Karl Jaspers ‒ Philosophie menschlicher Existenz und Vernunft

Karl Jaspers ‒ Philosophie menschlicher Existenz und Vernunft von Fahrenbach,  Helmut
„Würde man allein nach der Wirkungsgeschichte und der gegenwärtigen Resonanz urteilen, so dürfte es schwer fallen, das Werk von Karl Jaspers heute als eine wirksame Philosophie unserer Zeit anzusehen. Schon zu Jaspers’ Lebzeiten und während der Dominanzphasen der ‚Existenzphilosophie‘, also nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, war sein Einfluss auf die philosophische Diskussion deutlich geringer als etwa derjenige Martin Heideggers, jedenfalls im Bereich der – von Jaspers freilich auch wenig geschätzten – akademischen ‚Schulphilosophie‘. Und als dann seit den 1960er Jahren analytische Philosophie und marxistische Theorie, Strukturalismus und Systemtheorie die Existenzphilosophie in den Hintergrund drängten, schien deren Zeit überhaupt vorbei zu sein. […] Seit einiger Zeit sind wir allerdings in einer Phase, in der die politischen Fronten der 1960er und 70er Jahre z.T. aufgelöst bzw. verlassen worden sind und – z.B. im Zuge der Tendenzen einer ‚postmodernen‘ Rationalitätskritik – sogar ein neues Interesse an der Existenzphilosophie aufgekommen ist. […] Zunächst gilt es, in einem ersten Teil die systematischen und methodischen Grundzüge von Jaspers’ Philosophie der Existenz und Vernunft – von den in der Philosophie von 1932 entwickelten Grundbestimmungen über eine Aufklärung der ethischen Dimension der Existenzerhellung bis hin zu den „transzendentalen Erhellungen“ der philosophischen Logik – in Vernunft und Existenz (1935) und Von der Wahrheit (1948) – aufzuzeigen und intern zu erörtern. Dabei werden auch entsprechende Korrekturen am sehr oft verkürzten und verzerrten Bild der Jaspers’schen Philosophie vorgenommen. Dieser Teil verfährt primär immanent darstellend und interpretierend. Die kritische Erörterung, auch mit Bezug auf die z.T. bereits angedeuteten eigenen kritischen Fragen, erfolgt in den ‚kritischen Diskursen‘. Der zweite Teil enthält zudem eine Reihe thematisch bezogener kritischer Diskurse zwischen Jaspers und jeweils sachlich-kritisch relevanten anderen Positionen der zeitgenössischen Philosophie. Zum Teil lassen sich diese Diskurse an begonnene Diskussionen anschließen – so zwischen Jaspers und Bultmann, Heidegger – oder an, wenn auch zumeist spärliche, wechselseitige Bezugnahmen – zwischen Jaspers, Heidegger und Sartre – bzw. einseitige – von Bloch, Plessner, Habermas aus. Aber die Bezugnahmen tragen nicht weit. Um einen sachlich-kritischen Diskurs in Gang zu bringen, bedarf es einer Rekonstruktion der Problemkonstellation, die sich aus den differenten Ansichten der problematischen ‚Sache‘ ergibt und die eine korrektive Diskussion möglich und nötig macht. Der Notwendigkeit, die Philosophie von Jaspers in solche zeitgenössischen Diskussionszusammenhänge zu bringen, um sie darin zu prüfen und zu bewähren, wird hier an einigen, aber – wie mir scheint – besonders aufschlussreichen und wichtigen Verhältnissen entsprochen, auch wenn man das Bezugsfeld gewiss erweitern könnte: etwa auf Ludwig Wittgenstein, in dessen (frühem) Denken Jaspers eine ähnliche Grenzreflexion zwischen Wissenschaft, Philosophie, den Lebensproblemen und dem ‚Mystischen‘ am Werke sah, oder auch, zumindest was Parallelen in der Art des dialektischen Denkens angeht, auf Adornos „Negative Dialektik“. Im dritten Teil wird die politische Philosophie von Jaspers rekonstruiert: von den Ansätzen – vor 1933 – über die durch die Erfahrung des Nationalsozialismus bewirkte Wendung zu einer ebenso umfassend angelegten wie politisch konkret werdenden Philosophie von Vernunft und Existenz, im Hinblick auf die politisch-gesellschaftlichen Bedingungen menschlicher Freiheit und einer Weltfriedensordnung angesichts der atomaren Bedrohung bis hin zur interkulturellen und weltgesellschaftlichen Bedeutung der Philosophie kommunikativer Vernunft. […].“ (Aus der Einleitung)
Aktualisiert: 2023-06-08
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Glück und Verfehlung in Sören Kierkegaards Krankheit zum Tode

