Indus Kohistan ist eine Region zu beiden Seiten der Indus-Schlucht in der pakistanischen North-West-Frontier-Province, die 1976 im Zuge des Baus des Karakorum Highways als Distrikt in das pakistanische Staatswesen integriert wurde. Die Bevölkerung besteht aus vielen Sprach-, Territorial- und Deszendenzgruppen, wobei letztere wiederum verschiedenen Statusgruppen zugeordnet werden. Shin ist die Bezeichnung für Deszendenzgruppen von hohem sozialem Rang und Prestige, die in den meisten Teilen Kohistans die Bevölkerungsmehrheit darstellen. Die vorliegende Untersuchung beschränkt sich auf die Beziehungen zwischen Akteuren und Gruppen der Shin.
Die Mehrzahl der etwa 600.000 Menschen zählenden Bevölkerung Indus Kohistans wohnt bis heute in den Indus-Seitentälern und lebt von traditionaler Subsistenzökonomie: Ackerbau und Hochweidewirtschaft. Eine Minderheit allerdings siedelte in den letzten zwei Jahrzehnten um in neuentstandene Bazar-Orte am Karakorum Highway und kehrte der traditionalen Subsistenzökonomie den Rücken: Sie arbeiten als Bedienstete in den „governmental departments“, als Lehrer in Schulen oder im „business“ auf dem Bazar. Angehörige dieser ökonomischen Minderheit, die sozial und politisch aber eng mit der Mehrheit in den Seitentälern verbunden bleiben, stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Konkreter Gegenstand der Fallstudie sind zwei Haushalte im Doppelort Dasu/Komila, dem politischen und ökonomischen Zentrum des Distrikts.
Die Arbeit basiert auf Daten, die auf einer 16-monatigen ethnologischen Feldforschung 1998–2000 erhoben wurden. Thematisch ergeben sich zwei Schwerpunkte:
Es wird erstens aufgezeigt, dass „Freundschaftsbeziehungen“ in einer traditionalen segmentären Gesellschaft auch in zentralen gesellschaftlichen Feldern eine tragende Rolle spielen. Dabei wird „Freundschaft“ definiert als eine Form interpersonaler Beziehungen, die auf Freiwilligkeit und Wahl basieren und ein weites Spektrum von egalitären bis hin zu hierarchisierten Patron-Klient-Beziehungen einschließen. Mit diesem Fokus soll die einseitige und bislang in der Ethnologie vorherrschende Sichtweise ergänzt werden, die in traditionalen und/oder segmentären Gesellschaften seit jeher allein Verwandtschaft und Deszendenz (in Indus Kohistan: streng patrilineare Deszendenzgruppen) als das Handeln der Akteure strukturierende Prinzipien (an)erkennt.
Zum Anderen werden diese Freundschaftsbeziehungen als Machtbeziehungen analysiert. Die Untersuchung von Macht bezieht sich auf die konkrete Handlungsebene. Macht wird dabei verstanden als Fähigkeit, das Handeln Anderer zu beeinflussen. Bezugspunkt ist der routinisierte Alltag „durchschnittlicher“ Akteure und nicht etwa das Handeln prominenter, erklärtermaßen „mächtiger“ Persönlichkeiten.
REZENSION
"To conclude, friendship in Indus Kohistan is much more than a peripheral social phenomenon. The evidence is against the long standing conviction in social anthropology that in traditional societies only kinship is of real importance, leaving only limited, if any, space for friendship. This insight of the present study corresponds widely with recent fieldwork-based research results predominantly carried out in African societies (Grätz/Meier/Pelican 2003). However, this does not mean that the time has now come to simply put old convictions aside and propagate the dominance of bonds of friendship over those of kinship in traditional societies. Moreover, the time has come to pay more careful attention to the overlappings and interim zones between these social domains, be it in Western or in non-Western (traditional) societies."
(Ulrich Oberdiek in „Anthropological Abstracts“, VIII/2009, 141-142)
Aktualisiert: 2023-07-02
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Indus Kohistan ist eine Region zu beiden Seiten der Indus-Schlucht in der pakistanischen North-West-Frontier-Province, die 1976 im Zuge des Baus des Karakorum Highways als Distrikt in das pakistanische Staatswesen integriert wurde. Die Bevölkerung besteht aus vielen Sprach-, Territorial- und Deszendenzgruppen, wobei letztere wiederum verschiedenen Statusgruppen zugeordnet werden. Shin ist die Bezeichnung für Deszendenzgruppen von hohem sozialem Rang und Prestige, die in den meisten Teilen Kohistans die Bevölkerungsmehrheit darstellen. Die vorliegende Untersuchung beschränkt sich auf die Beziehungen zwischen Akteuren und Gruppen der Shin.
