Sanktionen des Selbst

Sanktionen des Selbst von Strub,  Christian
Die „Sanktionstheorie der Normen“ behauptet, Normen existierten nur dadurch, daß als Folge bestimmter Handlungen Sanktionen angedroht und (wahrscheinlich) auch vollzogen werden. Ein solcher Theorietyp soll von zwei Seiten her stark gemacht werden: Einerseits wird ein eher traditioneller Ansatz bezüglich dessen verfolgt, in welchem Verhältnis die Mitglieder einer sozialen Gruppe zu den Regeln stehen, durch die das geleitet ist, was sie in einer solchen Gruppe tun - ihre ‚normative Praxis'. Dieser traditionelle Ansatz stellt Freiheit und Selbstbindung des individuellen Willens handelnder Personen ins Zentrum der Beschreibung von Sozialität. Er wird hier mit der Einsicht des späten Wittgenstein zum Problem des Regelfolgens verknüpft: Eine einzelne Person kann für sich prinzipiell keine Kriterien dafür haben, wann sie einer Regel folgt und wann nicht; diese Kriterien sollen vielmehr allein aus der normativen Praxis der sozialen Gruppe eruierbar sein, in der diese Person lebt. Sollen diese Einsichten für die zentralen Konzepte der Praktischen Philosophie fruchtbar werden, dann müssen sie nicht-mentalistisch formuliert werden: als Beschreibung sozialer Praktiken, z.B. der Möglichkeiten der individuellen Distanznahme, die sich äußern in der Fähigkeit zur Kritik an Sanktionen und der Fähigkeit, eine soziale Gruppe zu verlassen. Harts Thesen in „The Concept of Law“ (1961) können dafür insofern als Ausgangspunkt dienen, als er durch die Einführung des von ihm sog. ‚internen Aspekts' bei der Beschreibung des Regelfolgens genau den subjektiven Faktor wieder modifiziert in einen Wittgensteinschen Ansatz einbindet, der zunächst aus ihm verbannt wurde. Die Analyse des Sanktionsbegriffs stützt sich v.a. auf die soziologischen Analysen von Geigers „Vorstudien zu einer Soziologie des Rechts“ (1947) und die Arbeiten von Popitz. Ferner sind Tugendhats moralphilosophische Arbeiten seit der Mitte der 80er Jahre von Bedeutung.
Aktualisiert: 2021-12-28
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