Vornehmlich in Zeiten krisenhafter gesellschaftlicher Prozesse besteht ein breites Bedürfnis nach möglichst einfachen Erklärungen für komplexe politische, soziale und ökonomische Zusammenhänge. Die Folge ist die emotionale Hinwendung zu stereotypen, legendären oder mythischen Vorstellungen, Bildern und Deutungen aus der Geschichte. Denn, so erinnerte sich der ehemalige sowjetische Botschafter in der Bundesrepublik Valentin Falin: "Die Wissenschaft ist zu kalt für uns. Wir ziehen Mythen und Legenden vor."
Es gehört zum traditionellen Selbstverständnis der modernen Geschichtswissenschaft, die "historischen Schattenwinkel" (K. D. Bracher/H.-P. Schwarz) zu erhellen, in denen sich Geschichtsmythen und Geschichtslegenden einnisten. Aus dieser Aufgabe bezieht die Geschichtswissenschaft zu einem guten Teil ihre Legitimation. In jüngster Zeit haben Historiker indes gelernt, mythische Erzählungen durchaus auch als einen positiven Bestandteil der Erinnerungskultur zu begriefen. Beide Aspekte - Konstruktion und Dekonstruktion von Geschichtsmythen und Geschichtslegenden - sind Gegenstand der Beiträge dieses Bandes.
Aktualisiert: 2019-10-31
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Das „Dritte Reich“ wurde nicht nur von Politikern, Militärs, Industriellen, Publizisten und Intellektuellen herbeigeschrieben, herbeigesehnt, herbeiagitiert und schließlich von ihnen etabliert und konsolidiert. Auch Schriftsteller leisteten ihren Beitrag dazu. Die nationalsozialistische Kultur- und Literaturpolitik setzte vor allem auf Autoren, die sich dem konservativ-nationalen und völkischen Milieu zugehörig fühlten. Denn die Literatur, wie die anderen Künste auch, sollte als „Waffe der politischen und weltanschaulichen Auseinandersetzung“ dienen.
Die in diesem Band versammelten zehn biografischen Aufsätze stellen jeweils einen Autor vor, der sich zum Regime bekannte und dessen Texte von den Kulturinstitutionen des NS-Regimes gefördert, empfohlen und propagandistisch verwertet wurden. Über diese wie die meisten anderen der Diktatur verpflichteten Dichter und ihr Werk ist bisher nur wenig oder so gut wie nichts wissenschaftlich verlässlich bekannt. Sie werden bis heute von der Forschung weitgehend vernachlässigt – obgleich sie im Literatur- wie im politischen System des „Dritten Reichs“ von einiger, im Einzelfall auch großer Bedeutung waren, was manchmal auch in der Bundesrepublik Deutschland eine langfristige Fortsetzung fand.
Aktualisiert: 2019-11-18
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»Die Natur und die Geschichte bieten uns eine große Anzahl verschiedener Menschen, nicht aber eine Menschheit.« (Houston Stewart Chamberlain)
Es wird eine verzweigte Intellektuellen- und Ideengeschichte um 1900 aufgeschlagen. Der Sozialphilosoph – heute aber vor allem als Schwiegersohn Wagners, Bayreuther Ideologe und Vordenker Hitlers bekannte – Chamberlain pflegte intensive Beziehungen zu jüdischen Intellektuellen. Erstaunliche Konstellationen zwischen Rassentheorie, Kulturreform, Kunst und Wissenschaft werden in einer Zeit lebendig, in der sich antisemitische und zionistische Anschauungen konsolidierten, revolutionär Konservative auf avantgardistische Künstler trafen und sich reformbewegte Sonnenanbeter gleichzeitig links- und rechtspopulistisch orientierten.
Kritische Untersuchungen zu Chamberlain und Persönlichkeiten jüdischer Herkunft sind ein Desiderat. Die Analyse und Auswertung dieser unbekannten Korrespondenzen und Hintergründe zielen in den Kernbereich deutsch-jüdischer Forschung. Das Buch zeigt Chamberlain, der in der kulturellen Szene Wiens und Bayreuths zwischen 1890 und 1920 eine Schlüsselfigur darstellt, im feingeistigen Austausch mit jüdischen Intellektuellen wie Karl Kraus, Walther Rathenau, Maximilian Harden, Otto Weininger und Martin Buber.
Es werden ideologische Verschränkungen in der Moderne und daraus resultierende Verhaltensmuster herausragender Persönlichkeiten aufgedeckt, die in Bezug auf antisemitische Verkrümmungen und sogenannten jüdischen Selbsthass eine lange Vorgeschichte des »Dritten Reiches« belegen.
Kritische Stimmen zum Buch:
»Das Buch versucht mit einigen Missverständnissen aufzuräumen, die mit der Person und dem Werk Houston Stewart Chamberlains (1855–1927) zusammenhängen. Brömsel stellt insbesondere die Frage, wie Chamberlains Einlassungen zu Juden und Judentum aus heutiger Sicht zu bewerten sind und unterzieht sie einer differenzierten Betrachtung. Chamberlain war zweifellos jemand, der den Nährboden für die NS-Ideologie mit vorbereitet hat, aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kulturphilosoph mehr war als nur der Steigbügelhalter Hitlers und seiner Entourage.
Sven Brömsel besticht mit seinem Buch nicht nur durch Klarheit der Gedankenführung, sondern erschließt auch wissenschaftliches Neuland. Die zum Teil erstmalig ausgewerteten Archivalien sowie andere Quellen sind die Basis für das Buch, das in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe setzt.« (Julius H.Schoeps)
»What is truly impressive about Brömsels work is the detail by which he fleshes out the meanings associated to the intellectual follow between Chamberlain and his Jewish contemporaries. Well documented From the public record as well as Form archival holdings, Brömsels presentation is scholarly and measured. He attempts to understand both the public relationship and the private meaning of such connections for both parties. [...] In general though his work is solid and comprehensive and will serve to answer recent studies, such as that of Paul Reitter on Kraus, which sees as liberating and self-critical exactly the sorts of positions that Brömsel sees as confused and self-damaging. I think that Brömsels work has made the case against Reitters (and others) position and will be taken very seriously in the work on Jewish identity formation in the late 19th and early 20th centuries.« (Sander L. Gilman)
Aktualisiert: 2023-03-20
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