Die Mehrzahl der etwa 600.000 Menschen zählenden Bevölkerung Indus Kohistans wohnt bis heute in den Indus-Seitentälern und lebt von traditionaler Subsistenzökonomie: Ackerbau und Hochweidewirtschaft. Eine Minderheit allerdings siedelte in den letzten zwei Jahrzehnten um in neuentstandene Bazar-Orte am Karakorum Highway und kehrte der traditionalen Subsistenzökonomie den Rücken: Sie arbeiten als Bedienstete in den „governmental departments“, als Lehrer in Schulen oder im „business“ auf dem Bazar. Angehörige dieser ökonomischen Minderheit, die sozial und politisch aber eng mit der Mehrheit in den Seitentälern verbunden bleiben, stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Konkreter Gegenstand der Fallstudie sind zwei Haushalte im Doppelort Dasu/Komila, dem politischen und ökonomischen Zentrum des Distrikts.
Die Arbeit basiert auf Daten, die auf einer 16-monatigen ethnologischen Feldforschung 1998–2000 erhoben wurden. Thematisch ergeben sich zwei Schwerpunkte:
Es wird erstens aufgezeigt, dass „Freundschaftsbeziehungen“ in einer traditionalen segmentären Gesellschaft auch in zentralen gesellschaftlichen Feldern eine tragende Rolle spielen. Dabei wird „Freundschaft“ definiert als eine Form interpersonaler Beziehungen, die auf Freiwilligkeit und Wahl basieren und ein weites Spektrum von egalitären bis hin zu hierarchisierten Patron-Klient-Beziehungen einschließen. Mit diesem Fokus soll die einseitige und bislang in der Ethnologie vorherrschende Sichtweise ergänzt werden, die in traditionalen und/oder segmentären Gesellschaften seit jeher allein Verwandtschaft und Deszendenz (in Indus Kohistan: streng patrilineare Deszendenzgruppen) als das Handeln der Akteure strukturierende Prinzipien (an)erkennt.
Zum Anderen werden diese Freundschaftsbeziehungen als Machtbeziehungen analysiert. Die Untersuchung von Macht bezieht sich auf die konkrete Handlungsebene. Macht wird dabei verstanden als Fähigkeit, das Handeln Anderer zu beeinflussen. Bezugspunkt ist der routinisierte Alltag „durchschnittlicher“ Akteure und nicht etwa das Handeln prominenter, erklärtermaßen „mächtiger“ Persönlichkeiten.
REZENSION
"To conclude, friendship in Indus Kohistan is much more than a peripheral social phenomenon. The evidence is against the long standing conviction in social anthropology that in traditional societies only kinship is of real importance, leaving only limited, if any, space for friendship. This insight of the present study corresponds widely with recent fieldwork-based research results predominantly carried out in African societies (Grätz/Meier/Pelican 2003). However, this does not mean that the time has now come to simply put old convictions aside and propagate the dominance of bonds of friendship over those of kinship in traditional societies. Moreover, the time has come to pay more careful attention to the overlappings and interim zones between these social domains, be it in Western or in non-Western (traditional) societies."
(Ulrich Oberdiek in „Anthropological Abstracts“, VIII/2009, 141-142)
Aktualisiert: 2023-07-02
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In den Jahren 2015 und 2016 flohen mehr als eine Million Menschen aus vom Krieg betroffenen Ländern nach Deutschland. Mit der Flucht sind erhebliche persönliche Risiken verbunden, die sich sowohl in der sozialen Situation als auch in der (wahrgenommenen) Gesundheit der Betroffenen widerspiegeln.
Dieses Buch befasst sich theoretisch und empirisch mit dem Einfluss von sozialen Beziehungen auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei in Deutschland eingereisten Asyl- und Schutzsuchenden unter Berücksichtigung des post-/migrationsbedingten Stressors emotionale Einsamkeit – ein Thema mit großer Public Health-Relevanz.
