dem Band angefügt ist schließlich noch eine deutschsprachige Liste des Verfassers der in England 1945 begutachteten und klassifizierten 171 Filme der RWU basierend auf dem "Report on German Educational Films".
Aktualisiert: 2020-12-04
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Der Autor hat in zwei Bänden 661 Rundschreiben der ehemaligen Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (RWU) zusammengetragen und erleichtert einen ersten Zugang zu ihrem Inhalt durch über 1000 erläuternde Fußnoten, darunter über 200 weiterführende Literaturhinweise. Diese 661 Rundschreiben dürften in etwa die Hälfte aller insgesamt versandten Rundschreiben darstellen. Die in dieser Sammlung nicht aufgeführten Rundschreiben müssen größtenteils als verloren gelten, wenn man optimistischerweise annimmt, dass vereinzelte Rundschreiben noch unentdeckt in Archiven schlummern mögen. - Die Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht 1934-1945 (Hamburg 1998, ISBN 3-86064-681-8) - Neue Dokumente zur Geschichte der Schulfilmbewegung in Deutschland. Berlin und Britische Besatzungszone 1945/46 (Hamburg 1998, ISBN 3-86064-692- 3)
Aktualisiert: 2020-12-04
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