Glück und Verfehlung in Sören Kierkegaards Krankheit zum Tode von Nickel,  Margit
Glück ist ein allseits ersehntes Gut. Doch wie kommt man dazu? Der von Søren Kierkegaard bereits in „Entweder – Oder“ (1843) charakterisierte Ästhetiker sucht sein Glück in glücklichen Momenten, jedoch verliert er sich in der Jagd danach. Der Spießbürger glaubt sein Glück in der materiellen Versorgung zu finden. Das Glück wird in einem phantasielos verplanten und kalkulierten Leben gesucht. Doch er verpasst dadurch sein Leben. Das höchste Glück, die Seligkeit, ist nur im christlichen Glauben zu erreichen. Die Autorin Margit Nickel hat diese Analyse Søren Kierkegaards zu ergründen gesucht. Die Sünde als ruinöse Wirkmacht lässt das eigene Wollen verfehlt sein. Der Mensch steht sich selbst im Weg auf der Suche nach Glück und bleibt verzweifelt. Einzig Jesus Christus kann ihn als der wahre Seelsorger heilen von der „Krankheit zum Tode“. Das Glück liegt in der gelungenen Selbstverwirklichung, in der der Mensch sich selbst als Geschöpf Gottes verstehen und annehmen kann inmitten einer sinnvollen Schöpfungsordnung.
Aktualisiert: 2023-02-09
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Karl Jaspers ‒ Philosophie menschlicher Existenz und Vernunft

Karl Jaspers ‒ Philosophie menschlicher Existenz und Vernunft von Fahrenbach,  Helmut
„Würde man allein nach der Wirkungsgeschichte und der gegenwärtigen Resonanz urteilen, so dürfte es schwer fallen, das Werk von Karl Jaspers heute als eine wirksame Philosophie unserer Zeit anzusehen. Schon zu Jaspers’ Lebzeiten und während der Dominanzphasen der ‚Existenzphilosophie‘, also nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, war sein Einfluss auf die philosophische Diskussion deutlich geringer als etwa derjenige Martin Heideggers, jedenfalls im Bereich der – von Jaspers freilich auch wenig geschätzten – akademischen ‚Schulphilosophie‘. Und als dann seit den 1960er Jahren analytische Philosophie und marxistische Theorie, Strukturalismus und Systemtheorie die Existenzphilosophie in den Hintergrund drängten, schien deren Zeit überhaupt vorbei zu sein. […] Seit einiger Zeit sind wir allerdings in einer Phase, in der die politischen Fronten der 1960er und 70er Jahre z.T. aufgelöst bzw. verlassen worden sind und – z.B. im Zuge der Tendenzen einer ‚postmodernen‘ Rationalitätskritik – sogar ein neues Interesse an der Existenzphilosophie aufgekommen ist. […] Zunächst gilt es, in einem ersten Teil die systematischen und methodischen Grundzüge von Jaspers’ Philosophie der Existenz und Vernunft – von den in der Philosophie von 1932 entwickelten Grundbestimmungen über eine Aufklärung der ethischen Dimension der Existenzerhellung bis hin zu den „transzendentalen Erhellungen“ der philosophischen Logik – in Vernunft und Existenz (1935) und Von der Wahrheit (1948) – aufzuzeigen und intern zu erörtern. Dabei werden auch entsprechende Korrekturen am sehr oft verkürzten und verzerrten Bild der Jaspers’schen Philosophie vorgenommen. Dieser Teil verfährt primär immanent darstellend und interpretierend. Die kritische Erörterung, auch mit Bezug auf die z.T. bereits angedeuteten eigenen kritischen Fragen, erfolgt in den ‚kritischen Diskursen‘. Der zweite Teil enthält zudem eine Reihe thematisch bezogener kritischer Diskurse zwischen Jaspers und jeweils sachlich-kritisch relevanten anderen Positionen der zeitgenössischen Philosophie. Zum Teil lassen sich diese Diskurse an begonnene Diskussionen anschließen – so zwischen Jaspers und Bultmann, Heidegger – oder an, wenn auch zumeist spärliche, wechselseitige Bezugnahmen – zwischen Jaspers, Heidegger und Sartre – bzw. einseitige – von Bloch, Plessner, Habermas aus. Aber die Bezugnahmen tragen nicht weit. Um einen sachlich-kritischen Diskurs in Gang zu bringen, bedarf es einer Rekonstruktion der Problemkonstellation, die sich aus den differenten Ansichten der problematischen ‚Sache‘ ergibt und die eine korrektive Diskussion möglich und nötig macht. Der Notwendigkeit, die Philosophie von Jaspers in solche zeitgenössischen Diskussionszusammenhänge zu bringen, um sie darin zu prüfen und zu bewähren, wird hier an einigen, aber – wie mir scheint – besonders aufschlussreichen und wichtigen Verhältnissen entsprochen, auch wenn man das Bezugsfeld gewiss erweitern könnte: etwa auf Ludwig Wittgenstein, in dessen (frühem) Denken Jaspers eine ähnliche Grenzreflexion zwischen Wissenschaft, Philosophie, den Lebensproblemen und dem ‚Mystischen‘ am Werke sah, oder auch, zumindest was Parallelen in der Art des dialektischen Denkens angeht, auf Adornos „Negative Dialektik“. Im dritten Teil wird die politische Philosophie von Jaspers rekonstruiert: von den Ansätzen – vor 1933 – über die durch die Erfahrung des Nationalsozialismus bewirkte Wendung zu einer ebenso umfassend angelegten wie politisch konkret werdenden Philosophie von Vernunft und Existenz, im Hinblick auf die politisch-gesellschaftlichen Bedingungen menschlicher Freiheit und einer Weltfriedensordnung angesichts der atomaren Bedrohung bis hin zur interkulturellen und weltgesellschaftlichen Bedeutung der Philosophie kommunikativer Vernunft. […].“ (Aus der Einleitung)
Aktualisiert: 2023-03-30
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