Fundamentalhumanismus von Holz,  Harald

Fundamentalhumanismus

Variationen zum Thema einer Umwertung der Werte

Nicht Gott ‚abzuschaffen‘, wie A. Comte und L. Feuerbach es in ihren Theorien darzulegen versuchten, oder wie Nietzsche den sog. Tod Gottes in praktischer Hinsicht festzustellen, gibt den inneren Sinn der europäischen Geistesgeschichte der Neuzeit wieder, sondern die Einsicht, dass das, was die bisherigen Zeitalter unter ‚Gott‘ verstanden, immer schon ‚wir selbst‘ waren und sind. Platon also, im doppelten Sinne ‚vom Kopf auf die Füsse gestellt‘, ist hier in dieser Untersuchung anwesend: Die anamnestische, erst langsam und mühsam sich Bahn brechende Absolutheit des Menschen, wie problematisch auch immer, schliesst in sich zugleich die Einsicht einer prinzipiellen Einheit von Geist- und Leibpol, von Individualität und Gattungsnatur des Menschseins. – Dem entsprechen die handlungstheoretischen Perspektiven: Als werdendes Absolutum ist die konstitutive Linie des Menschseins, hinter allen Divergenzen und Konflikten, der Entwurf seines Selbst-Sinnes auf eine – infinitesimal – vollkommen sein sollende Zukunft hin. – Sinnbegriff, Goldene Regel als Gesinnungsgrösse, sowie Ideologiekritik: Dies sind nur einige, wenn auch die wichtigsten Konstitutiva dessen, was hier zusammenfassend ‚Humanismus‘ genannt wird. – Anschaulich und evokativ gewinnt dies Gestalt im Mythos vom göttlichen Menschen.

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