Ein Preis von Dath,  Dietmar

Ein Preis

»Paul Adrien Maurice Dirac (1902–1984) fährt 1933 mit seiner Mutter nach Stockholm, um den Nobelpreis für Physik entgegenzunehmen. Quantenmechanik gibt grundsätzlich Rechenschaft von allen die Elektronenhüllen der Atome betreffenden Vorgängen und Zustandsmöglichkeiten, natürlich auch der Kerne, aber nicht erschöpfend. Die Einzige, die davon erschöpft ist, ist die Mutter. Sie sorgt sich um ihren nur widerwillig mit der Würde wechselwirkenden Sohn. Diese Mütter, die einfach nicht aufhören, sich über ihre Kinder erkältende Kerngedanken zu machen, bis sie selbst nicht mehr in der Lage sind, das Notwendige zu tun. „Wo blieb der berechtigte Stolz auf den Sohn?“ „Beschäftigte sich Paul wohl je mit solchen Dingen: (…) was man machen konnte, oder wer schuld war, wenn man nichts machen konnte (…)?“ Aber ja, und wie gut: „Paul gab seiner Mutter keine Schuld, weil er wusste, dass er dann die Fassung verlieren würde.“ Dietmar Dath macht das ganz traumwandlerisch sicher mit den Bezügen zwischen Dingen und Gedanken, Müttern, Physikern und Politik. Und man soll nicht glauben, man kommt schlicht vom Hölzchen aufs Stöckchen und da wäre nichts dabei. Nein, „Ein Preis“ ist sehr diskret in seiner Struktur, vorwärts gut lesbar und rückwärts scheinbar immer genauer zu verstehen. Dath weiß wohl auch genau, wie das funktioniert mit der Unschärferelation, was Lenin nicht wusste und deshalb meinte, die neue Physik glitte zum reinen Geist des Idealismus ab, weil sie die Dialektik nicht kennt … Aber das verwunderliche Auseinander-Hervorgehen und Ineinander-Umschlagen wird in diesem kleinen Text so einleuchtend würdig verschwommen – wenn nicht in Physik – so doch in einem Physiker gefunden. „Proper“!« (Textem, Nora Sdun)

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