Auf Grundlage der Daten der von der Universität Bielefeld durchgeführten Gesundheitsstudie FlüGe wurden Zusammenhänge zwischen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Indikatoren sozialer Beziehungen mithilfe von linearen Regressionsmodellen analysiert. Ferner wurde die Art der Relation zwischen Indikatoren sozialer Beziehungen und dem Ausmaß emotionaler Einsamkeit auf die gesundheitsbezogene Lebensqualität untersucht.
Aktualisiert: 2020-11-26
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Menschen mit vielen Sozialbeziehungen sind gesünder und erfolgreicher als Menschen mit wenigen. Was heißt das aber für Arbeitnehmer? Sind Arbeitnehmer mit einen guten Verhältnis zu ihren Kollegen, Vorgesetzten und zu ihrem Betrieb auch gesünder und erfolgreicher als Arbeitnehmer mit weniger guten Sozialbeziehungen? Anhand empirischer Daten vornehmlich aus Industrieunternehmen untersucht Max Ueberle die Auswirkungen verschiedener Formen von Sozialkapital auf die Produktivität von Arbeitsgruppen – und kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Die Ausstattung mit Sozialkapital hat einen deutlich messbaren Einfluss auf die Leistung von Arbeitsgruppen, selbst bei weitgehend vorgegebenen Tätigkeitsinhalten in der industriellen Güterherstellung. Angesichts der in vielen Bereichen ausgereizten technischen Entwicklungsmöglichkeiten ist das Sozialkapital somit ein Produktivitätsfaktor, in dem eine deutlich hohe Innovationsrendite für Investitionen zu erwarten ist. Gerade angesichts drohender und eingetretener Qualifikationsengpässe auf dem Arbeitsmarkt wird die Ausstattung mit Sozialkapital so zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil.
Aktualisiert: 2020-12-22
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Freundschaften finden in der wissenschaftlichen Forschung immer stärker Beachtung. Neben Psychologie und Soziologie bietet auch die Ökonomik Ansätze und Modelle, um diese besondere Sozialbeziehung zu erklären. Das moderne ökonomische Verhaltensmodell ist in der Lage, auch Emotionen in die Analyse mit einzubeziehen. Altruismus, Neid oder Liebe spielen dabei für Freundschaften eine wichtige Rolle. Vor allem aber nimmt Vertrauen als riskante Vorleistung eine herausragende Stellung ein. Freundschaften lassen sich auf verschiedene Arten ökonomisch erklären: Als zwangsläufige Folge von Restriktionen, als Resultat individueller Nutzenmaximierung oder mit Hilfe spieltheoretischer Ansätze. Ein besonderes Augenmerk wird unter anderem auf Ursachen und Auswirkungen von Freundschaftskrisen gelegt. Das Buch richtet sich insbesondere an Wirtschaftswissenschaftler und Sozialpsychologen, aber auch an alle, die sich für Freundschaftsbeziehungen und menschliches Verhalten interessieren.
Aktualisiert: 2020-03-24
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Aktualisiert: 2020-12-17
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Menschen mit vielen Sozialbeziehungen sind gesünder und erfolgreicher als Menschen mit wenigen. Was heißt das aber für Arbeitnehmer? Sind Arbeitnehmer mit einen guten Verhältnis zu ihren Kollegen, Vorgesetzten und zu ihrem Betrieb auch gesünder und erfolgreicher als Arbeitnehmer mit weniger guten Sozialbeziehungen? Anhand empirischer Daten vornehmlich aus Industrieunternehmen untersucht Max Ueberle die Auswirkungen verschiedener Formen von Sozialkapital auf die Produktivität von Arbeitsgruppen – und kommt zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Die Ausstattung mit Sozialkapital hat einen deutlich messbaren Einfluss auf die Leistung von Arbeitsgruppen, selbst bei weitgehend vorgegebenen Tätigkeitsinhalten in der industriellen Güterherstellung. Angesichts der in vielen Bereichen ausgereizten technischen Entwicklungsmöglichkeiten ist das Sozialkapital somit ein Produktivitätsfaktor, in dem eine deutlich hohe Innovationsrendite für Investitionen zu erwarten ist. Gerade angesichts drohender und eingetretener Qualifikationsengpässe auf dem Arbeitsmarkt wird die Ausstattung mit Sozialkapital so zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil.
Aktualisiert: 2020-03-26
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