Über Monotheismen
und ihren Anspruch, ihr je eigener Gott sei der einzige überhaupt
Hans Schauer
Nach Jahrhunderten egalitärer und vergleichsweise friedlicher Gesellschaften mit Gruppen von Sammlerinnen und Jägern kamen erst etwa 10.000 Jahre vor unserer Zeit im Vorderen Orient die auf Landbau und Viehhaltung aufbauenden Hochkulturen auf. Aus animistischen Anfängen entwickelten sich dort polytheistische Religionen, in denen jeweils mehrere Götter und Göttinnen angebetet wurden. Vom aufkommenden interethnischen Fernhandel unterstützt ermöglichte der so naheliegende Glaube an Naturgottheiten das Aufkommen einer ersten „Welt“kultur mit einem Austausch und weiteren Aufblühen von religiösen Orientierungen, Kulturtechniken, Künsten und Wissenschaften bis zu den Anfängen einer hoch abstrakten Mathematik. Über polyglotte Übersetzer und Wissensvermittler konnten althergebrachte Traditionen immer neue Verschmelzungen und Weiterentwicklungen erfahren, insbesondere im Schutz der schon in Anfängen demokratisch organisierten griechischen Polis.
Dies alles wurde in Frage gestellt und vielfach fremdenfeindlich geschmäht und sogar bilderstürmerisch vernichtet durch den von Mose (ägyptisch: Sohn eines Gottes) nach Israel exportierten ägyptischen Monotheismus des Pharao Echnaton. In diesem Glauben wurden die Alleinherrschaftsansprüche der ersten Hegemonial-Herrscher (etwa über Ober- und Unterägypten) in eine himmlisch-religiöse Sphäre übertragen, so dass in Sklavenhalter-Gesellschaften schließlich organisierte Priesterschaften die Möglichkeit fanden, einen Glaubenszwang mit politischer Macht durchzusetzen.
Der erste Band, der sich im Einzelnen auch kritisch mit Problemen der Blasphemie (Gotteslästerung), der Auserwähltheit, der Theodizee (Rechtfertigung Gottes angesichts des Leidens in der Welt) und mit verschiedenen Gottesrettungsversuchen befasst, endet mit einem versöhnlichen Versuch, diesen Gott nicht mehr atheistisch erbittert zu bekämpfen, sondern ihn in einer Abschiedsrede zu Wort kommen zu lassen, in der er uns bittet, ihn in Achtung seinem Ende entgegengehen und in Ruhe sterben zu lassen, ohne Versuche, ihn schon bald nach seinem Tode wieder zu exhumieren. Aber wer weiter an ihn glauben will, sollte nicht daran gehindert werden.